Sumi-e Kanji 勇 (Mut)
勇

Kun: isamu   ·   On: yū

Mut, Tapferkeit

Mut, Tapferkeit, Entschlossenheit; im Alltag 勇気, im Zen 勇猛精進, die nicht nachlassende Übung.

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Was ist das Kanji für Mut?

Mut ist selten die Abwesenheit von Zögern. 勇 (yū) ist das Kanji für Mut, auch gelesen isamu. Es ist die Kraft, die einen Schritt beginnen lässt. Was danach jeden Tag weitergeht, hat im Buddhismus einen anderen Namen.

Das Zeichen

Unten steht 力, die Kraft. Mit dem Feld 田 darüber sieht der untere Teil im japanischen Zeichen wie 男 aus; ganz oben sitzt eine kleine Form wie das Katakana マ. In der Pinselschrift stemmt sich die breite Kraft unten gegen die Bewegung darüber. Das Zeichen wirkt, als setzte es schon zum ersten Schritt an.

Mut muss deshalb nicht groß aussehen. Vielleicht wartet ein Weg am Rand der Lichtung. Der mutige Augenblick ist nicht die ganze Strecke. Er ist der Fuß, der sich auf den noch leeren Pfad setzt.

勇 ist der Schwung, der einen Anfang macht. Die beharrliche Tatkraft trägt weiter, wenn der Schwung verbraucht ist. Beides gehört zusammen, aber es ist nicht dasselbe.

Haiku

Am Rand der Lichtung
wartet der noch leere Pfad.
Ein Fuß setzt sich vor.

Im Zen

勇猛精進 (yūmyō shōjin) heißt, mit tapferem Herzen Schwierigkeiten zu überwinden und in der Übung nicht nachzulassen. Der Ausdruck verbindet den Mut des Anfangs mit der Kraft des Weitergehens.

精進 (shōjin) ist diese beharrliche Tatkraft. Sie gehört zu den sechs Vollkommenheiten und steht dort neben der Geduld. Unter den fünf Fähigkeiten folgt sie auf das Vertrauen. Der erste Schritt braucht Mut. Der tausendste braucht eine Kraft, die nicht vom Gefühl des ersten Tages abhängt.

In der Altbäckersmühle

Die Karte Mut hält den Mut klein und genau: Tapferkeit, der Schritt trotz Zögern. Kein Heldentum, nur der nächste Schritt. Über einem Essay von Zen im Leben steht 勇 bisher nicht.

Überlieferung

Die Wendung 勇猛精進 steht schon im Eingangskapitel des Lotos-Sutra. In einem japanischen Text ist sie um 1216 belegt. Dabei wird 勇猛 buddhistisch yūmyō gelesen, während dieselben Zeichen heute sonst meist yūmō heißen.

Der eigentliche Fachbegriff der Überlieferung ist 精進. Er übersetzt das indische vīrya, die ausdauernde Tatkraft. 勇 verstärkt ihn. So wurde aus dem Mut keine einzelne Heldentat, sondern eine Kraft, die sich in wiederholter Übung bewähren muss.

Häufige Fragen

Heißt Mut auf Japanisch 勇 oder 勇気?

Im Alltag sagt man 勇気 (yūki). 勇 allein heißt Tapferkeit oder Mut und steht in festen Wendungen.

Steckt in 勇 das Zeichen für Mann?

In der japanischen Schreibung sieht der untere Teil wie 男 aus. Hergeleitet wird 勇 aber aus 甬, das den Laut gibt, und 力, der Kraft. Mit dem Mann hat der Mut in diesem Zeichen nichts zu tun.

Gibt es im Zen ein Wort für Mut?

Die buddhistische Lehre, auf der auch das Zen steht, kennt die feste Wendung 勇猛精進 (yūmyō shōjin): mit tapferem Herzen in der Übung nicht nachlassen. Der Fachbegriff darin ist 精進, die Tatkraft.

Für Expert:innen

勇 hat neun Striche. Sein Radikal, das Ordnungszeichen im Wörterbuch, ist 力, die Kraft, Nummer 19 der Kangxi-Ordnung. In der japanischen Schreibung steht oben 龴, darunter eine Form, die wie 男 aussieht. Im traditionellen Chinesisch stehen oben 龴, darunter 用 und 力.

甬 gibt in diesem Zeichen den Laut. 力 trägt die Bedeutung. Gemeint ist eine überquellende Tatkraft, die nach außen drängt. Dass die japanische Form wie 男 aussieht, gehört zur heutigen Schreibung und nicht zur Herkunft.

Die aus dem Chinesischen übernommene On-Lesung ist yū. Außerhalb der amtlichen Liste steht auch yō. Die japanische Kun-Lesung ist isamu. Japanische Kinder lernen 勇 in der vierten Klasse.

勇気 (yūki) ist das gewöhnliche Wort für Mut. 武勇 (buyū) ist Tapferkeit im Kampf. 義勇 (giyū) ist Treue und Mut, Heldenmut. 勇む (isamu) heißt, in Hochstimmung oder ermutigt zu sein. 勇退 ist ein entschlossener Rückzug aus einem Amt. 勇断 ist eine mutige Entscheidung. Mut kann also auch heißen, eine Grenze zu ziehen oder rechtzeitig aufzuhören.