Was ist das Fukanzazengi?
Das Fukanzazengi (普勧坐禅儀) ist Dōgens kurze, allgemein gerichtete Anleitung zum Zazen. Der Titel bedeutet sinngemäß allgemeine oder umfassende Empfehlung der Zazen-Form.
Was bedeuten die Schriftzeichen?
普 bedeutet allgemein oder umfassend. 勧 bezeichnet empfehlen oder ermutigen. 坐禅 ist Zazen, das Sitzen in meditativer Versenkung. 儀 bedeutet Form, Regel oder angemessene Weise. Mehr zu den Zeichen steht unter Fukanzazengi.
Die älteren Zeichenformen lauten 普勸坐禪儀. Der Text ist in klassischem Chinesisch verfasst, obwohl Dōgen ihn in Japan schrieb.
Der Titel empfiehlt das Sitzen allen. Kobun Chino Otogawa verstand die Anleitung als Text für jeden Menschen, der sich für das Sitzen interessiert, unabhängig von Alter oder Geschlecht.
Wann entstand der Text?
Dōgen schrieb 1231 im Bendōwa, er habe nach seiner Rückkehr aus China 1227 eine erste Fassung verfasst. Wo die erste Fassung entstand, steht nicht fest; erwogen werden der Shōfukuji (聖福寺) in Hakata, der Tempel 西方寺 in Yura, aus dem der Kōkokuji hervorging, und der Kenninji (建仁寺).
Erhalten ist eine eigenhändige, überarbeitete Handschrift von 1233; Dōgen schrieb sie im Kōshōji in Fukakusa ins Reine. Sie heißt nach der damaligen Ära Tenpuku-Manuskript, liegt im Eiheiji und ist seit 1952 Nationalschatz.
Daneben gibt es eine weiter bearbeitete Fassung im Eihei Kōroku. Sie wurde zur verbreiteten Textform und weicht in Wortlaut und Inhalt von der Tenpuku-Handschrift ab. Carl Bielefeldt datiert diese verbreitete Fassung wegen ihrer Nähe zu Dōgens späteren Texten nicht vor 1242. So gab es drei Fassungen: die erste von 1227, die Tenpuku-Handschrift von 1233 und die Fassung im Eihei Kōroku.
Das Fukanzazengi umfasst 756 chinesische Zeichen in kunstvoller Vier-Sechs-Parallelprosa (四六駢儷体). Es gliedert sich in Einleitung, Hauptteil über Ort und Weise des Sitzens und einen abschließenden Teil.
Was steht im Fukanzazengi?
Der Text verbindet praktische Sitzanweisungen mit einer Aussage über Übung und Erwachen. Er nennt einen ruhigen Ort, Sitzmatte und Sitzkissen, vollen oder halben Lotossitz, die Lage der Hände, den aufrechten Körper und die geöffneten Augen.
Die rechte Hand liegt auf dem linken Fuß, die linke Hand auf der rechten Handfläche, die Handhaltung des Hokkai-jōin. Die Ohren stehen über den Schultern, die Nase über dem Nabel. Zunge, Lippen, Zähne und Blick gehören ebenso zur Form.
Zazen ist für Dōgen das Haupttor des Buddha-Weges, kein bloßes Mittel zu einer späteren Befreiung. Übung endet auch nach dem Erwachen nicht. Das körperlich genaue Sitzen und das Verständnis des Weges bleiben miteinander verbunden.
Die Wendungen über Denken, Nichtdenken und das Denken jenseits des Denkens (思量, 不思量, 非思量) führen zum Begriff Hishiryō.
Ist das Fukanzazengi vollständig neu?
Nein. Den Abschnitt über die Sitzhaltung übernahm Dōgen zu großen Teilen aus dem Zuochan yi des Changlu Zongze, einer chinesischen Sitzanleitung aus dem frühen zwölften Jahrhundert. Dieser ältere Text ist in der Klosterregel Chanyuan qinggui überliefert.
Dōgen hielt zugleich in einer eigenen Notiz zur Entstehung des Textes fest, dass ihm die verbreitete Anleitung nicht genügte. Er wollte den Geist der älteren Klosterregel des Baizhang weitergeben. Die sprachlichen Parallelen sind deutlich, doch die Abweichungen gehören ebenso zum Text.
Mehr zur chinesischen Vorlage steht unter Was ist das Zazen-Gi?.
Ist das Fukanzazengi dasselbe wie Dōgens Zazengi?
Nicht ganz. Fukanzazengi ist der Titel der allgemein gerichteten Anleitung; Zazengi kann im Sōtō als Kurzname dafür stehen und bezeichnet außerdem eine Gattung von Sitzanleitungen.
Daneben gibt es Dōgens eigenes Kapitel Zazengi im Shōbōgenzō. Dōgen trug es 1243 im Yoshimine-dera vor. Der chinesische Text des Changlu Zongze, Dōgens Fukanzazengi und das Shōbōgenzō Zazengi sind daher drei verschiedene Texte.
Welche Rolle spielt der Text in der heutigen Praxis?
Im japanischen Sōtō gilt das Fukanzazengi als Grundschrift; in den Klöstern wird es auch rezitiert, oft bei der Abendmeditation.
Die Altbäckersmühle erklärt die Sitzform in ihrem Zazen-Eintrag und in ihrer Anleitung für die gemeinsame Übung; die Hände liegen dort in derselben Reihenfolge wie im Fukanzazengi. Kobun Chino, über den die Formen der Mühle kommen, sagte, Dōgen habe den Text viele Male in seinem Leben überarbeitet.
Wer die Praxis kennenlernen möchte, findet eine Einführung unter Was ist Zazen?.
