Zen

Lernen und Lehre
in der Altbäckersmühle

Was ist Zen?

ZEN ist einfach nur der Schlüssel, der das Tor zu unserer umfassenden Fähigkeit zur Güte öffnet. Oftmals ist das eine bittere Wahrheit. Sie verlangt, sich auf die Person einzulassen, die wir sind, darauf, was wir denken, was wir sagen und was wir mit unseren Körpern tun. Wir müssen gründlich sein; jeden Tag müssen wir in jedem Moment gründlich wir selbst sein, ohne dafür etwas zu erwarten. Wir müssen das tun, um diesen dünnen Schleier der Illusion zu durchdringen, der uns von unserer unbegrenzten, spontan verfügbaren Güte trennt.

Das unbewegte Sitzen Buddhas ist nicht einfach nur Unbewegtheit und Schweigen, sondern Stille, absolute Präsenz. In einer solchen Präsenz existiert auch nicht die geringste Einmischung in das, was geschieht. Es ist eine körperliche und geistige Nichteinmischung in unsere Erfahrung. Es ist tiefes Vertrautsein mit allem, was geschieht. Dieses Sitzen verwirklicht eine unbegrenzt  anpassungsfähige Unbewegtheit, die sich auf die unbeständige Natur der Dinge einlassen kann und sich mit allen Situationen in Einklang zu bringen versteht.

Reb TenShin Anderson: »Ein warmes Lächeln vom kalten Berg«

»Die Praxis der Wahren Wirklichkeit ist es, einfach heiter gelassen in schweigender Selbstbeobachtung zu sitzen… so erscheint die strahlende Klarheit vor Dir.«

Hongzhi Zhengjue

Praxis des Zen

IM ZEN nennen wir das Sitzen in Stille – Zazen – das bedeutet wörtlich‚ »sitzen in Versunkenheit«. Nach Dogen Zenji ist Sitzen das Verweilen in einem Zustand gedankenfreier, hellwacher Aufmerksamkeit, die auf kein Objekt gerichtet ist und an keinem Inhalt haftet. Zen ist weder eine Theorie, eine Idee, noch ein intellektuelles Wissen, sondern eine Praxis: nämlich die des »richtigen Sitzens«. Die innere Revolution wird von der Praxis des ZAZEN erzeugt. Tiefe Weisheit entwickelt sich, deren Essenz wir nicht allein mit dem logischen Denken erreichen können, wie uns Buddha lehrte.

 

Sitzanleitung

Nimm also über deine Unterschenkel Kontakt zum Boden auf – deine Füße sind angewinkelt, fühle so deine Sitzbeinhöcker – prüfe, ob dein Gewicht auf beiden Höckern gleichmäßig verteilt ist – spüre, ob deine Wurzel in die Einheit deines Körpers hineingenommen ist. Dein Becken ist leicht nach vorne gekippt, Körper und Kopf sind aufgerichtet und soweit als möglich entspannt. Das Kinn wird zurückgezogen, der Nacken gestreckt, die Schultern sind ganz natürlich entspannt.

 

Deine Augen sind halb geschlossen, der Blick ist ein Meter vor dir auf den Boden gesenkt. Die Zungenspitze legst du unter deinen Gaumen. Dein Gesicht lächelt. Die linke Hand liegt in der rechten mit den Handflächen nach oben. Die Daumen sind waagrecht, berühren sich sanft, und die beiden auf den Oberschenkeln aufliegenden Hände berühren deinen Unterbauch etwa zwei Fingerbreit unterhalb deines Nabels.

Jedes Detail der Haltung hat eine tiefe Bedeutung. Denn alle Teile des Körpers hängen wechselseitig voneinander ab und beeinflussen sich gegenseitig. Die Haltung ist von einer großen Stabilität. Bei nachlassender Haltung richtet euch ganz zart wieder auf. Während der ganzen Übung bleibe in der Beobachtung deines Körpers.

 

Lass deinen Atem geschehen. Schaue zu, wie er kommt und geht. Manipuliere nicht. Es reicht hinzuschauen, wie der Atem durch deinen Körper fließt. Spüre wie sich dein Bauchraum, deine Bauchdecke und dein Brustraum verändern. Wenn ihr euch der Ausatmung hingebt und euch von der Einatmung anfüllen lasst, in einem harmonischen Kommen und Gehen, dann bleibt von euch nicht mehr als ein Kissen unter dem leeren Himmel, mit dem Gewicht einer züngelnden Flamme.

 

Genauso wie die richtige Atmung nur aus einer richtigen Haltung entstehen kann, ergibt sich die Geisteshaltung ganz natürlich aus einer tiefen Konzentration auf Haltung und Atmung. Sitze in Freiheit ohne ein Gefühl von Zwang. Sei geistig präsent, d. h. achte darauf, dass du nicht ins Träumen oder Dösen verfällst. Habe nicht den Ehrgeiz deinen Geist zur Ruhe zu bringen, bzw. keine Gedanken zu haben. Sitze, um zu sitzen. Es ist wichtig, alles anzunehmen was kommt: Gedanken, Gefühle gleich welcher Art. Annehmen, betrachten und heimfinden zur Übung, z. B. zählen des Atems, beobachten des Atems, Arbeit mit deinem Koan oder reines Gewahrsein – wie auch immer deine Übung aussieht.

Stelle dir ein Boot vor, das an einem Fluss mit der Strömung antreibt. Das ist dein Gedanke. Du musst dich nicht in das Boot hinein setzen. Vielleicht gibst du ihm einen Namen: Ärger, Enttäuschung oder Vergangenheit, Zukunft usw.. Schau ihm nach und kehre zurück zu deiner Übung.

Lass immer wieder Vertrauen zu deinem Weg in dir entstehen und sei gewiss, dass dein Üben etwas bewirkt in dir und für den ganzen Kosmos. ZAZEN beeinflusst das ganze Wesen, Körper und Geist. Durch eine regelmäßige Praxis vertieft sich das Verständnis für unser eigenes Leben. Dieses Verständnis spiegelt sich dann in jeder unserer täglichen Handlungen wider. Wenn in jeder Handlung unseres Lebens der Geist derselbe ist, sind die Handlungen auf natürliche Weise richtig.

 

Wie im ZAZEN können wir vollkommen gegenwärtig im Augenblick sein, in der Fülle des Hier und Jetzt. Unser Geist ist friedlich, ohne Komplikationen, ohne Berechnung, ohne Angst. Der Egoismus nimmt ab, wir lernen uns als Teil des Ganzen zu spüren und wir folgen natürlicher dem Fluss des Lebens. So werden unsere Beziehungen zu den anderen Menschen einfacher und durchsichtiger. Mitgefühl und Weisheit zeigt sich in deinen alltäglichen Handlungen. Dann können wir von ganz alleine zum Wesentlichen und zum einfachen Leben finden. ZAZEN ist die erwachsene Form unseres Lebens. Es ist das wahre Glück, die echte Freiheit. Wenn jemand fragt, was das wahre Zen ist, braucht ihr nicht euren Mund öffnen, um es zu erklären. Stellt alle Aspekte eurer Zazenhaltung dar (siehe Film). Wirklich alle Aspekte … bezieht sich auf jede eurer Handlungen in jedem Augenblick. Dann wird der Fühlingswind wehen und die wunderbare Blüte des Kirschbaumes aufgehen lassen… und Ihr seid Buddha!

 

Lied von der Grasdach Klause

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Tradition

Kobun Chino Otogawa Roshi

Kobun Chino Otogawa Roshi

(1938-2002) war ein Zen-Meister, der durch seine Sanftheit und Freundlichkeit zahlreiche Menschen tief berührte.

Einer traditionellen japanischen Tempelfamilie der Soto-Zen-Schule entstammend, suchte und fand er seinen eigenen, ganz persönlichen Weg, der ihn schließlich in die USA führte, wo er seit 1967 hauptsächlich lebte.

Er unterstütze Suzuki Roshi bis zu dessen Tod in Tassajara, dem ersten Zen-Kloster außerhalb von Asien; später begründete er das Jikoji Zen Center in den Bergen oberhalb von Santa Cruz in Kalifornien und den Hokoji Tempel in New Mexico.

Von 1989 an kam er jährlich mehrmals nach Europa und leitete Sesshins, vor allem im «Haus der Stille» Puregg in den Salzburger Alpen, dem er den Namen Jakkoji gab.

Kobun, wie ihn seine Schüler*innen und Freund*innen nannten, war auch Kalligraph, Maler, Bogenschütze, Flötenspieler und Poet und ein ausgezeichneter Koch.

2002 ertrank er bei dem Versuch, seine fünfjährige Tochter zu retten.

Das Zen, das er vermittelte und lebte, unterschied sich grundlegend von dem, was er in seiner eigenen strengen Tempelschulung in Japan erlernte – es war ein freundliches, offenes, herzenswarmes Zen, das er an seine Schülerinnen und Schüler weitergab. So auch an die Gründer der Altbäckersmühle, Ellen und Kurt Österle, die Zen in der Nachfolge Kobun Chino Roshis praktiziert und vermittelt haben.

Wenn du diese Zen-Praxis näher kennenlernen möchtest, bist du herzlich eingeladen, an einem der kommenden Zazenkais, Sesshins, Praxistage oder unserer jährlichen Praxisperiode im Sommer teilzunehmen.

https://www.kobun-sama.org

Vanja Palmers

Vanja Palmers

1948 geboren, stammt aus einer österreichischen Industriellenfamilie.

Nach Wirtschaftsstudium in Zürich und einer vielversprechenden Geschäftsneugründung schien eine Laufbahn als erfolgreicher Geschäftsmann vorgezeichnet. Doch die 1968er-Bewegung ging auch an ihm nicht spurlos vorüber: Eine LSD-Erfahrung beantwortete die Frage, was im Leben wirklich wichtig sei, auf eine für ihn völlig unerwartete Weise neu. Vanja gab sein bisheriges Leben auf und nach anfänglichem Interesse an Yoga und Makrobiotik begegnete er 1972 dem Zen-Buddhismus, der ihn nachhaltig faszinierte.

Vanja verbrachte zehn Jahre im Zen-Kloster Tassajara in Kalifornien und erhielt dort eine formelle Ausbildung zum Priester. Während dieser Zeit begegnete er den beiden Menschen, die für ihn sowohl Lehrer, Mentoren und Freunde werden sollten: dem Benediktinermönch Bruder David Steindl-Rast, OSB und dem Zen-Meister Kobun Chino Otogawa Roshi.

Zusammen Kobun und mit Bruder David gründete er 1989 das «Haus der Stille» Puregg als ökumenische Begegnungsstätte und Zentrum spiritueller Praxis und Besinnung. Ein Jahrzehnt später schufen sie mit dem Felsentor in der Schweiz ein weiteres Zentrum, in dem der Schutz der Tiere und das friedliche, respektvolle Miteinander aller Lebewesen wichtige Eckpfeiler sind.

Sein anhaltendes Engagement für das Wohl der Tiere ist für Vanja genauso wesentlich wie seine passionierte Freude am »Bauer sein«, an einer Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur gesunde und hochwertige Lebensmittel hervorbringt. Der Biobauernhof Frohmatte unterhalb des Felsentors, und das in der Stadt Luzern gelegene Zendo am Fluss, welches in Kombination mit einem veganen Restaurant 2018 eröffnet wurde, sind Ausdruck dieses Bemühens um eine friedvolle und langfristig für unseren Planeten heilsame Ernährungsweise.

Daneben ist Vanja die Rehabilitation derjenigen Substanzen, die seinem Leben eine fundamental neue, erweiterte Perspektive schenkten, im Rahmen wissenschaftlicher oder therapeutischer Anwendung ein besonderes Anliegen.

GenKi und KyuSei Österle

ELLEN UND KURT ÖSTERLE HATTEN EINEN TRAUM,

eines autarken und selbstbestimmten Lebens, als sie 1981 in die einsam gelegene Altbäckersmühle einzogen. Die Versorgung der vielfältigen Tierwelt in der Mühle, der Biogarten, die Energieversorgung mit Wasserkraft, die Sanierung des Gebäudes forderten zunächst einmal ihre ganze Kraft.
Ihr Weg führte sie dann zum Yoga, Zen und zum Bogenschießen. Der Soto-Zen-Meister TaiSan ernannte beide zu Lehrenden der „Zengemeinschaft des stillen Wassers“.

Mit der Zeit bildeten sich drei inhaltliche Säulen ihrer Lehrtätigkeit heraus: Zen als Fundament übten sie beide, GenKi vertiefte sich darüber hinaus im Yoga und KyuSei im Bogenschießen.

Als sich TaiSan von allen Zen-Aktivitäten zurückzog, verwies er sie an Vanja Palmers und Kobun Chino Roshi.
Von beiden wurden sie ermutigt, ihre Arbeit konsequent fortzuführen. Von Vanja empfingen sie Tokudo und wurden Zenpriester/ Zenpriesterin in der Soto-Tradition.

Als schließlich mit Hilfe des Fördervereins, die Scheune und Stallungen der Mühle, in ein Übernachtungsbereich für die Gäste umgebaut wurde, wuchs das kleine Zentrum weiter und wurde für viele suchende Menschen zur spirituellen Heimat.

Im Herbst 2020

haben sie sich von der organisatorischen und spirituellen Leitung  der Altbäckersmühle zurückgezogen und sagen:

„Wir blicken auf ein fast 40 jähriges Leben im Wald zurück mit vielen tiefen Erfahrungen, mit wunderschönen Begegnungen und mit vielen Herausforderungen. Wir haben viel Treue erlebt, viel Hingabe und Liebe und sind dafür dankbar, denn das hat unser Leben bereichert und unser Sein inspiriert. Nun haben wir am 20. September 2020 den erhaltenen Stab, an unseren Sohn HoKai weitergeben dürfen und wir wünschen ihm und der Gemeinschaft von ganzem Herzen einen glücklichen Weg.“

»Am Ende des Herz-Sutra rezitieren wir:
›…wir widmen diese Bemühungen dem Wohlergehen und Erwachen aller Wesen.‹
Darum geht es heute und damit ist auch das Ziel aller Bemühungen für die Zukunft beschrieben.«

GenKi Ellen und KyuSei Kurt Österle

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PHÖNIX WOLKEN SANGHA

In der buddhistischen Tradition

ist die Sangha, die Gemeinschaft, ein zentrales Element. Sie bildet das Netz oder Gewebe, das jede(n) Einzelne(n) von uns in ihrer/seiner spirituellen Praxis trägt.

In der Tradition Kobun’s gehören wir zur Phönix Wolken Sangha. Als Zweig der Altbäckersmühle sind wir die Zengemeinschaft des Stillen Wassers.

Dazu gehören all jene Menschen, die sich mit der Tradition Kobuns, Vanjas sowie mit GenKi und KyuSei verbunden fühlen.

Als Teil der Sangha laden wir dich ein, gemeinsam mit uns zu praktizieren, z. B. bei Praxistagen oder Zazenkais (Tagesmeditationen), Sesshins oder durch Teilnahme an einer Praxisperiode.

ZENTREN IN KOBUN CHINOS TRADITION

IN DEN VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA
Hakubai Temple (Boulder/CO), geleitet von Martin Mosko
Hokoji Temple (Taos/NM), geleitet von Ian Forsberg
Jikoji Temple (Los Gatos/CA), geleitet von Michael Newhall
Everyday Dharma (Santa Cruz/CA), geleitet von Carolyn Atkinson

IN DER SCHWEIZ
Felsentor (Romiti/Rigi), geleitet von Manfred Hellrigel

IN ÖSTERREICH
Puregg (Dienten am Hochkönig), geleitet von Angelika Eller

IN DEUTSCHLAND
Altbäckersmühle (bei Wiesbaden), geleitet von HoKai Österle

Sitzgruppen

IN DEUTSCHLAND

Altbäckersmühle
Leitung Kurt KyuSei Österle

Bad Oeynhausen
Leitung Kurt DaiHiDo Südmersen
www.zen-kreis-bad-oeynhausen.de

Berlin Rahnsdorf
Leitung: Michael KyuJaku Kockro
www.zen-kreis-berlin.de

Berlin Lichtenberg
Leitung: Gerhard SeiHo Wiedemann
www.baum-und-bogen.de

Göttingen 
Leitung:  Rabea ShiGen Westphal, rabea.westphal@gmx.de

Hamburg
Leitung: Norbert RinDo Hämmerle, norbert.haemmerle@googlemail.com

Limburg
Di 18.30 Uhr. Leitung Claudia ShoNen Olchowka & Harald HonJu Mohr
Di 20.00 Uhr: Leitung Uli KyuWaMoku Mohr 

Waidhofen
Leitung: Michael HoKai Österle
www.zenbogenschiessen.de

Sangha Forum der Zengemeinschaft des Stillen Wassers
http://seisuizendo.de

In der Schweiz
Zendo am Fluss (Luzern), geleitet von Othmar Wüest
Zen Dojo Mukitaimon (Witterswil), geleitet von Jörg Bader
Zen-Gruppe Reckenbühl (Luzern), geleitet von Vanja Palmers
Zen-Gruppe Solothurn (Solothurn), geleitet von Ose Hein
Zen-Gruppe Zürich (Zürich)

IN ÖSTERREICH
Kannon-Do (Innsbruck), geleitet von Peter Pfötscher
Zen-Gruppe Bregenz (Bregenz)
Zen-Gruppe Wien (Wien), geleitet von Mathias Pongracz

IN GROSSBRITANNIEN
London Zazenkai (London)

IN DEN VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA
Bayview Zendo (San Rafael/CA), geleitet von Trout Black
Boundless Way Zen Temple (Northampton/MA)
Crooked River Zen Center (Cleveland/OH)
Floating Zendo (San Diego/CA)
Floating Zendo (San Jose/CA), geleitet von Angie Boissevain
Jakkoan Zendo (Santa Cruz/CA)
O-An Zendo (Julian Woods/PA), geleitet von Barbara Anderson
Pop Up Zendo (CA)
Silver City Zen Center (Silver City/NM)
Small House Zen (Boulder/CO)
Sokukoji Buddhist Monastery (Battle Creek/MI), geleitet von Bob Brown

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Wo auch immer ein Begehren ist, da findest du Leiden.
Wenn das Begehren aufhört, bist du frei vom Leiden.
Nicht-Begehren ist der Weg zur Wahrheit.

 

Bodhidharma