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Geschichte des Ortes

Über 350 Jahre Mühlengeschichte

Die Mühle heute
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Geschichte
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Experimentelles Kloster

Geschichte des Ortes

Die Altbäckersmühle

Die Altbäckersmühle blickt auf eine bewegte Geschichte von über 350 Jahren zurück, davon mehr als 250 Jahre als aktive Getreidemühle und Bäckerei. Ihre Ursprünge reichen in eine Zeit zurück, in der sie das wirtschaftliche und soziale Leben in den umliegenden Gemeinden mitprägte. Generationen von Müllern und Bäckern arbeiteten hier und machten die Mühle zu einem zentralen Ort des täglichen Lebens. Mit dem Wandel der Zeit änderte sich auch das Schicksal der Mühle, und sie begann, neue Rollen zu übernehmen.

Anfang des 19. Jahrhunderts endete die Ära der traditionellen Mühlenarbeit. Der letzte Müller, der in bescheidenen Verhältnissen lebte, musste die Mühle verkaufen. Die wirtschaftliche Lage und der technische Fortschritt zwangen ihn, das Anwesen aufzugeben. Ein wohlhabender Industrieller aus Wiesbaden erwarb die Mühle und leitete eine neue Phase ein, in der sich das Anwesen weiter von seinen bäuerlichen Ursprüngen entfernte.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Mühle zum Schutzraum für ein jüdisches Ehepaar, deren Geschichte hier in einem Beitrag dokumentiert ist. In dieser Zeit war die Mühle nicht nur Arbeitsstätte, sondern auch Zuflucht. In den Jahren nach dem Krieg wurde sie als Wochenendhaus genutzt und stand lange im Zeichen der Erholung, bevor sie erneut einen Wandel erlebte.

Das Wirken von GenKi und KyuSei

Ein Ort wird zur Praxis

1981 kauften Ellen und Kurt Österle die Altbäckersmühle mit dem Wunsch, ihr Leben grundlegend zu verändern. Sie zogen in das historische Gebäude und machten es zu ihrer Heimat. Aus diesem Schritt heraus entstand in den folgenden Jahren ein Meditationsort. Was zunächst als privates Leben begann, entwickelte sich langsam zu einem kleinen Zen-Zentrum.

Im Erdgeschoss der Mühle fanden erste Meditationsrunden statt, Räume wurden umgebaut, und mit der Zeit wuchs der Ort mit den Menschen, die ihn nutzten.

In der alten Backstube, in der früher das tägliche Brot gebacken wurde, wurde über viele Jahre hinweg meditiert. Diese stille Umnutzung des Raumes verweist auf etwas Grundsätzliches: dass sich in der Altbäckersmühle Tradition und Gegenwart berühren – und dass körperliche und geistige Nahrung einander nicht ausschließen, sondern sich wechselseitig tragen.

Als GenKi und KyuSei prägten sie die Altbäckersmühle über mehr als vierzig Jahre hinweg. Ihre Praxis und ihr gemeinsames Leben schufen einen Raum, in dem sich Zen nicht als Konzept, sondern im Alltag entfalten konnte. Schritt für Schritt entstand eine Gemeinschaft, die bis heute mit dem Ort verbunden ist.

Die Transformation des Ortes

Von der Scheune zum Gästehaus

Ein bedeutender Schritt war der Umbau der alten Scheune im Jahr 2012. In einem Gemeinschaftsprojekt, getragen vom Sangha und unterstützt durch den Förderverein „Altbäckersmühle e.V.“, wurde die Scheune gemeinsam mit Teilen der Stallungen in ein Gästehaus mit Zen-Klausen umgewandelt.

Die Zimmer, ein Yogaraum und Gemeinschaftsbäder schufen einen Rückzugsort für bis zu 23 Menschen. Der Umbau war Ausdruck eines gemeinschaftlichen Engagements, das den Ort bis heute prägt.

Die Mühle ist dabei eher eine Klausur als ein Hotel. Die Zimmer sind einfach, klar und funktional. Die gemeinsame Nutzung von Räumen gehört bewusst zur Praxis und fördert eine Haltung von Achtsamkeit und Verbundenheit.

Meditation, Bogenschießen, gemeinsames Essen und das Arbeiten im Haus bilden eine Einheit. Praxis zeigt sich hier im Alltag.

Die Übergabe und der Wandel

Eine neue Generation

Im Jahr 2020 übergaben GenKi und KyuSei die Altbäckersmühle an ihren Sohn HoKai. Mit dieser Übergabe ging die Verantwortung für den Ort in die nächste Generation über. Gleichzeitig begann für beide ein Rückzug aus der aktiven Leitung und ein Übergang in eine neue Lebensphase.

Diese Übergabe markiert eine Zäsur in der Geschichte der Mühle. Der Ort blieb derselbe, doch seine Ausrichtung begann sich unter neuen Bedingungen weiterzuentwickeln.

STILLE

»Um Versenkung zu studieren,
muss man ein ruhiges Quartier haben.
Sei bescheiden im Essen und Trinken.
Wirf dann alle Verwicklungen von dir
und beende alle weltlichen Angelegenheiten.
Denke nicht an Gutes oder Schlechtes,
kümmere dich nicht um richtig oder falsch.«

— Dogen Zenji, Shobogenzo

Das Wirken von Pia und HoKai

Sanierung und Neugestaltung

Seit 2020 wird die Altbäckersmühle von Pia und HoKai weitergeführt. In den Jahren danach wurde der Ort umfassend saniert und in vielen Bereichen neu gestaltet. Das ehemalige Wohn- und Esszimmer wurde zu einem offenen Speisesaal umgebaut. Der Dachstuhl, zuvor in verschiedene Räume unterteilt, wurde zu einem großzügigen Zendo ausgebaut. Auch weitere Gebäude, wie die Töpferei, wurden in Rückzugsorte für Einzelretreats verwandelt.

Diese baulichen Veränderungen gehen mit einer inhaltlichen Weiterentwicklung einher. Die Praxis bleibt in der Zen-Tradition verwurzelt und wird gleichzeitig erweitert. Zen zeigt sich weiterhin im Sitzen und im Alltag, und findet darüber hinaus neue Ausdrucksformen in der Verbindung mit Kochen, Körperarbeit, Bogenschießen und gemeinschaftlichem Leben.

Ökologie und Verantwortung

Im Einklang mit der Natur

Neben den baulichen Veränderungen lag ein besonderer Fokus auf ökologischer Nachhaltigkeit. Die Dächer wurden mit Naturschiefer erneuert und energetisch optimiert. Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher deckt einen Großteil des Energiebedarfs.

Die Mühle wird mit eigenem Brunnenwasser versorgt und verfügt über eine biologische Kläranlage, die das Wasser reinigt, bevor es in den Hasenbach zurückfließt. Dieser geschlossene Kreislauf unterstreicht die Verbindung zur Natur. Auch der Wald und der Garten rund um die Mühle sind Teil dieses Verständnisses und werden gepflegt und geschützt.

Kontinuität und Veränderung

Zwischen Wurzeln und Wandel

Im Jahr 2025 verstarb KyuSei. Sein Wirken bleibt in der Praxis des Ortes und in den Menschen lebendig, die ihn begleitet haben.

Die Altbäckersmühle steht heute zwischen Kontinuität und Veränderung. Die Praxis wird weitergetragen, ohne festgehalten zu werden, und entwickelt sich aus dem, was gewachsen ist, in neue Richtungen. Sie ist ein Ort, der sich verändert und zugleich bei sich bleibt.