Kanji 見性 (Kenshō) in Pinselschrift
見性

Japanisch  Kenshō
Aussprache  etwa ken-schoo

die eigene Natur sehen

Die eigene Natur sehen; eine Einsicht braucht danach Form, Zeugen und gewöhnliche Schritte.

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Was bedeutet 見性 (Kenshō)?

Eine tiefe Einsicht beendet nicht den gewöhnlichen Montag danach. 見性 (kenshō) besteht aus zwei Zeichen und bedeutet, die eigene Natur zu sehen. Das Wort benennt im Zen eine unmittelbare Einsicht, aber keine Auszeichnung, die einen Menschen über weitere Übung und Prüfung hebt.

Das Zeichen

見 öffnet oben ein großes Auge und steht darunter auf zwei Beinen. 性 ist schmaler. Links zieht sich eine feine Herzform nach unten, rechts richtet sich ein dichter Körper auf. Sehen und Natur stehen nebeneinander, ohne dass eines das andere verschluckt.

Die beiden Zeichen wirken wie eine Begegnung. Das Sehen greift nicht nach einem Gegenstand, der irgendwo verborgen liegt. Die Natur steht nicht als Trophäe bereit. Zwischen beiden bleibt eine kleine Fuge. Vielleicht schützt gerade sie vor dem Satz: Jetzt habe ich es.

Haiku

Der Vorhang hebt sich.
Auf dem Herd wartet der Topf.
Montag ohne Glanz.

Im Zen

Im Rinzai-Zen, der Schule, die besonders mit Kōans übt, hat Kenshō einen besonderen Platz. Was Menschen dabei erleben, kann sehr verschieden sein; Kenshō gibt dafür kein allgemeines Muster vor. Eine erste Einsicht kann an Übungsfragen geprüft und weiter vertieft werden, auch im persönlichen Gespräch mit einer Lehrperson. Sie ist nicht das Ende des Weges. Die Übung nach der Einsicht verhindert, dass aus einem offenen Augenblick eine neue feste Identität wird.

Die Sōtō-Tradition, in der die Altbäckersmühle steht, spricht zurückhaltender darüber. Zazen ist dort nicht das Mittel, mit dem man sich zu einem besonderen Erlebnis hocharbeitet. Übung und Erwachen werden nicht wie Mühe und späterer Lohn getrennt. Ein Augenblick kann sich trotzdem öffnen. Entscheidend bleibt, wie ein Mensch danach spricht, handelt und sich begleiten lässt.

In der Altbäckersmühle

Die Karte Kenshō zeigt beide Zeichen, während über dem Essay nur 性 steht. Der Essay Kenshō und der Montag danach fragt nicht zuerst nach dem richtigen Namen einer Erfahrung, sondern danach, wer am nächsten Morgen da war.

Überlieferung

見性成仏 (kenshō jōbutsu), die eigene Natur sehen und Buddha werden, gehört zu den vier Sätzen, mit denen die Zen-Überlieferung später knapp beschrieben wurde. Sie wurden Bodhidharma zugeschrieben. Nach Heinrich Dumoulin stammt diese Zusammenstellung jedoch erst aus dem Jahr 1108, lange nach Bodhidharma.

Die Spannung zwischen plötzlichem Sehen und langer Übung blieb bestehen. Im Rinzai-Zen steht dafür der Ausdruck gogo no shugyō, Übung nach dem Erwachen. Im Kapitel Shizen biku (四禅比丘) des Shōbōgenzō in zwölf Kapiteln weist Dōgen den Satz zurück, die Lehre des Buddha habe ihren Kern im Sehen der Natur.

Häufige Fragen

Ist Kenshō dasselbe wie Erleuchtung?

Kenshō wird oft so übersetzt, bezeichnet im Rinzai-Zen aber meist die erste Einsicht. Volle Verwirklichung und das Leben aus dieser Einsicht sind damit nicht automatisch abgeschlossen. Das einzelne Zeichen 悟, Erkenntnis, öffnet ein benachbartes, aber anderes Wortfeld.

Kann man ein Kenshō planen?

Nein. Zazen und Kōan-Arbeit können eine klare Übungsform geben, aber kein bestimmtes Erlebnis zuverlässig herstellen. Wer eine starke Erfahrung macht, muss sie weder sofort erhöhen noch kleinreden.

Ist 見性 ein einzelnes Kanji?

Nein. 見性 ist ein Wort aus zwei Kanji. 見 bedeutet sehen, 性 bedeutet in diesem Zusammenhang Natur; zusammen werden sie kenshō gelesen.

Für Expert:innen

見 hat sieben Striche und ist selbst Radikal Nummer 147 unter den 214 Kangxi-Radikalen. 性 hat acht Striche und steht unter 心 in der Seitenform 忄, Nummer 61. 見 wird als Bedeutungsverbindung aus Auge und Mensch erklärt; frühe Formen zeigen nach dem englischen Wiktionary und dem 漢語多功能字庫 einen knienden Menschen (卩). 性 verbindet 心 als Bedeutungsteil mit 生 als Lautteil, wobei 角川新字源 生 zugleich mit dem Angeborenen verbindet.

Beide Zeichen gehören zum amtlichen japanischen Zeichenbestand. 見 wird in der ersten, 性 in der fünften Klasse gelehrt. Kanjipedia verzeichnet für 見 und 性 kein 旧字. Die chinesische Kurzform von 見 ist 见; 性 hat keine abweichende Kurzform. Im Wort 見性 gilt für 性 die Go-Lesung shō, nicht sei.

見 hat die On-Lesung ken und außerhalb der amtlichen Liste gen; die Kun-Lesungen sind miru, mieru und miseru, außerhalb der amtlichen Liste auch mamieru und arawareru. 性 hat die On-Lesungen sei und shō; die Kun-Lesungen saga und tachi stehen außerhalb der amtlichen Liste. Gebräuchliche Wörter sind 見解 (kenkai), Ansicht; 外見 (gaiken), äußeres Erscheinungsbild; 性格 (seikaku), Charakter. Jisho führt 性 (shō), Natur oder Veranlagung, und 見性 (kenshō), die eigene Natur sehen, nicht als gebräuchlich, 見性 als Wort des Buddhismus. Die Auswahlausgabe des Nihon Kokugo Daijiten (精選版) belegt 見性成仏 zuerst im Shasekishū (沙石集) von 1283.

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