Kanji 応量器 (Oryoki) in Pinselschrift
応量器

Japanisch  Ōryōki
Aussprache  etwa oo-rjoo-ki

Gefäß des angemessenen Maßes

Gefäß des angemessenen Maßes; Essschalen und geordnete Form des Essens im Zen.

Im interaktiven Werkzeug öffnen →

Was bedeutet 応量器?

Eine Schale kann mehr enthalten, als hineingeht. Sie kann auch zeigen, was genug ist. 応量器 (ōryōki) heißt wörtlich ungefähr Gefäß des angemessenen Maßes. Das Wort bezeichnet ineinander gesetzte Essschalen buddhistischer Übender und auch die geordnete Form des Essens mit ihnen.

Das Zeichen

Drei Zeichen stehen nebeneinander. 応 antwortet und entspricht. 量 misst. 器 ist das Gefäß. Zusammen entsteht kein bloßer Name für Geschirr. Die Zeichen fragen nach dem Verhältnis zwischen dem, was gegeben wird, dem, was gebraucht wird, und dem, was die Schale aufnehmen kann.

Das Wortbild bleibt nüchtern. Es verspricht keinen Überfluss und verehrt keinen Mangel. Es spricht vom rechten Maß. In der Pinselschrift wechseln enge Innenräume und weite Bögen. Etwas wird aufgenommen, gemessen und getragen.

Haiku

Tuch, Schale, Löffel.
Nur so viel, wie der Tag braucht.
Der Rest bleibt im Topf.

Im Zen

Beim Oryoki-Essen werden die Schalen nach einer festen Form ausgelegt, gefüllt, geleert, gereinigt und wieder eingepackt. Jede Bewegung hat ihren Platz. Die Aufmerksamkeit gilt nicht nur dem Geschmack, sondern auch dem Empfangen, dem Maß und dem Reinigen.

Wie viele Schalen zu einem Satz gehören, ist nicht überall gleich: bei Ōbaku sind es drei, bei Sōtō meist vier, bei Rinzai fünf, und auch im Westen begegnen Sätze mit drei Schalen. Deshalb steht die Zahl nicht im Begriff selbst. Wichtiger ist das Maß: genug nehmen, nichts achtlos zurücklassen.

Dōgens Fushukuhanpō beschreibt Bedeutung und Form des Essens in der klösterlichen Halle. Die fünf Betrachtungen gehören zu dieser Ordnung. Eine von ihnen nennt die Speise eine gute Arznei gegen die Auszehrung des Körpers.

In der Altbäckersmühle

Die Karte Oryoki nennt drei Schalen. Oryoki wird in der Altbäckersmühle nicht geübt; im Felsentor findet es als Besonderheit statt. Die Seite Küchen-Wissen zeigt das Zeichen 応量器 im Abschnitt Zutaten und erklärt die Grundlagen der Klosterküche.

Überlieferung

Der Name ist die chinesische Übersetzung des Sanskritworts pātra, der Bettelschale buddhistischer Übender. Nach einer Erklärung sollen Material, Farbe und Menge des Gefäßes der Vorschrift entsprechen.

Dōgens Fushukuhanpō wird nach der Umbenennung des Daibutsu-ji in Eihei-ji im Jahr 1246 angesetzt. Es ordnet das Essen im Sōdō, der Halle der Mönche. Die fünf Betrachtungen vor dem Essen nahm Dōgen aus einer älteren Regeltradition auf. Die heutige Oryoki-Praxis führt solche Überlieferungen in verschiedenen Linien unterschiedlich weiter.

Häufige Fragen

Heißt Oryoki „gerade genug“?

Das trifft den Sinn, ist aber sehr knapp. 応 bezeichnet Entsprechen, 量 das Maß und 器 das Gefäß. Der Name wird auf zwei Weisen erklärt: Material, Farbe und Menge des Gefäßes sollen der Vorschrift entsprechen, und das Gefäß nimmt nur die Menge Speise auf, die jemand wirklich braucht.

Besteht ein Oryoki-Satz aus drei Schalen?

Nicht überall. Je nach Linie und Ort gehören drei, vier oder fünf Schalen zu einem Satz. Für die Altbäckersmühle und das Felsentor gilt keine hier festgelegte Schalenzahl.

Wird Oryoki in der Altbäckersmühle praktiziert?

Nein. In der Altbäckersmühle wird nicht mit Oryoki gegessen. Im Felsentor findet es als Besonderheit statt.

Für Expert:innen

応量器 wird ōryōki gelesen. 応 hat sieben Striche, das Radikal 心 mit der Kangxi-Nummer 61 und die alte Form 應 mit siebzehn Strichen. Die On-Lesungen sind ō und yō, die Kun-Lesung kotaeru. Die Herleitung der alten Form ist laut 角川新字源 ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 心 und einem Lautteil. Die heutige Form ist die japanische Vereinfachung.

量 hat zwölf Striche und das Radikal 里, Kangxi-Nummer 166. Seine On-Lesung ist ryō, die Kun-Lesung hakaru. 角川新字源 sieht ein Bild eines großen Sacks mit Ausguss, dessen Inhalt gemessen wird. Wiktionary lässt die frühe Herkunft offen und nennt mehrere Deutungen. Wiktionary glossiert den unteren Bestandteil 東 der Orakelknochenform als Sack oder Osten, und die genannten Deutungen lesen das Zeichen verschieden.

器 hat in Japan fünfzehn Striche und das Radikal 口, Kangxi-Nummer 30. Die alte Form hat sechzehn Striche und 犬 in der Mitte, die heutige Form dort 大; als Nebenform wird auch 噐 geschrieben. Die On-Lesung ist ki, die Kun-Lesung utsuwa. 角川新字源 erklärt das alte Zeichen aus 㗊, vielen Gefäßen, und 犬, einem Wachhund, und versteht darunter ein wichtiges Gefäß. Wiktionary nennt diese klassische Deutung, weist die Herkunft aber als unsicher aus. Die Auswahlausgabe 精選版 日本国語大辞典 führt für 応量器 als ersten Beleg das Kachō Yojō von 1472 und verweist außerdem auf den chinesischen Kommentar Yulanpen jing shu.

Nachbarwörter sind 応答 (ōtō), Antwort; 計量 (keiryō), Messen; 容器 (yōki), Behälter; 器量 (kiryō), Fähigkeit und menschliches Format, im Alltag auch Aussehen; und 器官 (kikan), Organ. 応量器 selbst ist ein buddhistischer Fachausdruck und kein gewöhnliches Alltagswort. Im Fushukuhanpō steht das Wort nicht; dort heißen die Schalen 鉢 und 鉢盂, und der Text verlangt, dem Maß entsprechend zu empfangen (應量而受).

Vertiefen

Das Glossar der Mühle

Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 195 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.

Grundlagen der Lehre · Zen-Erfahrung · Praxis und Form · Kloster, Ort und Linie · Texte und Chanten · Küche und Nahrung · Körper und Atem · Bogenschießen · Natur und Jahreslauf · Wörter des Lebens · Schrift und Kultur

Viele Schriftzeichen leben fest auf unseren Seiten: groß im Hintergrund einer Sektion, klein neben einem Titel. Im Verzeichnis findest du sie alle, mit Bedeutung und Fundort. Alle Kurse und Sesshins der Mühle im Überblick.

← Zurück zur Kanji-ÜbersichtZum Glossar →Zum Verzeichnis der Schriftzeichen →Übersicht Kurse →