Kanji 禅 (Zen) in Pinselschrift
禅

Japanisch  zen
Aussprache  etwa dsen

Zen, meditative Versenkung

Zen und Versenkung; vom Sanskrit dhyāna über das chinesische Chan nach Japan.

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Was ist das Kanji für Zen?

Zen ist kein stillgestelltes Leben. 禅 (zen) ist das Kanji für Zen, dessen Name über das chinesische Chan auf das Sanskritwort dhyāna, Versenkung, zurückgeht. Das Zeichen verspricht weder dauernde Ruhe noch eine Abkürzung zum Erwachen. Es lädt dazu ein, diesem Augenblick ohne Ausflucht zu begegnen.

Das Zeichen

Links steht eine schmale Form wie ein kleiner Altar. Rechts erhebt sich ein dichter Körper aus waagerechten und senkrechten Linien. Beides bleibt nah beieinander, ohne ineinanderzufallen.

Das Zeichen wirkt gesammelt. Es breitet sich nicht aus, es hält seine Kraft in der Mitte. Unten steht es fest, oben bleibt es durchlässig. So kann das Auge darin etwas von der Haltung beim Sitzen finden: aufgerichtet, wach und nicht verschlossen. Das ist eine Betrachtung der Form, keine Übersetzung ihrer Teile.

Haiku

Die Glocke verklingt.
Im offenen Fenster steht
nichts als dieser Tag.

Im Zen

Zen lebt nicht davon, dass wir einen besonderen Zustand festhalten. Zazen, das Sitzen in Versenkung, beginnt mit dem Körper. Wir setzen uns hin, richten uns auf und lassen den Atem kommen. Gedanken verschwinden nicht auf Befehl. Sie dürfen auftauchen und weiterziehen.

Zenjō bezeichnet meditative Sammlung. Auch sie ist kein Besitz. Manchmal wird es still, manchmal nicht. Die Übung besteht darin, die eigene Anwesenheit nicht von der Stimmung abhängig zu machen. Wer nur dann sitzt, wenn alles ruhig ist, wartet auf ein Leben, das nicht kommt. Wer mitten im Geräusch sitzen kann, entdeckt eine andere Art von Stille.

In der Altbäckersmühle

Im Verzeichnis trägt 禅 die Karte Zen. Auf der Seite Zen steht dazu ein Zitat von Bruder David Steindl-Rast: Es gehe beim Zen nicht um eine Lehre, sondern um eine Weise, die Welt zu erleben. Auf der Seite Zazen beginnt die körperliche Praxis damit: Wir setzen uns und richten uns auf.

Überlieferung

Das indische dhyāna bezeichnet meditative Versenkung. In China wurde der Klang mit 禪那 wiedergegeben und später zu 禪 verkürzt. In Japan wurde daraus zen, heute 禅 geschrieben. Dasselbe Zeichenfeld lebt in Korea als Seon und in Vietnam als Thiền.

Das Schriftzeichen war älter als diese buddhistische Verwendung. Es bezeichnete zunächst ein Himmelsopfer des Herrschers, dann die Übergabe des Thrones. Wegen seines Klangs wurde es für dhyāna gebraucht. Später gab es der Zen-Schule ihren Namen. So trägt 禅 eine alte Bedeutungsgeschichte und zugleich den Weg eines buddhistischen Wortes von Indien über China nach Japan.

Häufige Fragen

Bedeutet 禅 inneren Frieden?

Nicht einfach. Das Zeichen bedeutet weder Frieden noch Gelassenheit. Im buddhistischen Gebrauch verweist es auf Versenkung und auf die Zen-Schule, nicht auf ein Versprechen, immer gelassen zu sein.

Heißt Zen einfach Meditation?

Das Wort geht auf eine Bezeichnung für meditative Versenkung zurück. Zen wurde jedoch auch der Name einer buddhistischen Schule und ihrer Überlieferung. Die Herkunft erklärt also den Namen, aber nicht die ganze Praxis.

Warum sieht das Zeichen in China manchmal anders aus?

Die alte Form ist 禪. Japan vereinfachte sie zu 禅 mit drei kleinen Strichen oben im rechten Teil. Die vereinfachte chinesische Form sieht fast gleich aus, trägt dort aber nur zwei Striche.

Für Expert:innen

禅 hat in der japanischen Form dreizehn Striche. Sein Radikal ist 示 in der Seitenform 礻, Nummer 113 unter den 214 Kangxi-Radikalen. Die alte Form 禪 hat siebzehn Striche. Das Zeichen gehört zum amtlichen japanischen Zeichenbestand.

Bei der Bauart stimmen 角川新字源 und Wiktionary überein: 示 ist der Bedeutungsteil, 單 der Lautteil. In beiden Quellen stehen Opfer, Thronabtretung und die Lautentlehnung für dhyāna als Bedeutungen. Die Abfolge vom Himmelsopfer über die Abdankung zur Entlehnung erzählt 角川新字源; schon das Shuowen erklärt 禪 als Himmelsopfer (祭天也).

Die On-Lesungen, also die aus dem Chinesischen übernommenen Lesungen, sind zen und außerhalb der amtlichen Liste sen. Als Kun-Lesung, also japanische Lesung, steht yuzuru außerhalb der amtlichen Liste; Jisho und Wiktionary nennen dazu shizuka. Gebräuchliche Wörter sind 禅寺 (zendera), Zen-Tempel, und 坐禅 (zazen), Sitzen in Versenkung. Dazu kommen 禅宗 (zenshū), Zen-Schule, und 禅師 (zenji), Zen-Meister:in, auch ein vom Kaiserhof verliehener Ehrentitel.

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