Kanji 十牛図 (Die zehn Ochsenbilder) in Pinselschrift
十牛図

Japanisch  Jūgyūzu
Aussprache  etwa dschuu-gjuu-dsu

Die zehn Ochsenbilder

Suche, Heimkehr und offene Hände. Der Weg kehrt in die Welt zurück.

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Was bedeutet 十牛図 (Die zehn Ochsenbilder)?

Ein Mensch sucht ein Rind, findet Spuren, fängt es, hütet es und reitet heim, doch damit endet der Weg nicht. 十牛図, gelesen jūgyūzu, heißt die zehn Ochsenbilder. Die bekannte Folge führt von der Suche bis zur Rückkehr auf den Markt mit offenen Händen.

Das Zeichen

十 zählt zehn. Seine frühe Gestalt war ein senkrechter Strich, wohl das Bild einer Nadel; für die Zahl wurde das Zeichen entlehnt. 牛 zeigt den Kopf eines Rindes mit Hörnern. 図 bedeutet Bild, Plan oder Karte und hat in der alten Form 圖 eine Umgrenzung.

Die drei Zeichen sagen schlicht zehn, Rind, Bilder. Ochse ist die eingebürgerte deutsche Übersetzung im Titel. Das einzelne Zeichen 牛 legt das Geschlecht des Tieres nicht fest.

Haiku

Spuren im nassen Gras
vom Markt kommt helles Lachen
die Hände sind leer

Im Zen

Die verbreitete Fassung zeigt zehn Stationen: Suche, Spur, erstes Sehen, Fangen, Hüten, Heimreiten, das Vergessen des Rindes, das Vergessen von Rind und Mensch, die Rückkehr zum Ursprung und den Gang auf den Markt mit offenen Händen.

Die Bilder lassen sich als Stufen der Übung lesen, doch die Folge endet nicht in der Leere. Nach dem leeren Kreis kommen Natur und Markt. Einsicht kehrt in Beziehung und hilfreiches Handeln zurück. Gerade die letzten Bilder bewahren den Weg vor einem Abschluss im eigenen Inneren.

In der Altbäckersmühle

Die Kanji-Seite Familie sagt: „Im sechsten Bild reitet der Mensch auf dem Ochsen heim.“ Die Seite Reise erwähnt einen Beitrag des Hauses, der bei den zehn Ochsenbildern von einer Reise zu uns selbst spricht.

Die Heimkehr ist nicht das Ende. Nach Sammlung und Leerheit führt der Weg wieder unter die Menschen.

Überlieferung

Mehrere chinesische Fassungen sind überliefert, und nicht alle haben zehn Bilder. Besonders bekannt wurde in Japan die Zehnerfolge des Kuoan Shiyuan, japanisch Kakuan, aus dem zwölften Jahrhundert. Sein Schüler Ciyuan fügte eine Vorrede hinzu. Eine andere Linie wird Puming zugeschrieben.

In Kuoans Fassung folgen nach dem Vergessen von Rind und Mensch noch die Rückkehr zum Ursprung und der Gang auf den Markt. Im Deutschen heißt die Folge auch Der Ochse und sein Hirte; deutsche Buchausgaben tragen den Titel Der Ochs und sein Hirte.

Häufige Fragen

Gibt es immer genau zehn Ochsenbilder?

Nein. Überlieferte chinesische Fassungen können fünf, sechs, acht oder zehn Bilder haben. Kuoans Zehnerfolge wurde in Japan besonders bekannt.

Ist 牛 wirklich ein Ochse?

牛 bedeutet Rind oder Vieh. Ochse hat sich im deutschen Titel eingebürgert, ist aber genauer eine Übersetzungstradition als die vollständige Zeichenbedeutung.

Endet der Weg mit dem Erwachen?

Die bekannte Folge geht weiter. Nach dem leeren Kreis kommen die Rückkehr zum Ursprung und der Gang auf den Markt. Einsicht kehrt in die Welt zurück.

Für Expert:innen

十 hat zwei Striche und ist Kangxi-Radikal 24. Es ist ein Jōyō-Kanji der ersten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N5. Nach 角川新字源 ist 十 das Bild einer Nadel, die Urform von 針, für die Zahl entlehnt; das englische Wiktionary ordnet 十 als Zeigezeichen ein und nennt die Nadel als eine von zwei Ansichten. On lautet jū, hinzu kommen die verkürzten Lesungen ji‘ und ju‘, Kun tō und to sowie nicht amtlich so. 牛 hat vier Striche und ist Kangxi-Radikal 93. Es ist ein Jōyō-Kanji der zweiten Klasse, steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4 und ist nach 角川新字源 und dem englischen Wiktionary das Bildzeichen eines Rinderkopfs mit Hörnern. On lautet gyū und nicht amtlich go, Kun ushi.

図 hat sieben Striche und steht unter 囗, Kangxi-Radikal 31. Es ist ein Jōyō-Kanji der zweiten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4. Die alte Form 圖 hat vierzehn Striche, die chinesische Kurzform ist 图. Nach 角川新字源 verbindet die alte Form 圖 die Umgrenzung 囗 mit 啚, der Urform von 鄙, ländliches Gebiet, und bedeutet die Landkarte, abgeleitet planen. On lautet zu und to, Kun hakaru und nicht amtlich e. Das englische und das japanische Wiktionary führen für 十 außerdem die Kan-Lesung shū, nur das englische Wiktionary für 牛 die Go-Lesung gu. Das 精選版 日本国語大辞典 setzt das Stichwort als jūgyū no zu; sein ältester Beleg stammt aus dem 空華日用工夫略集, aus einem Eintrag von 1382. Die Kuoan-Fassung steht als 十牛圖頌 im Zokuzōkyō, Band 64, Nummer 1269. Wörter sind 十牛, jūgyū, die zehn Stationen, 牧牛, bokugyū oder bokugo, das Hüten des Rindes, und 地図, chizu, Landkarte.

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