
Japanisch Shoshin
Aussprache etwa scho-schin
Anfängergeist, erster Entschluss
Erfahrung bleibt offen, wenn sie den ersten Blick nicht verschließt.

Japanisch Shoshin
Aussprache etwa scho-schin
Anfängergeist, erster Entschluss
Erfahrung bleibt offen, wenn sie den ersten Blick nicht verschließt.
Am ersten Tag in einem unbekannten Haus sieht man jede Tür und hört jedes Geräusch; später wird vieles selbstverständlich. 初心, gelesen shoshin, heißt erster Geist, erster Entschluss oder Anfängergeist. Die Zen-Übung bewahrt davon nicht die Unwissenheit, sondern die offene Aufmerksamkeit.
初 zeigt links Kleidung und rechts ein Messer. Der erste Schnitt in den Stoff beginnt das Kleidungsstück. Daher kommt die Bedeutung Anfang oder zuerst. 心 zeigt das Herz und bezeichnet auch Geist, Gefühl und Inneres.
Zusammen kann 初心 den ersten Entschluss, die anfängliche Haltung oder die Unerfahrenheit eines Menschen meinen. Anfängergeist ist deshalb eine tragfähige Übersetzung im Zen, aber nicht die einzige Bedeutung des japanischen Wortes.
Die Tür steht noch offen
im bekannten Flur ein Schritt
als wäre er der erste
Anfängergeist ist die Bereitschaft, dem Augenblick nicht nur mit fertigen Urteilen zu begegnen. Erfahrung wird dadurch nicht wertlos. Sie bleibt beweglich, weil sie sich von dem, was sie schon weiß, nicht verschließen lässt.
Shunryū Suzukis Buch machte shoshin außerhalb Japans weithin bekannt. Die Wortgeschichte reicht jedoch weiter zurück. Buddhistisch ist 初心 auch kurz für 初発心, shohosshin: zum ersten Mal den Entschluss fassen, nach dem Erwachen zu streben. Darin klingt nicht bloß Neugier, sondern eine Ausrichtung, die immer wieder erneuert werden muss.
Die Kanji-Seite Anfang erklärt 始 und grenzt es vom Anfängergeist ab: Im Wort shoshin, heißt es dort, „steht 初 für das Erste und 心 für Herz oder Geist“. Auf der Seite über KyuSei erscheint Anfängergeist in einer Erinnerung an ihn.
Die Seite Unsere Tradition erzählt, wie Kobun Chino Otogawa Suzuki Roshi in Tassajara unterstützte. Die Linie des Hauses wird dort über Kobun Chino Otogawa, Vanja Palmers, Genki und KyuSei erzählt. Anfängergeist ist keine geliehene Formel, sondern eine Haltung, die sich in der eigenen Übung bewähren muss.
初心 gehört lange vor der modernen Zen-Literatur zur japanischen Sprache. Bei Zeami gilt im Nō-Theater die Mahnung, den Anfang nicht zu vergessen, auf jeder Stufe des Könnens, bis zu den Erfahrensten. Shunryū Suzukis Buch Zen Mind, Beginner’s Mind erschien 1970.
Im Alltag bezeichnet 初心 außerdem Unerfahrenheit. Dazu gehört 初心者, shoshinsha, Anfänger:in. Die Zen-Verwendung widerspricht diesem Sinn nicht, erweitert ihn aber. Sie fragt, ob ein geübter Mensch die Offenheit des Anfangs bewahren kann, ohne Können und Verantwortung abzulegen.
Muss man unerfahren sein, um Anfängergeist zu haben?
Nein. Unerfahrenheit gehört zum Wortfeld, doch die Zen-Verwendung richtet sich gerade auch an erfahrene Menschen. Sie sollen dem Bekannten offen begegnen.
Bedeutet Anfängergeist, alles Gelernte zu vergessen?
Nein. Wissen und Können bleiben. Nur ihr Anspruch, schon im Voraus alles zu wissen, wird gelockert.
Kommt der Ausdruck von Shunryū Suzuki?
Nein. Sein Buch von 1970 machte ihn außerhalb Japans bekannt. Das japanische Wort und seine Verbindung mit Übung sind sehr viel älter.
初 hat sieben Striche und steht unter 刀, Kangxi-Radikal 18. Es ist ein Jōyō-Kanji der vierten Klasse, Kanken 7, und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Nach 角川新字源, dem 説文解字, dem 漢語多功能字庫 und dem englischen Wiktionary verbindet es 衣, Kleid, links als 衤, mit 刀, Messer: der erste Schnitt beim Zuschneiden eines Kleides, daraus der Anfang. Die On-Lesungen sind sho und das nicht amtliche so. Amtliche Kun-Lesungen sind hajime, hajimete, hatsu, ui (erst auf der Oberstufe) und someru (auf der Mittelstufe); außerhalb der amtlichen Liste steht ubu. 心 hat vier Striche und ist selbst das Kangxi-Radikal 61. On lautet shin, Kun kokoro und außerhalb der amtlichen Liste ura.
Das 精選版 日本国語大辞典 belegt 初心 in mehreren Bedeutungen. Ein früher Beleg im 本朝文粋 (um 1060), in einem Weihetext des 大江匡衡, betrifft den ersten Entschluss; der buddhistische Sinn ist zuerst im 正法眼蔵随聞記 (1235 bis 1238) belegt, und Zeamis 花鏡 von 1424 verwendet die Formel vom Bewahren oder Nichtvergessen des Anfangs. Verwandte Wörter sind 初心者, shoshinsha, Anfänger:in, 初志, shoshi, erster Entschluss, und 初発心, shohosshin, der erste Entschluss, nach dem Erwachen zu streben.
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