Kanji 以心伝心 (Von Herz zu Herz) in Pinselschrift
以心伝心

Japanisch  Ishin Denshin
Aussprache  etwa i-schin den-schin

Weitergabe von Herz zu Herz

Weitergabe geschieht in Begegnung. Worte tragen sie, aber besitzen sie nicht.

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Was bedeutet 以心伝心 (Von Herz zu Herz)?

Zwei Menschen sehen einander an, und ein Wort trifft, weil lange Übung hinter ihm steht. 以心伝心, gelesen ishin denshin, heißt Weitergabe von Herz zu Herz, wörtlich mit dem Herzen das Herz übermitteln. Im Zen benennt die Formel eine Weitergabe, die Worte nicht verachtet, aber auch nicht auf Worte reduziert werden kann.

Das Zeichen

以 bedeutet mittels oder durch; die Schreibung 意心伝心 ist ein Fehler. 心 steht zweimal und meint Herz, Geist und Inneres. 伝 bedeutet übermitteln oder weitergeben. Die alte Form 傳 zeigt deutlicher den Menschen links und den Lautteil rechts.

Die Zeichen bilden eine Bewegung: mit Herz oder Geist wird Herz oder Geist übermittelt.

Haiku

Eine Blume schweigt
ein Blick findet einen Blick
Wind geht durch den Saal

Im Zen

Die Formel steht für die unmittelbare Weitergabe der Lehre von Person zu Person. Unmittelbar bedeutet dabei nicht formlos. Gespräche, Sutren, Rituale und langes gemeinsames Üben gehören zur Überlieferung. Doch kein Satz besitzt für sich allein das lebendige Verstehen.

Die Zen-Überlieferung verbindet 以心伝心 mit der Blumenerzählung: Der Buddha hebt eine Blume, und allein Mahākāśyapa lächelt. Ihre früheste bekannte schriftliche Fassung stammt aus dem elften Jahrhundert; sie ist kein Bericht eines Augenzeugen.

In der Altbäckersmühle

Die Seite Ursprung China erzählt die Blumenszene als Ursprungserzählung des Zen. Der Glossareintrag Was ist Zen? nennt die verwandten Sätze über besondere Überlieferung und die Grenze der Schrift.

Der Eintrag Kechimyaku nennt den Ausdruck Blutlinie „ein Bild für die Weitergabe buddhistischer Lehre oder Gebote von Lehrer:in zu Schüler:in“. Er verwendet nicht die Formel von Herz zu Herz.

Überlieferung

Die Wendung steht in alter Schreibung, 以心傳心, im Plattform-Sutra, das Lehren und Geschichten überliefert, die Huineng zugeschrieben werden, einem Zen-Meister der Tang-Zeit. Später gewann das Wort auch seinen heutigen Alltagssinn: Menschen verstehen einander ohne ausführliche Erklärung.

Das Wort geht der Überlieferung nach auf die Blumenerzählung zurück; sie zeigt, wie die Tradition ihre eigene Herkunft erzählt.

Häufige Fragen

Bedeutet 以心伝心 Gedankenübertragung?

Nicht im Sinn einer übersinnlichen Technik, auch wenn das Wort im Englischen manchmal mit telepathy übersetzt wird. Im heutigen Japanisch meint es das stille Einverständnis zweier Menschen, im Zen die Weitergabe von Lehrer:in zu Schüler:in, die sich nicht auf Worte stützt.

Braucht Zen dann keine Worte und Texte?

Doch. Die Überlieferung selbst ist reich an Sutren, Gesprächen und Kommentaren. Worte weisen und prüfen, aber sie ersetzen nicht die eigene Verwirklichung.

Ist Kechimyaku dasselbe wie 以心伝心?

Nein. Kechimyaku ist die Linie der Übertragung und zugleich das Schriftstück, das diese Linie zeigt. Von Herz zu Herz beschreibt eine Weise der Weitergabe. Beide Bilder berühren sich, sind aber nicht austauschbar.

Für Expert:innen

以 hat fünf Striche und steht unter 人, Kangxi-Radikal 9. Es ist ein Jōyō-Kanji der vierten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4. Seine Herkunft wird verschieden erklärt: nach 角川新字源 als Bild eines Spatens oder Pflugs, Urform von 耜, nach dem 説文解字 als umgekehrtes 巳, nach dem 漢語多功能字庫 und dem englischen Wiktionary als Mensch, der etwas trägt. On lautet i, Kun motte und mochiiru außerhalb der amtlichen Liste. 心 hat vier Striche und ist Kangxi-Radikal 61. Es ist ein Jōyō-Kanji der zweiten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4. On lautet shin, Kun kokoro und außerhalb der Liste ura. 伝 hat sechs Striche und steht unter 人 in der Form 亻, Kangxi-Radikal 9. Es ist ein Jōyō-Kanji der vierten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Die alte Form 傳 hat dreizehn Striche, die chinesische Kurzform ist 传. 伝 ist die heutige japanische Form; nach 角川新字源 geht sie auf eine in Japan gebrauchte Nebenform (俗字) zurück, nach dem englischen Wiktionary ersetzt sie in 傳 den Teil 專 durch 云.

Die On-Lesung von 伝 ist den, die amtlichen Kun-Lesungen sind tsutawaru, tsutaeru und tsutau, hinzu kommt das nicht amtliche tsute. Alle vier Zeichen werden im Wort mit Go-Lesungen gelesen. Jisho führt zusätzlich 伝 ten und weitere Kun-Formen. Das 精選版 日本国語大辞典 führt als ersten Beleg des Zen-Sinns Dōgens Shōbōgenzō (1231 bis 1253), Kapitel 葛藤, und für den Alltagssinn Fukuzawa Yukichis 文明論之概略 (1875). Das Plattform-Sutra steht im Taishō-Kanon, Band 48, Nummer 2008. Verwandte Wörter sind 伝える, tsutaeru, übermitteln, 伝統, dentō, Überlieferung, 伝心, denshin, Weitergabe von Herz zu Herz, ohne sich auf Worte zu stützen, und 拈華微笑, nengemishō, wörtlich die Blume drehen und lächeln, der Name der Blumenerzählung.

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