
Japanisch shū oder narau, je nach Wort
Aussprache etwa schuu oder na-rau
lernen, üben, Gewohnheit
習 bedeutet lernen und üben. Was wiederkehrt, kann prägen und durch Übung verändert werden.

Japanisch shū oder narau, je nach Wort
Aussprache etwa schuu oder na-rau
lernen, üben, Gewohnheit
習 bedeutet lernen und üben. Was wiederkehrt, kann prägen und durch Übung verändert werden.
Was wir oft tun, tut irgendwann uns. 習 (shū, narau) ist das Kanji für lernen, üben und sich etwas durch Wiederholung aneignen. Gewohnheit heißt gewöhnlich 習慣 (shūkan). Der Seitentitel nimmt den Übergang von der Übung zu ihrer Prägung auf.
Oben steht 羽, Flügel, unten in der heutigen Form 白. Eine Herleitung liest das untere Zeichen als verändertes 日, die Sonne, und sieht ein Küken, das der Sonne zugewandt die Flügel schlägt und fliegen übt.
Eine andere Lesart führt die frühe Form auf 彗 und 日 zurück und versteht die Flügel als spätere Umdeutung. Es gibt mehrere Herleitungen; das Vogelbild ist die überlieferte, aber nicht die einzige Erklärung.
Noch trägt ihn der Ast.
Ein Flügelschlag, noch einer.
Dann trägt ihn die Luft.
Sitzen wird durch Sitzen gelernt. Der Körper findet eine Haltung, die Hände kennen ihren Ort, und der Atem muss nicht ständig geführt werden. Solche Gewöhnung spart Kraft und trägt durch Tage, an denen Entschlossenheit allein nicht reicht.
Dieselbe Kraft kann binden. 習気 (jikke) gibt im buddhistischen Zusammenhang das Sanskritwort vāsanā wieder. Gemeint sind Prägungen, die Leidenschaften im Geist hinterlassen und aus denen neue Gedanken und Handlungen entstehen. Ein Gedanke wird oft genug gedacht und erscheint als Tatsache. Eine Abwehr wird wiederholt und nennt sich Charakter. Die Frage lautet deshalb nicht, ob Gewohnheit gut oder schlecht ist. Sie lautet, welche Wiederholung wach macht und welche verengt.
Im Verzeichnis der Schriftzeichen trägt 習 die Karte Gewohnheit. Der Essay So bin ich eben untersucht den Satz, der von einer Beschreibung zur verschlossenen Tür werden kann.
Für die Stelle, an der aus einem Eindruck eine Bewegung wird, nennt der Text das alte Wort Sankhara, von Fred von Allmen mit Bildekräfte, Gestaltungen und Tendenzen übersetzt. Ein kleiner Wechsel in der Sprache lockert die Festlegung: nicht „So bin ich eben“, sondern „Ich bin manchmal ein alter Esel“. Die Eigenschaft bleibt, ihre Verbindlichkeit lässt nach. Eine Gewohnheit wird nicht geleugnet. Sie hört nur auf, das letzte Wort zu haben.
Schon im ersten Abschnitt der Gespräche des Konfuzius steht 習 für wiederholtes Üben. Die Verbindung 学習 (gakushū) bewahrt Lernen und Einüben, 練習 (renshū) die Übung. Im Buddhismus bezeichnet 習気 die gewohnheitsmäßige Prägung. Die buddhistische Lesung ist jikke, die allgemeine shūki.
Bedeutet 習 wirklich Gewohnheit?
Für sich bedeutet es zuerst lernen, üben und nachahmen; daneben steht es auch für Brauch und Gewohnheit. Das gewöhnliche Wort für Gewohnheit ist 習慣. Der Seitentitel bezeichnet das größere Feld von Wiederholung und Prägung.
Zeigt 習 einen Vogel beim Fliegenlernen?
Das ist eine traditionelle Herleitung. Eine andere Lesart rekonstruiert die frühe Form aus 彗 und 日. Das Vogelbild trägt, aber nicht als einzige Erklärung.
Sind Gewohnheiten im Zen ein Hindernis?
Manche verengen, andere tragen die Übung. Entscheidend ist, ob eine Wiederholung wach und beweglich macht oder unbemerkt dieselbe Reaktion erzeugt.
習 hat elf Striche und steht unter dem Kangxi-Radikal 羽, Nummer 124. Es ist ein Jōyō-Kanji der dritten Grundschulklasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4. Kanjipedia führt eine alte Form mit ebenfalls elf Strichen, die sich in der Schreibung von 羽 unterscheidet. Die chinesische Kurzform ist 习.
角川新字源 liest 習 als zusammengesetztes Bedeutungszeichen aus 羽 und 日, dessen veränderte Form 白 ist. Das englische Wiktionary führt diese Lesart und daneben die Rekonstruktion aus 彗 und 日; das japanische Wiktionary kennt nur die Herleitung aus 日 als Bedeutungsteil und 彗 als Lautteil. Das Shuowen erklärt 習 als wiederholtes Fliegen (數飛也) und führt es auf 羽 und 白 zurück, nach Duan Yucai mit 白 als Lautteil; 字通 liest 羽 und 曰, ein Gefäß für ein Gebet. Die On-Lesung ist shū, die Kun-Lesung narau. Außerhalb der amtlichen Liste führt Kanjipedia jū, Jisho dazu ju. Gebräuchliche Wörter sind 習う (narau), lernen; 習慣 (shūkan), Gewohnheit; 習得 (shūtoku), Erwerb einer Fähigkeit; 学習 (gakushū), Lernen; und 練習 (renshū), Übung. Für 習気 (jikke) nennt die Auswahlausgabe des Nihon Kokugo Daijiten (精選版) als frühesten Beleg ihrer Sammlung das 法華義疏 (Hokke gisho), einen Kommentar zum Lotus-Sūtra aus der ersten Hälfte des siebten Jahrhunderts, für 習慣 das 嚶鳴館遺草 von 1835; das sind Funde dieses Wörterbuchs, nicht der Beginn von Übung oder Gewohnheit.
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