
Japanisch asa oder chō, je nach Wort
Aussprache etwa a-sa oder tschoo, scharfes s wie in Bus
Morgen, Morgenzeit, Hof
Morgen und Tagesbeginn; 朝鮮 bedeutet nicht Morgenstille, Seon ist eine eigene Linie.

Japanisch asa oder chō, je nach Wort
Aussprache etwa a-sa oder tschoo, scharfes s wie in Bus
Morgen, Morgenzeit, Hof
Morgen und Tagesbeginn; 朝鮮 bedeutet nicht Morgenstille, Seon ist eine eigene Linie.
Der Morgen kommt, bevor wir wissen, was wir aus ihm machen. 朝 (asa, chō) ist das Kanji für Morgen, außerdem für Hof und Dynastie. Auf der Karte des Hauses steht das Zeichen für Korea als Land der Morgenstille und als Station auf dem Weg des Zen. Die erste Wendung ist keine genaue Übersetzung, die zweite lässt sich als Zwischenstation auf dem Weg nach Japan missverstehen, obwohl Korea mit Seon eine eigene Linie hat.
In der Mitte steht die Sonne wie in einem schmalen Fenster. Ringsum wachsen Linien nach oben und unten. Rechts ruht für das heutige Auge der Mond. So scheinen Nacht und Tag für einen Augenblick nebeneinanderzustehen.
Das Zeichen ist voller Bewegung, obwohl nichts darin läuft. Licht steigt auf, Dunkelheit weicht, eine neue Ordnung entsteht. Am Morgen ist noch nichts entschieden. Gerade darin liegt seine Strenge: Der Tag beginnt auch dann, wenn wir noch nicht bereit sind. Das ist eine Betrachtung der heutigen Form.
Vier Uhr, noch dunkel.
Die Glocke, dann der Bach,
dann erst das Licht.
Der Morgen ist in Klöstern keine leere Zeit. Im Eiheiji wird um halb vier aufgestanden, im Winter um halb fünf. Dann folgen das Sitzen in der Dämmerung, die Morgenrezitation und das Frühstück in der Mönchshalle. Der Tag beginnt mit Sitzen, Singen und Essen.
Das Sitzen in der Morgendämmerung macht aus frühem Aufstehen keine Tugend für sich. Es nutzt den Übergang. Die Welt ist noch nicht voll von Aufgaben, und doch sind Müdigkeit, Widerstand und Erwartung schon da. Genau damit setzen wir uns hin.
Auf der Karte Morgen steht Korea als Land der Morgenstille und als Station auf dem Weg des Zen. Unter Grundlegendes heißt es, der Morgen und der Abend seien immer von Meditation eingerahmt; am letzten Kurstag folgt auf die Morgeneinheit Zazen die Zimmer- und Hausreinigung. In der Geschichte des Zen stehen der koreanische Seon und der vietnamesische Thiền dagegen als Linien mit eigener Tiefe.
„Land der Morgenstille“ wurde im Westen durch Percival Lowells Koreabuch „Chosön, the Land of the Morning Calm“ bekannt, dessen Vorwort 1885 datiert ist und dessen Titelblatt das Jahr 1886 trägt. Als poetischer Beiname lebt die Wendung weiter. 鮮 bedeutet jedoch nicht Stille. Moderne Fachleute lesen 朝鮮 als lautliche Wiedergabe eines älteren, nichtchinesischen Namens.
Daneben gibt es vormoderne Deutungen. Sie bringen den Namen mit drei Flüssen, einem Flussnamen oder mit dem Ort in Verbindung, an dem die Morgensonne klar aufgeht. Keine davon enthält Stille. Korea entwickelte mit Seon eine eigene lebendige Überlieferung. Die japanischen Linien von Eisai und Dōgen werden dagegen unmittelbar mit ihren Reisen nach China verbunden.
Bedeutet 朝鮮 wirklich Land der Morgenstille?
Nein. 鮮 bedeutet nicht Stille. Moderne Fachleute verstehen den Namen als lautliche Wiedergabe, während ältere Deutungen unter anderem die klare Morgensonne darin sahen. Der westliche Beiname ist poetisch, aber keine genaue Übersetzung.
Kam Zen über Korea nach Japan?
Korea besitzt mit Seon eine eigene Zen-Tradition. Für die japanischen Schulen führen die Wege von Eisai und Dōgen nach China. Korea ist deshalb keine bloße Durchgangsstation, sondern eine eigene Linie.
Wann liest man 朝 asa und wann chō?
Allein und in japanischen Wendungen heißt es oft asa, Morgen. In Zusammensetzungen steht häufig die On-Lesung chō, etwa in 朝刊 (chōkan), Morgenzeitung, oder 王朝 (ōchō), Dynastie. Für Hof und Dynastie gibt es außerdem die alte Go-Lesung jō; sie steht außerhalb der amtlichen Liste, und auch in diesen Wörtern liest man heute chō.
朝 hat zwölf Striche. Sein Radikal ist 月, Nummer 74 unter den 214 Kangxi-Radikalen. Es ist ein Jōyō-Kanji der zweiten Klasse. Im Chinesischen steht traditionell wie vereinfacht ebenfalls 朝.
Die Herkunft wird verschieden erklärt. 角川新字源 versteht 倝 als Bedeutungsteil der aufgehenden Sonne und 舟 als Lautteil, dessen Form zu 月 wurde. Wiktionary liest die Orakelknochenform als Bild aus Sonne, Gras oder Bäumen und noch sichtbarem Mond. In späteren Formen steht rechts ein Flusszeichen oder 舟, in der Kanzleischrift 月. Eine einzige sichere Bildergeschichte ergibt sich aus beiden Lesarten nicht.
Die On-Lesung ist chō; für Hof oder Dynastie gibt es außerdem die alte Go-Lesung jō, die außerhalb der amtlichen Liste steht. Kun-Lesungen sind asa und außerhalb der amtlichen Liste ashita. Gebräuchliche Wörter sind 朝 (asa), Morgen; 朝刊 (chōkan), Morgenzeitung; 朝方 (asagata), am Morgen, in den frühen Morgenstunden; 王朝 (ōchō), Dynastie; 本朝 (honchō), dieses Land oder unser Kaiserhof.
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