Kanji 書法 (Schreibkunst) in Pinselschrift
書法

Japanisch  Shohō
Aussprache  etwa scho-hoo

Schreibweise, Schreibkunst

Schreibweise und Schreibkunst; der Weg des Schreibens heißt 書道.

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Was bedeutet 書法?

Ein Strich mit dem Pinsel lässt sich nicht zurücknehmen. 書法 (shohō) bedeutet Schreibweise, Schreibverfahren oder Schreibkunst. In China ist es der Name der Kunst selbst, in Japan heißt der Weg des Schreibens gewöhnlich 書道 (shodō). Beide Wörter berühren sich, aber sie sind nicht gleich gebaut.

Das Zeichen

書 steht hoch und dicht. Viele waagerechte Linien lagern übereinander, als hätte der Pinsel seine Spuren gesammelt. 法 öffnet links drei Tropfen und stellt rechts eine entschiedene Form daneben. Zusammen wirken die Zeichen wie Bewegung unter einer Regel.

Doch die weiße Fläche bleibt überall gegenwärtig. Kein Strich kann sie besitzen. Schreiben heißt, eine Form setzen und zugleich den freien Raum stehen lassen. Darin liegt die Spannung jeder Pinselschrift: Der Strich ist endgültig, seine Lebendigkeit entsteht aus dem, was er nicht füllt.

Haiku

Schwarze Tusche sinkt.
Zwischen zwei Atemzügen
bleibt das Papier weiß.

Im Zen

Zenrin bokuseki nennt man die echten Pinselspuren hoher Zen-Mönche. Dazu gehören Lehrworte, Verse, Briefe, Namensgebungen und Urkunden der Bestätigung. Sie wurden nicht zuerst geschaffen, um als schöne Kunstwerke betrachtet zu werden. Sie trugen eine Beziehung, eine Unterweisung oder einen Abschied.

Bei dieser Pinselschrift bindet man sich nicht zuerst an die Regeln einer Kunstschule. Person und Inhalt zählen mehr als makellose Fertigkeit. Der Strich wird vorbereitet, aber im Augenblick des Setzens nicht mehr zurückgenommen. Das ist keine Einladung zur Nachlässigkeit. Lange Übung macht eine Freiheit möglich, die sich nicht mehr an jede Regel klammert.

In der Altbäckersmühle

Auf der Karte Pinselweg steht 書法 für die Kunst des Schreibens mit dem Pinsel. Ihr Kartenwort Pinselweg trägt den Weg in sich, der in 書道 steckt, nicht in 書法; für 書法 ist Schreibkunst die genauere Wiedergabe. Im Verzeichnis der Schriftzeichen findet man die Kanji auf den Seiten des Hauses an zwei Orten: groß im Hintergrund einer Sektion oder klein neben einem Titel.

Überlieferung

In China ist 書法 die übliche Bezeichnung für die Kunst des Schreibens. In Japan wurde 書道, Weg der Schrift, zum vertrauten Namen, während 書法 auch Schreibverfahren, Textstil und Schreibkunst bezeichnen kann.

Pinselspuren chinesischer Zen-Mönche kamen in der Kamakura-Zeit nach Japan. Dort bewahrte man sie als Zeugnisse einer lebendigen Übertragung. Später nahm auch die Teekultur sie auf. Ihr freier, menschlicher Ausdruck entsprach dem Geschmack der aufsteigenden Kriegerschicht. Die Person und der Inhalt wogen oft schwerer als makellose Fertigkeit.

Häufige Fragen

Heißt 書法 Pinselweg?

Nicht wörtlich. 書 bezeichnet Schreiben oder Schrift, 法 Verfahren, Regel oder Dharma. Der Weg steckt in 書道, nicht in 書法. Für 書法 trifft Schreibkunst oder Schreibweise genauer.

Sind 書法 und 書道 dasselbe?

Sie überschneiden sich. 書法 kann Schreibverfahren oder Schreibkunst heißen und ist im Chinesischen der Name der Kunst. 書道 ist der japanische Ausdruck, der die Kunst ausdrücklich als Weg bezeichnet.

Ist Zen-Schrift einfach schöne Schreibkunst?

Nein. Bokuseki umfasst auch Briefe, Lehrworte, Namensgebungen und Urkunden, die aus einer konkreten Beziehung entstanden. Ihre Kraft kann gerade darin liegen, dass sie sich nicht an die herkömmliche Schreibkunst bindet.

Für Expert:innen

書 hat zehn Striche und steht unter dem Kangxi-Radikal 曰, Nummer 73. 聿, Schreibpinsel, trägt die Bedeutung, 者 den Klang. Die On-Lesung ist sho, die Kun-Lesung kaku. Fumi steht außerhalb der amtlichen Liste.

法 hat acht Striche und steht unter dem Kangxi-Radikal 水 in der Form 氵, Nummer 85. Seine alte Form 灋 verbindet Wasser, das Tier 廌 und einen dritten Teil. 角川新字源 beschreibt 廌 als heiliges Tier der alten Rechtsprechung und deutet den dritten Teil als 去; Wiktionary nennt 廌 unter 法 eine Antilopen- oder Ziegenart und liest den dritten Teil als verkürztes Lautzeichen 盍; unter der alten Form 灋 führt es zuerst die Deutung mit 去 und dem Fabeltier, das Recht von Unrecht unterscheidet, und 盍 nur als andere Möglichkeit. On-Lesungen sind hō sowie ha(t) und ho(t), die nur verdoppelnd vor dem folgenden Laut stehen, etwa in 法度 (hatto) und 法主 (hossu). Die Kun-Lesungen nori und nottoru stehen außerhalb der amtlichen Liste.

Gebräuchliche Wörter sind 書法 (shohō), Schreibweise oder Schreibkunst; 書道 (shodō), Weg der Schrift; 書家 (shoka), Kalligraf:in. In der vereinfachten chinesischen Schrift steht 书 für 書; das Wort lautet dort 书法 (shūfǎ).

Vertiefen

Das Glossar der Mühle

Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 219 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.

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