
Japanisch kō, gyō oder iku, je nach Wort
Aussprache etwa koo oder gjoo oder i-ku
Gehen, tun, Übung
Gehen, tun und üben. Als Urbild gilt eine Kreuzung.

Japanisch kō, gyō oder iku, je nach Wort
Aussprache etwa koo oder gjoo oder i-ku
Gehen, tun, Übung
Gehen, tun und üben. Als Urbild gilt eine Kreuzung.
Ein Weg entsteht nicht erst am Ziel, sondern mit jedem Schritt. 行 (kō, gyō, iku) ist das Kanji für gehen, ausführen und handeln, im Buddhismus auch für Übung.
Die alte Form zeigt eine Kreuzung. Wege laufen von vier Seiten aufeinander zu. In der Pinselschrift wirkt das Zeichen wie eine offene Bewegung nach links und rechts. Das Zeichen steht nicht auf einer einzigen Spur. Es trägt Richtung und Begegnung zugleich.
Später schreibt das Zeichen auch das Gehen und das Tun. So verbindet die Sprache Fußweg und Handlung. Manchmal ist das Gehen selbst schon die ganze Sache.
Zwei Wege im Tau.
Ein Fuß setzt vor den andern.
Kein Schild nennt das Ziel.
行 wird je nach Zusammenhang unterschiedlich gelesen. Gyō kann buddhistische Übung bedeuten. In 修行, shugyō, verbindet es sich mit dem Einüben eines Weges. Die Lehre soll nicht nur verstanden, sondern mit Körper und Leben vollzogen werden.
In 行持, gyōji, steht 行 für die Übung und 持 für das Durchhalten. Zusammen heißt das Wort, die Übung unablässig fortzusetzen. Dōgen widmete diesem Wort ein Kapitel des Shōbōgenzō. Ein Weg wird nicht dadurch wirklich, dass man über ihn verfügt. Er wird im nächsten Schritt wirklich.
Übung geschieht deshalb nicht nur im Sitzen. Sie setzt sich im Aufstehen, Gehen und Handeln fort. 行 verbindet diese Bewegungen, ohne aus jeder Bewegung schon Zen zu machen.
Die Karte Gehen verbindet Gehen und Praxis. Der Essay Der Weg ist die Übung fragt, wie lange Zen dauert, und löst die Frage vom Ziel.
Der Text setzt Übung und Leben nicht hintereinander. Ein Ziel kann hinter einem liegen. Ein Weg trägt, solange er gegangen wird. 行 steht darüber als Zeichen, das genau diese Doppelheit kennt: vorangehen und etwas vollziehen.
行 hat in buddhistischen Übersetzungen mehrere Aufgaben übernommen. Es kann Gehen, Übung, Handlung oder, in einem besonderen Lehrzusammenhang, saṃskāra bezeichnen. Darum ist eine einzelne deutsche Wiedergabe nie für jedes Wort richtig.
Auch die Lesungen bewahren verschiedene Wege. Kō steht etwa in 行動 (kōdō, Handlung), gyō etwa in 修行 (shugyō, Übung) und 行列 (gyōretsu, Reihe), an in 行脚 (angya, Wanderschaft). In 行持 bleibt die Vorstellung erhalten, eine Übung fortzusetzen und nicht achtlos fallen zu lassen.
Wie kann 行 gleichzeitig gehen und Übung bedeuten?
Als Urbild gilt eine Kreuzung, später schreibt das Zeichen das Gehen und das Tun. Die Bedeutung Übung kommt aus der buddhistischen Sprache: 行 übersetzt dort unter anderem das Sanskritwort caryā, das Handeln und Üben meint. In buddhistischen Wörtern bezeichnet gyō darum auch Praxis und diszipliniertes Einüben.
Was hat 行 mit Samskara zu tun?
In bestimmten buddhistischen Zusammenhängen steht 行 für saṃskāra. Der Glossareintrag Was ist Samskara? erklärt diesen vielschichtigen Begriff ausführlich.
Warum hat 行 so viele Lesungen?
Kō, gyō und an stammen aus verschiedenen chinesisch-japanischen Leseschichten und leben in verschiedenen Wörtern. Iku, yuku und okonau sind japanische Kun-Lesungen. Man liest das Zeichen nicht ohne das ganze Wort.
行 hat sechs Striche und ist selbst das Kangxi-Radikal Nummer 144. Die Form wird als ⿰彳亍 beschrieben. Das Zeichen ist Jōyō, wird in der zweiten Grundschulklasse gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N5. Eine japanische alte Form und eine chinesische Kurzform gibt es nicht.
角川新字源 nennt 行 ein Bildzeichen einer Kreuzung, von der Wege in vier Richtungen führen. Wiktionary erklärt ebenfalls eine Straßenkreuzung und ordnet sie als Piktogramm ein. Das Shuowen erklärt 行 anders, als 彳 und 亍 zusammen, das Gehen des Menschen. Über den Weg von der Kreuzung zum Gehen sind die Quellen nicht einig: 角川新字源 sieht eine Bedeutungsübertragung, das englische und das japanische Wiktionary eine Lautentlehnung; danach schrieb das Kreuzungsbild zuerst ein Wort für Ort oder Weg und erst später das Wort gehen. Die On-Lesungen sind kō, gyō und an, wobei an eine spätere Leseschicht ist. Die amtlichen Kun-Lesungen sind iku, yuku und okonau; außerhalb der amtlichen Liste stehen yaru und michi.
Gebräuchliche Wörter sind 行く (iku), gehen; 行う (okonau), ausführen; 行動 (kōdō), Handlung; 修行 (shugyō), Übung oder Schulung; und 行脚 (angya), Wanderschaft, besonders die eines Mönchs zur Übung.
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