
Japanisch Muichimotsu
Aussprache etwa mu-i-tschi-mo-tsu
Nicht ein Ding
Nicht ein Ding: nichts als festen Besitz eines getrennten Ich festhalten.

Japanisch Muichimotsu
Aussprache etwa mu-i-tschi-mo-tsu
Nicht ein Ding
Nicht ein Ding: nichts als festen Besitz eines getrennten Ich festhalten.
Freiheit beginnt nicht damit, dass die Welt verschwindet, sondern dass der Griff nach ihr sich lockert. 無一物, gelesen muichimotsu und auch muichibutsu, ist das Kanji für Nicht ein Ding, wörtlich für das Fehlen auch nur einer Sache.
Mit 無 ist nicht vorhanden oder ohne gemeint, mit 一 die Eins, mit 物 ein Ding oder eine Sache, auch ein Mensch wie in 人物. Im Alltag versteht man unter 無一物, nichts zu besitzen. Im Zen hört man die längere Wendung 本来無一物 mit, honrai muichimotsu: ursprünglich nicht ein Ding. Mit ihr wird nicht Tisch, Stein und Atem bestritten. Man kann sie so lesen: nichts lässt sich als fester Besitz eines getrennten Ich festhalten. Das ist eine Lesart aus der buddhistischen Verwendung, keine Behauptung, die Welt sei leer im Sinn von wertlos.
Die offene Hand
hält weder Blatt noch den Wind
und verliert doch nichts
Mit Nicht ein Ding ist kein Aufruf gemeint, das Leben abzuwerfen. Es geht um das Festhalten. Was wir mein nennen, lässt sich als bedingt und veränderlich betrachten und entzieht sich dem dauernden Besitz. Gerade deshalb kann die Übung mitten in den Dingen geschehen. Schale, Besen, Körper und Gedanke bleiben da. Nur der Anspruch, sie müssten ein unveränderliches Ich sichern, wird lockerer. Man kann 無一物 so als Einladung lesen, den Dingen nah zu sein, ohne sie einzuschließen.
Auf anderen Seiten der Mühle findet man 無一物 nicht. Auf zwei Seiten der Mühle findet man Gedanken, die der Sache nahestehen. Auf der Seite Mushin ist von einem Geist die Rede, „der Gedanken, Gefühle und Eindrücke nicht festhält“. Auf der Seite Oryoki heißt es: „Wichtiger ist das Maß: genug nehmen, nichts achtlos zurücklassen.“ Mit beidem ist nicht dasselbe gemeint wie mit 無一物; man kann darin aber seine Richtung im Alltag sehen.
Man verbindet 本来無一物 mit Huineng, 638 bis 713, und dem Plattform-Sutra. Man findet die berühmte Zeile jedoch nicht in jeder Fassung. In der späteren, von Zongbao redigierten Ausgabe findet man sie im ersten Abschnitt. An dieser Stelle findet man in der älteren Dunhuang-Fassung andere Verse. Deshalb sollte man die bekannte Form nicht unbesehen in die älteste Textgestalt zurücktragen.
Bedeutet 無一物, dass nichts existiert?
Im buddhistischen Gebrauch geht es um Leerheit und Nichtanhaften, nicht um die Behauptung, dass vor uns keine Dinge erscheinen.
Heißt muichimotsu einfach arm sein?
Im Alltag versteht man darunter, nichts zu besitzen. Den buddhistischen Sinn sieht man besonders in 本来無一物.
Steht 本来無一物 in der ältesten Fassung des Plattform-Sutra?
An dieser Stelle findet man die bekannte Wendung nicht in der erhaltenen Dunhuang-Fassung, wohl aber in der späteren Zongbao-Ausgabe.
無 hat zwölf Striche, steht unter Kangxi-Radikal 86, 火 in der Form 灬, gehört zur vierten Klasse; bei Jisho steht keine JLPT-Stufe. Nach 角川新字源 ist es ein Bildzeichen eines tanzenden Menschen mit ausgebreiteten Armen, ursprünglich gleich 舞, und wurde für nicht vorhanden entlehnt; nach dem japanischen Wiktionary ist es eine Lautentlehnung (仮借). Die chinesische Kurzform ist 无. On sind mu und bu, Kun ist nai. Nur das englische und das japanische Wiktionary führen die Tō-Lesung mo, nur das englische außerdem namisuru. 一 hat einen Strich, ist Kangxi-Radikal 1, gehört zur ersten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N5. Nach 角川新字源 ist es ein Zeigezeichen für eins. Nebenform ist 弌; in Urkunden steht 壱, alte Form 壹. On sind ichi und itsu, Kun sind hito, hitotsu und außerhalb der amtlichen Liste hajime. Nur das englische und das japanische Wiktionary führen hi und hii, nur das englische außerdem die Tō-Lesung ii. 物 hat acht Striche, Kangxi-Radikal 93, 牛, gehört zur dritten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4. Nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary und dem 漢語多功能字庫 ist 牛 Bedeutungsteil und 勿 Lautteil; nach 角川新字源, dem japanischen Wiktionary und dem 漢語多功能字庫 hieß es zuerst ein buntscheckiges Rind, dann Ding (nach 角川新字源 Übertragung, nach dem japanischen Wiktionary Entlehnung). Nach dem 普及版 字通 ist der rechte Teil nicht 勿, sondern ein Zeichen für den Pflug. On sind butsu und motsu, Kun ist mono. Nur das englische und das japanische Wiktionary führen die Go-Lesung mochi, nur das englische außerdem mon. Gebräuchlich sind 物 mono, Ding, 人物 jinbutsu, Person, und 動物 dōbutsu, Tier. Im 精選版 日本国語大辞典 steht als Erstbeleg für 無一物 das 土井本周易抄 (1477), dort 无一物 geschrieben, für 本来無一物 Dōgens 正法眼蔵 (1231 bis 1253), Kapitel 古鏡 (Kokyō). 本来無一物 liest man honrai muichimotsu, nach dem 精選版 日本国語大辞典 auch honrai muichibutsu; bei Jisho steht es nicht als gebräuchlich. In CBETA steht 本來無一物 in T48, Nummer 2008, nicht in T48, Nummer 2007.
Vertiefen
Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 195 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.
Grundlagen der Lehre · Zen-Erfahrung · Praxis und Form · Kloster, Ort und Linie · Texte und Chanten · Küche und Nahrung · Körper und Atem · Bogenschießen · Natur und Jahreslauf · Wörter des Lebens · Schrift und Kultur
Viele Schriftzeichen leben fest auf unseren Seiten: groß im Hintergrund einer Sektion, klein neben einem Titel. Im Verzeichnis findest du sie alle, mit Bedeutung und Fundort. Alle Kurse und Sesshins der Mühle im Überblick.
← Zurück zur Kanji-ÜbersichtZum Glossar →Zum Verzeichnis der Schriftzeichen →Übersicht Kurse →
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen