
Japanisch Mokushō-Zen
Aussprache etwa mo-ku-schoo dsen
Stilles Erleuchten
Stilles Erleuchten: schweigend sitzen, ohne die wache Klarheit zu verlieren.

Japanisch Mokushō-Zen
Aussprache etwa mo-ku-schoo dsen
Stilles Erleuchten
Stilles Erleuchten: schweigend sitzen, ohne die wache Klarheit zu verlieren.
Stille ist nicht dunkel, und Klarheit muss keinen Lärm machen. 黙照禅, gelesen mokushō-zen, ist das Kanji für stilles Erleuchten, eine wache Form des Sitzens ohne angestrengtes Suchen.
Mit 黙 ist das Schweigen gemeint, mit 照 Leuchten, Beleuchten und das Vergleichen zweier Dinge, mit 禅 das Zen. Als Lesebild stehen Stille und Licht nebeneinander: nicht dumpfes Verstummen, sondern ein Schweigen, in dem alles deutlich werden darf. Die Schriftgeschichte ist nüchterner. In der alten Form 默 liest man 黑 als Lautteil, in 照 das Element 昭. Das poetische Bild ist eine Deutung des Wortes, keine Herleitung der Zeichen.
Still sitzt der Morgen
im Fenster wird langsam hell
nichts ruft das Licht her
Beim stillen Erleuchten wird Wachheit nicht durch Jagd nach einer besonderen Erfahrung erzeugt. Man sitzt offen für alles, was gerade da ist. Gedanken, Geräusche und Gefühle müssen nicht verschwinden. Entscheidend ist, ihnen weder nachzulaufen noch sie wegzudrücken. Dieselbe äußere Stille kann dabei lebendig oder stumpf sein. Mit 黙照禅 ist deshalb nicht bloß Ruhe gemeint, sondern die Verbindung von Schweigen und Klarheit. Das stille Erleuchten steht Shikantaza nahe; ob man unter beiden dasselbe versteht, wird verschieden gesehen.
Unter Schweigen steht über das stille Erleuchten: „Man sitzt offen für das, was da ist.“ Unter Was ist Shikantaza? steht, dass schon Dōgens Lehrer Tiantong Rujing den Ausdruck Shikantaza gebrauchte. Im Shōyōroku findet man Hongzhis Verse zu hundert alten Fällen.
Hongzhi Zhengjue lebte von 1091 bis 1157 und lehrte im chinesischen Caodong. Dahui Zonggao gebrauchte 黙照 abwertend für eine Sitzweise, der er mangelnde Lebendigkeit vorwarf. Hongzhi nahm das Wort auf und deutete es als die Übung, in der Sammlung und Weisheit zugleich voll und klar sind. Sein 黙照銘 findet man im Taishō-Kanon, Band 48, Nummer 2001, Buch 8. Ganz getrennt blieben die beiden Wege nicht, denn Hongzhi widmete sich zugleich den alten Fällen.
Ist stilles Erleuchten einfach stilles Dasitzen?
Äußerlich kann es so aussehen. Gemeint ist aber ein Schweigen, in dem Wachheit und Klarheit nicht verloren gehen.
Ist mokushō-zen dasselbe wie Shikantaza?
Geschichtlich sieht man beides nahe beieinander. Im Eintrag Shikantaza steht: „Nach Taigen Dan Leighton nannte Dōgen dieses stille Erleuchten Shikantaza“. Nicht überall versteht man unter stillem Erleuchten und Shikantaza dasselbe.
Lehnt stilles Erleuchten Kōans ab?
Hongzhi schrieb Verse zu hundert alten Fällen. Wer Kōan und Sitzen einfach gegenüberstellt, greift deshalb zu kurz.
黙 hat fünfzehn Striche, steht unter Kangxi-Radikal 203, 黒, gehört zur Mittelstufe und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1. Die alte Form 默 hat sechzehn Striche. Nach 角川新字源 ist die alte Form 默 eine Laut-Bedeutungs-Verbindung aus 犬 als Bedeutungsteil und 黑 als Lautteil; die Jōyō-Form 黙 folgt einer volkstümlichen Schreibung (俗字). On sind moku und außerhalb der amtlichen Liste boku. Kun sind damaru sowie außerhalb der amtlichen Liste danmari und modasu. 照 hat dreizehn Striche, Kangxi-Radikal 86, 火 in der Form 灬, gehört zur vierten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N2. Bei Kanjipedia steht keine alte Form; Nebenformen sind 㷖 und 炤, während 曌 und 瞾 im Namen der Kaiserin Wu Zetian stehen. Nach 角川新字源 und dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist 火 der Bedeutungsteil und 昭 der Lautteil. On ist shō, als Go- und Kan-Lesung. Kun sind teru, terasu und tereru; nur das englische Wiktionary führt außerdem teri und tere. 禅 hat dreizehn Striche, Kangxi-Radikal 113, 示 in der Form 礻, gehört zur Mittelstufe und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1; 禪 hat siebzehn Striche. Nach 角川新字源 ist die alte Form 禪 eine Laut-Bedeutungs-Verbindung aus 示 als Bedeutungsteil und 單 als Lautteil; entlehnt wurde das Zeichen für den Laut von dhyāna, 禅 ist die verkürzte Form. On sind zen und außerhalb der amtlichen Liste sen, Kun ist außerhalb der amtlichen Liste yuzuru; bei Jisho und im englischen und im japanischen Wiktionary steht zudem shizuka. Gebräuchlich sind 黙る damaru, schweigen, 黙祷 mokutō, stilles Gebet, 照明 shōmei, Beleuchtung, und 照らす terasu, beleuchten. Für 黙照禅 steht im 精選版 日本国語大辞典 kein Stichwort und in der デジタル大辞泉 kein Erstbeleg. Für 黙照 steht im 精選版 日本国語大辞典 als Erstbeleg das Zōtanshū des Mönchs Mujū (1305, Buch 4).
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