Kanji 衆生 (Alle Wesen) in Pinselschrift
衆生

Japanisch  Shujō
Aussprache  etwa schu-dschoo

Alle Wesen, Lebewesen

Alle Wesen, alles, was lebt: das Zeichen vom ersten der vier großen Gelübde.

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Was ist das Kanji für alle Wesen?

Ein Gelübde wird weit, wenn es über den eigenen Kreis hinausgeht. 衆生 (shujō) ist das japanische Wort für alle Wesen, für alles, was lebt. Mit ihm beginnt das erste der vier großen Gelübde des Bodhisattva: „Die Lebewesen sind zahllos“.

Das Zeichen

Unten drängen sich Menschen, eine Menge. Über ihnen liegt ein Teil, der sich im Lauf der Schriftgeschichte verformt hat. Daneben steht 生, ein Spross, der aus der Erde kommt. So stehen im Wort die Menge und das Leben nebeneinander: viele, die leben, alle verschieden, keines allein. Das Zeichen 衆 ist auf der Seite Gemeinschaft ausführlicher erklärt.

Haiku

Gras neigt sich im Wind
unzählbar sind seine Halme
ein Boden trägt sie

Im Zen

Beim Rezitieren beginnt das erste Gelübde mit 衆生無辺誓願度 (shujō muhen seigan do). Die Wesen sind ohne Zahl, und niemand bringt sie alle hinüber. Gelobt wird trotzdem. Die Richtung zeigt sich im Konkreten: in der Stimme, die wir nicht unterbrechen, im Tier, dessen Lebensraum unser Handeln berührt, und in der Arbeit anderer, die unseren Tag trägt. Der Kreis reicht zugleich weiter als unsere Nähe.

In der Altbäckersmühle

Auf dem Sutra-Blatt steht unter den großen Gelöbnissen als erste Zeile SHU JO MU HEN SEI GAN DO, deutsch: „Die Lebewesen sind zahllos, ich gelobe, sie alle zu retten.“ Der Kesa-Vers endet dort auf KO DO SHO SHU JO, deutsch: „Mit allen Wesen Erwachen.“ Im Essay Dieses Leben ist nie nur mein eigenes steht: „Denn diese Gelübde beschreiben keine Aufgaben, die jemals abgeschlossen werden könnten.“ Im Eintrag Was sind die Bodhisattva-Gelübde? lässt Huineng die Gelübde im Plattform-Sutra dreimal sprechen: „Nicht er rette sie, sagt er; die Wesen müssten sich jeweils mit ihrer eigenen Natur selbst retten.“

Überlieferung

Das Wort gibt Sanskrit sattva wieder, im Pāli satta: ein Wesen, das lebt. In frühen chinesischen Übersetzungen steht dafür 衆生, seit Xuanzang auch 有情 (ujō), Wesen mit Empfinden. 衆生 gab es schon vorher in chinesischen Klassikern. Im engeren Sinn sind die Wesen die Bewohner der sechs Bereiche des Kreislaufs, im weiteren Sinn auch Buddhas und Bodhisattvas. Der Überlieferung nach gab der Tiantai-Patriarch Zhiyi der vierteiligen Form der Gelübde, die heute in Ostasien verbreitet ist, ihre Gestalt.

Häufige Fragen

Heißt 衆生 fühlende Wesen?

Im Deutschen hört man auch fühlende Wesen. Darin klingt besonders der Sinn von 有情 an, dem jüngeren Übersetzungswort für dasselbe Sanskritwort sattva. In der Altbäckersmühle steht für 衆生 meist Lebewesen oder alle Wesen; bei der Formel des Nirwana-Sutras heißt es auf der Seite Buddhanatur auch alle fühlenden Wesen.

Sind mit 衆生 nur Menschen gemeint?

Nein. Das Wort bezeichnet alle Lebewesen. Zugleich kann es besonders den Menschen meinen. Beides gehört zur Bedeutung.

Ist 衆生 dasselbe Wort wie der Stab des Zen-Mönchs?

Nein. 拄杖 (shujō), der lange Wanderstab der Zen-Mönche, klingt heute gleich, wird aber mit anderen Zeichen geschrieben und ist ein anderes Wort.

Für Expert:innen

衆 hat zwölf Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 143 (血), ist ein Jōyō-Zeichen der Schulstufe 6 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1. Die Herleitungen gehen auseinander. Nach 角川新字源 und dem 普及版 字通 stehen oben ein umgrenztes Gebiet (囗) und darunter viele Menschen. Das englische und das japanische Wiktionary und das 漢語多功能字庫 lesen oben die Sonne (日); nach dem englischen Wiktionary und dem 漢語多功能字庫, beide unter 眾, verformte sie sich in der Bronzeschrift zu 目. Das 説文解字 deutet 目. Einig sind die Quellen darin, dass unten mehrere Menschen stehen; nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist 血 eine spätere Form ohne die Bedeutung Blut. Im traditionellen Chinesisch ist 眾 die Regelschrift, vereinfacht schreibt man 众. 生 hat fünf Striche, ist selbst das Kangxi-Radikal 100, ein Jōyō-Zeichen der Schulstufe 1 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N5. Nach 角川新字源 ist es ein Bildzeichen für eine sprossende Pflanze.

Lesungen: 衆 shū, shu, wobei shu erst in der Oberstufe gelernt wird, außerhalb der amtlichen Liste ooi; 生 sei, shō; ikiru, ikasu, ikeru, umareru, umu, ou, haeru, hayasu, ki, nama, außerhalb der amtlichen Liste inochi, ubu, naru und nasu; dazu die Tō-on-Lesung san, die nur das englische und das japanische Wiktionary führen. Das Wort liest man shujō, daneben sujō und shūsei; nur das 改訂新版 世界大百科事典 nennt shushō für die Tempel von Nara und shusei für das Rezitieren in Kan-on, etwa im Shingon. Der Erstbeleg im 精選版 日本国語大辞典 ist das 家伝, um 760. Sanskrit sattva, Pāli satta. Gebräuchlich sind 大衆 taishū, breite Öffentlichkeit, 民衆 minshū, Bevölkerung, 聴衆 chōshū, Zuhörerschaft, und 一生 isshō, ein Leben lang. Nicht als gebräuchlich geführt sind 衆生, 一切衆生 issai shujō, alle Lebewesen, und 衆生済度 shujō saido, die Wesen ans andere Ufer bringen. Das erste Gelübde heißt 衆生無辺誓願度 (shujō muhen seigan do); im 精選版 日本国語大辞典 steht als Erstbeleg das 往生要集 (984 bis 985).

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