
Japanisch Renge
Lotos, Lotosblüte
Die Blüte des Lotos, im Buddhismus Bild der Reinheit mitten im Schlamm.

Japanisch Renge
Lotos, Lotosblüte
Die Blüte des Lotos, im Buddhismus Bild der Reinheit mitten im Schlamm.
Der Lotos wächst im Schlamm und blüht über dem Wasser. 蓮華 (renge) ist das japanische Wort für die Lotosblüte. Im Buddhismus wurde sie zum Bild der Reinheit mitten im Schlamm. Die Pflanze selbst heißt auf Japanisch hasu und wird 蓮 geschrieben.
Beide Zeichen tragen oben das Gras. Unter dem Gras von 蓮 steht 連, der Teil, der den Klang ren gibt. 華 bezeichnet die Blüte und auch Glanz oder Pracht. In alten Formen kann man darin eine Pflanze mit Blüten sehen, doch wie das Zeichen entstand, wird verschieden erklärt.
Das Wort nennt nur die Blüte. Doch der Stängel reicht hinab ins trübe Wasser. Gerade dort öffnet sich oben die Blüte.
Schlamm hält die Wurzel
über dem dunklen Wasser
öffnet sich die Blüte
Man kann das Bild so lesen: Übung braucht keinen aufgeräumten Boden. Zazen geschieht mit diesem Körper, an diesem Ort, mitten in Müdigkeit, Ärger und Sorge. Die Blüte verleugnet den Schlamm nicht. Sie wächst aus ihm. So kann der Lotos für eine Reinheit stehen, die nichts abspaltet: wache Klarheit unter wirklichen Bedingungen, nicht Flucht aus ihnen. Die Haltung, in der jeder Fuß auf dem Oberschenkel der anderen Seite liegt, heißt nach der Blume Lotossitz.
Auf der Seite Lotossitz steht: „Der Sanskritname padmāsana verbindet padma, Lotus, mit āsana, Sitz oder Haltung.“ Zu 随喜 (zuiki) gibt es im Lotus-Sūtra ein eigenes Kapitel; mehr dazu steht auf der Seite Freude. Im Eintrag Wer ist Avalokiteshvara? heißt es: „Im Lotus-Sūtra nimmt der Bodhisattva zahlreiche Erscheinungsformen an, darunter auch weibliche.“
Zwei Lotosarten sind im Buddhismus wichtig: padma, der rote, und puṇḍarīka, der weiße. Das Bild des Lotos, der den Schlamm nicht annimmt, steht in den Schriften für die reine Gestalt des Buddha. Buddhafiguren sitzen auf einem Lotossockel (蓮華座, rengeza). Im Titel des Lotus-Sūtras, 妙法蓮華経, steht die Blume. Darin steht der weiße Lotos für die Vortrefflichkeit der verkündeten Lehre. In Japan nennt 蓮華 die Blüte, den Sockel der Buddhas und in der Küche auch einen Löffel.
Warum heißt auch ein Löffel renge?
Der Porzellanlöffel für Suppe heißt レンゲ. Das Wort ist eine Kürzung von 散り蓮華 und verweist auf seine Form wie ein Blütenblatt. Auch die Schreibung 蓮華 kann für den Löffel stehen.
Schreibt man Lotos oder Lotus?
Für die Blume steht hier Lotos, für die Schrift Lotus-Sūtra. So bleiben Pflanzenwort und Sutraname unterscheidbar.
Warum liest man 華 hier ge und nicht ka?
In diesem Wort gilt die alte Go-Lesung ge. Sie steht außerhalb der amtlichen Liste und begegnet auch in Wörtern wie 法華 und 散華. Die Lesung ka gehört zu Wörtern wie 華麗.
蓮 hat dreizehn Striche; Jisho führt daneben auch zwölf. Es steht unter dem Kangxi-Radikal 140 (艸, Gras) und gehört nicht zu den Jōyō-Zeichen, sondern zu den Namenszeichen; in nicht amtlichen JLPT-Listen steht es bei N1. Kanjipedia führt ein 旧字 mit fünfzehn Strichen. Chinesisch vereinfacht schreibt man 莲. Nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary und dem 普及版 字通 ist 蓮 ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 艸 und 連. 華 hat zehn Striche, steht ebenfalls unter Kangxi-Radikal 140, ist ein Jōyō-Zeichen der Mittelstufe und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1; das 旧字 hat zwölf Striche, chinesisch vereinfacht ist 华.
Bei 華 gehen die Herleitungen auseinander. 角川新字源 sieht ein 会意形声 aus 艸 und 𠌶, Blüte und Lautteil. Das japanische Wiktionary nennt ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 艸 und 𠌶. Das englische Wiktionary deutet ein Bildzeichen, die Urform von 花, zugleich mit einem Lautteil. Das 普及版 字通 sieht das Bild einer Pflanze mit Blüten.
Lesungen: 蓮 ren; hasu, hachisu. 華 ka, ke, wobei ke erst in der Oberstufe gelernt wird, außerhalb der amtlichen Liste ge; hana, außerhalb der amtlichen Liste shiroi. Das Wort renge hat die Nebenlesung renka. Der Erstbeleg im 精選版 日本国語大辞典 ist das 将門記, um 940; als Löffel steht es im Werk 黴 von 1911. Gebräuchlich sind 蓮 hasu, Lotos, 華やか hanayaka, prächtig, und 華麗 karei, prachtvoll. Bei Jisho nicht als gebräuchlich geführt sind 蓮華 selbst, 蓮華座 rengeza, Lotossockel, und 泥中の蓮 deichū no hasu, ein Lotos im Schlamm. Die Sanskritwörter sind padma und puṇḍarīka.
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