Kanji 縁起 (Bedingtes Entstehen) in Pinselschrift
縁起

Japanisch  Engi

Bedingtes Entstehen, Omen

Ursachen und Bedingungen wirken zusammen. Nichts entsteht aus sich allein.

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Was ist das Kanji für Bedingtes Entstehen?

Aus Mehl allein wird kein Brot; erst Wasser, Wärme, Zeit und Hände machen es dazu. 縁起, japanisch engi, ist das Wort für Bedingtes Entstehen: Vorgänge entstehen, weil Ursachen und Bedingungen zusammentreffen. Im japanischen Alltag heißt dasselbe Wort auch Omen oder Herkunftsgeschichte.

Das Zeichen

In 縁 läuft links der Seidenfaden. Das Zeichen bezeichnete zunächst den Saum eines Gewebes. 起 trägt den Läufer und bedeutet aufstehen, sich erheben oder beginnen.

So lässt sich das Wort ansehen: Ein Faden trifft auf ein Gewebe, und etwas richtet sich auf. Das ist ein Bild, keine Erklärung der Lehre: Im Wort 縁起 steht 縁 für die Bedingung, aus der etwas entsteht.

Haiku

Mehl, Wasser, Hitze
aus keinem allein das Brot
nichts steht für sich da

Im Zen

Beim Sitzen wird das Ticken einer Uhr nicht aus sich selbst zum Ärger. Ein müder Körper und der Wunsch nach Ruhe gehören dazu. Wer die Bedingungen erkennt, muss das Gefühl weder leugnen noch für ein festes Wesen halten. Eine Bedingung kann sich ändern, und damit verändert sich der weitere Verlauf.

Das ist keine Lehre vom Schicksal. Bedingtes Entstehen lenkt den Blick darauf, wer gehandelt hat, was dazu beitrug und wen die Folgen trafen.

In der Altbäckersmühle

Der Essay Es soll aufhören zeigt bedingtes Entstehen an der Aversion. Die Seite Verbundenheit unterscheidet 因 als Ursache, 縁 als mitwirkende Bedingung und 縁起 als das ganze Entstehen unter Bedingungen.

Der Eintrag über Shunyata nennt Nāgārjuna, den Denker des Mittleren Weges, der diese Einsicht mit Leerheit verbindet: „Was abhängig entstanden ist, ist leer von eigenständigem Sein.“ Der Essay Wer darf widersprechen? hält zugleich fest, dass Bedingtheit Machtunterschiede nicht einebnet.

Überlieferung

Der Sanskritbegriff lautet pratītyasamutpāda, auf Pāli paṭiccasamuppāda. Die ausführliche Form heißt 因縁生起, innen seiki; 縁起 ist ihre Kurzform. Die zwölf Glieder, 十二因縁, jūni innen, ordnen die Entstehung des Leidens von Unwissenheit bis zu Geburt, Altern und Tod.

In Japan gewann 縁起 weitere Bedeutungen. 寺社縁起 erzählt die Entstehung eines Tempels oder Schreins. 縁起がいい bezeichnet ein gutes Vorzeichen, 縁起物 einen Glücksbringer. So meint dasselbe Wort bei einer Daruma-Figur, wie sie an Tempeln und Schreinen verkauft wird, etwas anderes als in einer Lehrrede.

Häufige Fragen

Heißt 縁起 Omen oder Bedingtes Entstehen?

Beides. In der buddhistischen Lehre meint es abhängiges Entstehen, in Tempelgeschichten die Herkunft eines Ortes und im Alltag ein günstiges oder ungünstiges Vorzeichen. Der Zusammenhang entscheidet.

Ist 縁 allein das bedingte Entstehen?

Nein. 縁 bezeichnet eine Bedingung, Beziehung oder Verbindung. Erst mit 起, entstehen oder sich erheben, entsteht das ganze Wort 縁起.

Nimmt die Lehre Verantwortung weg?

Nein. Bedingtheit zeigt, wo Handlungen ansetzen und welche Folgen sie haben. Sie unterscheidet viele Einflüsse, ohne daraus gleiche Macht oder Folgenlosigkeit zu machen.

Für Expert:innen

縁 hat fünfzehn Striche und steht unter 糸, Seide, Kangxi-Radikal 120. Es ist ein Jōyō-Kanji der Mittelstufe. Die alte Form ist 緣, die vereinfachte chinesische Form 缘. Nach 角川新字源 ist es ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 糸 und dem Lautteil 彖 und bezeichnete den Saum eines Gewebes; die Herleitung gilt der alten Form 緣, in 縁 ist 彖 leicht verkürzt. 起 hat zehn Striche, steht unter 走, Laufen, Kangxi-Radikal 156, und wird in der dritten Klasse gelernt. 走 trägt die Bedeutung, 巳 den Laut. Die japanische Schulform schreibt den Lautteil als 己; die Form mit 巳 führt das englische Wiktionary als alte Schreibung desselben Zeichens.

縁 hat die On-Lesung en und die Kun-Lesung fuchi; heri, yoru, enishi, yukari und yosuga stehen außerhalb der amtlichen Liste. 起 hat die On-Lesung ki und die Kun-Lesungen okiru, okoru und okosu; tatsu steht außerhalb der amtlichen Liste. Im Wort wird ki zu gi. Wörter sind 因縁, innen, direkte Ursache und mitwirkende Bedingung, im Alltag auch Schicksal oder Verbindung, 十二因縁, jūni innen, die zwölf Glieder, 縁起物, engimono, Glücksbringer, und 寺社縁起, jisha engi, die Herkunfts- oder Gründungsgeschichte eines Tempels oder Schreins.

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