
Japanisch Muga
Nicht-Selbst, kein fester Ichkern
Kein fester Ichkern, und dennoch bleiben Person, Beziehung und Verantwortung.

Japanisch Muga
Nicht-Selbst, kein fester Ichkern
Kein fester Ichkern, und dennoch bleiben Person, Beziehung und Verantwortung.
Wer genau hinsieht, findet Atem, Empfindungen, Erinnerungen und Entschlüsse, aber keinen unveränderlichen Besitzer all dessen. 無我, japanisch muga, ist das Wort für Nicht-Selbst. Im Alltag kann es auch selbstlos oder selbstvergessen bedeuten.
無 ist das entlehnte Zeichen für die Verneinung. 我 bedeutet ich, doch seine alten Formen zeigen keinen Menschen. Die Deutungen schwanken zwischen Säge, gezacktem Werkzeug und Waffe. Für ich wurde das Zeichen wegen seines Lautes entlehnt.
Wer mag, kann den vielen Zacken ein Bild abgewinnen: Das Ich bleibt leicht an etwas hängen. Das ist keine Herleitung des Zeichens. Es ist nur eine Einladung, die eigene Verhärtung anzusehen.
Zwiebel, Schicht um Schicht
am Ende kein harter Kern
nur der Duft im Raum
Beim Sitzen erscheint vieles, ohne um Erlaubnis zu fragen. Ein Geräusch wird gehört, eine Erinnerung färbt die Stimmung, eine Spannung zieht durch den Körper. Auch der Gedanke mein taucht unter Bedingungen auf. Das macht die Person nicht unwirklich. Es nimmt ihr nur den unveränderlichen Mittelpunkt.
Im Alltag bleiben Name, Versprechen und Folgen bestehen. Wer jemanden verletzt, kann sich nicht mit Nicht-Selbst aus der Verantwortung ziehen. Gerade weil ein Tun Beziehungen verändert, braucht es Aufmerksamkeit dafür, wem es dient und was es hervorbringt.
Der Essay So bin ich eben schützt die Lehre vor einer kalten Verkürzung: „Als wären Lebensgeschichte, Körper, Verantwortung und Verletzung nur eine Täuschung.“ Die Seite über die fünf Skandhas beschreibt das Erleben als bedingtes Gefüge ohne festen Mittelpunkt.
Der Essay Zen im Nationalsozialismus setzt eine scharfe Grenze. Selbstlosigkeit kann zur Sprache des Gehorsams werden, wenn die Frage nach Verantwortung verstummt. Der Essay fragt: „Woran merken wir, ob das kleine Ich durchlässiger wird oder ob nur das Gewissen leiser geworden ist?“
無我 gibt Sanskrit anātman und Pāli anattā wieder. Die Lehre widerspricht der Vorstellung eines beständigen, einheitlichen und selbstbestimmten Wesenskerns. In der Form 諸法無我, shohō muga, gehört das Wort zu den drei Siegeln.
Im gewöhnlichen Japanisch steht daneben die Alltagsbedeutung. 無我夢中, muga muchū, bezeichnet völlige Vertiefung oder Selbstvergessenheit. Das berührt die Übung, ersetzt aber nicht die Einsicht, dass kein Vorgang aus einem unabhängigen Ichkern lebt.
Heißt Nicht-Selbst, dass es keine Person gibt?
Nein. Verneint wird ein festes und unveränderliches Selbst, nicht der Mensch mit Körper, Geschichte und Beziehungen. Die Person ist wirklich als bedingtes Geschehen, nicht als unberührbarer Kern.
Ist Selbstvergessenheit schon 無我?
Das japanische Alltagswort kann völlige Versunkenheit meinen. Der buddhistische Lehrbegriff reicht weiter. Er untersucht, ob hinter Erfahrung ein dauerhafter und eigenständiger Besitzer steht.
Ist 非我 dasselbe wie 無我?
In buddhistischen Zusammenhängen sind es nahe Bezeichnungen. In der Philosophie bezeichnet 非我 das Nicht-Ich, die vom Ich unterschiedene Außenwelt. Für Nicht-Selbst ist 無我 die eindeutige Form dieser Seite.
無 hat zwölf Striche, steht unter 火, Kangxi-Radikal 86, und wird in der vierten Klasse gelernt. Seine vereinfachte chinesische Form ist 无. 我 hat sieben Striche, steht unter 戈, Hiebwaffe, Kangxi-Radikal 62, und ist ein Jōyō-Kanji der sechsten Klasse. Eine besondere alte oder vereinfachte Form wird für 我 nicht geführt. 角川新字源 erkennt eine Säge, das 漢語多功能字庫 eine Säge oder sägeartige Waffe, das englische Wiktionary eine dreizackähnliche Waffe oder ein solches Werkzeug. Die Zerlegung in eine Hand, die die Waffe 戈 hält, um sich zu schützen, nennt das englische Wiktionary eine Volksetymologie.
Im Wort gelten mu und ga. Wörter sind 無我夢中, muga muchū, völlige Selbstvergessenheit, 無我の境, muga no kyō, ein Zustand selbstvergessener Vertiefung, 諸法無我, shohō muga, alle Dinge sind ohne festes, unveränderliches Selbst, und 非我, higa, buddhistisch ein anderer Name für 無我, in der Philosophie das Nicht-Ich, die vom Ich unterschiedene Außenwelt.
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