
Japanisch Sandoku
Aussprache etwa san-do-ku, scharfes s wie in Bus
Gier, Hass und Verblendung
三毒 sind Gier, Hass und Verblendung. 貪瞋痴 wird tonjinchi gelesen.

Japanisch Sandoku
Aussprache etwa san-do-ku, scharfes s wie in Bus
Gier, Hass und Verblendung
三毒 sind Gier, Hass und Verblendung. 貪瞋痴 wird tonjinchi gelesen.
Drei Bewegungen können den Blick vergiften, lange bevor ein Wort fällt oder eine Hand handelt. 三毒 (sandoku) ist das Kanji für die drei Gifte Gier, Hass und Verblendung. Ihre feste Zeichenreihe lautet 貪瞋痴, auch 貪瞋癡 geschrieben, und wird tonjinchi gelesen.
三 ist von fast entwaffnender Klarheit: drei waagerechte Linien, eine über der anderen. 毒 wirkt dichter und schwerer. Ob darin ursprünglich eine giftige Pflanze oder eine geschmückte Gestalt zu sehen ist, bleibt umstritten. Das Wort selbst ist eindeutig. Es bezeichnet etwas, das Gesundheit oder Leben schädigt.
Die drei einzelnen Zeichen zeigen drei Arten dieser Verengung. 貪 greift nach etwas. 瞋 blickt zornig. 痴 verliert den klaren Blick. Das Gift ist dabei kein Stoff und kein unveränderlicher Kern im Menschen. Es ist eine Bewegung, die Wahrnehmung, Worte und Handeln erfasst.
Drei Funken im Wind
eine Hand öffnet sich still
kein Rauch bleibt allein
Gier sagt: Das muss zu mir. Hass sagt: Das muss weg. Verblendung hält die eigene Sicht für die ganze Wirklichkeit. So können die drei einander nähren. Wer ergreift, fürchtet den Verlust. Wer abwehrt, sieht immer weniger. Wer nicht sieht, greift und wehrt umso härter.
Auf der Seite Aversion steht: „Zorn kann auf Verletzung oder Unrecht hinweisen. Zum Gift wird die Bewegung, wenn sie den anderen auf das Störende verkürzt und die eigene Reaktion für die ganze Wahrheit hält.“ Dort lässt sich diese Bewegung vom feinen Widerwillen bis zum offenen Hass verfolgen.
In der festen Formel steht für das zweite Gift nicht das gewöhnliche Zeichen 怒 für Wut, sondern 瞋; auf der Seite Wut steht der Unterschied. Im Essay Es soll aufhören heißt es: „Und Verblendung beginnt dort, wo ich diese Bewegung nicht mehr als Bewegung erkenne, sondern als Wahrheit über den anderen Menschen.“ Im Wort 三毒 liegt kein Urteil über Personen. Die Zeichen benennen Kräfte, die gesehen und verwandelt werden können.
In der frühen Lehre heißen Gier, Hass und Verblendung auch die drei Wurzeln des Unheilsamen. Im Sanskrit heißen die drei rāga, dveṣa und moha. Auf den Seiten der Altbäckersmühle heißen sie Gier, Hass und Verblendung.
Hahn, Schlange und Schwein erscheinen als Bilder der drei Gifte im tibetischen Lebensrad. Das Bild gehört zu dieser Darstellung.
Sind die drei Gifte Sünden?
Nein. Sie sind keine endgültigen Urteile über einen Menschen. Sie benennen unheilsame Bewegungen und ihre Folgen. Wer sie erkennt, gewinnt einen Ansatzpunkt für anderes Handeln.
Warum gibt es 痴 und 癡?
癡 ist die ältere japanische Form mit neunzehn Strichen. 痴 ist die heutige amtliche Form mit dreizehn Strichen. Beide Schreibungen kommen in der festen Reihe vor und werden dort chi gelesen.
Gehören Hahn, Schlange und Schwein immer zu den drei Giften?
Nein. Sie gehören besonders zum tibetischen Lebensrad. Die drei Gifte selbst sind in den buddhistischen Überlieferungen weiter verbreitet als dieses Bild.
三 hat drei Striche, steht unter Kangxi-Radikal 1 (一), wird in Schulstufe 1 gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N5. Nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist es ein Zeigezeichen aus drei waagerechten Linien. 毒 hat acht Striche, steht unter Kangxi-Radikal 80 (毋), wird seit der Neufassung der Schulstufenliste (2020) in Schulstufe 5 gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N2. Nach 角川新字源 (und Li Xueqin 2012 im englischen Wiktionary) ist es ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 屮, Pflanze, als Bedeutungsteil und 毐 als Lautteil, ein Kraut, das Menschen schadet; nach Chen Jian (2020, im englischen und im japanischen Wiktionary) und dem 普及版 字通 das Bild einer Frau mit Kopfschmuck, für Gift später entlehnt.
貪 hat elf Striche, steht unter Kangxi-Radikal 154 (貝), gehört zur Mittelstufe und hat die chinesische Kurzform 贪. Nach 角川新字源 ist es ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 貝, Geld, als Bedeutungsteil und 今 als Lautteil: nach Gut gieren; das 普及版 字通 deutet es als Bedeutungsverbindung. Es wird in der Reihe ton gelesen. 瞋 hat fünfzehn Striche, steht unter Kangxi-Radikal 109 (目), ist kein Jōyō-Zeichen und wird einzeln shin, in tonjinchi jedoch jin gelesen. 痴 hat dreizehn Striche, steht unter Kangxi-Radikal 104 (疒), gehört zur Mittelstufe und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1. Seine alte Form 癡 hat neunzehn Striche. Nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist 癡 ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 疒 und dem Lautteil 疑; das 普及版 字通 liest es als Bedeutungsverbindung. 痴, die heutige Form, ersetzt den Lautteil durch 知; 新字源 nennt sie 俗字.
三 liest man On san, Kun mi, mitsu und mittsu. 毒 liest man On doku; sokonau und warui stehen außerhalb der amtlichen Kun-Lesungen. 貪 liest man Kun musaboru, On don, außerhalb der amtlichen Liste tan; Jisho führt dazu ton, im englischen und im japanischen Wiktionary als Go-on genannt. 瞋 liest man Kun ikaru und ikarasu, On shin. 痴 liest man On chi, außerhalb der amtlichen Liste Kun oroka, shireru und oko. Gebräuchlich sind 毒 doku, Gift, 貪欲 don’yoku, Gier, und 愚痴 guchi, Klage oder im buddhistischen Sinn Verblendung. 三毒 und 貪瞋痴 sind bei Jisho nicht als gebräuchlich markiert. Als frühesten Beleg führt das 精選版 日本国語大辞典 für 三毒 eine Stelle im 勝鬘経義疏 (611), für 貪瞋痴 eine im 宝物集 (um 1179), dort geschrieben 貪嗔癡. 三毒 gibt nach der japanischen Wikipedia Sanskrit triviṣa wieder; die Glieder heißen Sanskrit rāga (Pāli lobha), dveṣa (Pāli dosa) und moha; für 瞋 nennt das 精選版 日本国語大辞典 pratigha oder dveṣa.
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