
Japanisch ku
Leiden, bitter, mühsam
Leiden, bitter, mühsam: das Zeichen für das, was schwer zu tragen ist.

Japanisch ku
Leiden, bitter, mühsam
Leiden, bitter, mühsam: das Zeichen für das, was schwer zu tragen ist.
Am Anfang des Weges steht ein genauer Blick auf das, was wehtut. 苦 (ku) ist das Kanji für Leiden. Im Japanischen heißt dasselbe Zeichen auch bitter und mühsam. So reicht es vom Geschmack auf der Zunge bis zu dem, was im Leben schwer zu tragen ist.
Oben breitet sich Gras aus. Darunter sitzt 古, gedrungen wie ein Stein unter einem flachen Dach. Der Pinsel hält die Form dicht zusammen. Nichts weicht aus, nichts beschönigt.
Das Gras erinnert an den Anfang des Zeichens: 苦 bezeichnete ein bitteres Kraut. Von dort wanderte sein Sinn vom Bitteren auf der Zunge zum Bitteren im Leben. Das Zeichen spricht deshalb nicht nur vom großen Schmerz. Es kennt auch die Mühe, die Sorge und den langen Tag, der schwer auf den Schultern liegt.
Am Rand der Schale
bleibt ein bitterer Tropfen
der Morgen wird hell
Dukkha wird meist mit Leiden übersetzt. Das Wort meint jedoch mehr als offenen Schmerz. Auch das Ungenügen gehört dazu, das entsteht, wenn wir festhalten wollen, was sich verändert. Auch was angenehm ist, bleibt nicht. Mehr dazu steht auf der Seite Vergänglichkeit.
Beim Sitzen zeigt sich das im Kleinen. Ein Knie schmerzt. Das ist eine Sache. Das Hadern, der Widerstand und der Wunsch, es müsse anders sein, sind eine zweite. Die Übung fragt nicht, wie Schmerz schönzureden wäre. Sie schaut genau hin, wo das eine endet und das andere beginnt.
In der ersten der vier edlen Wahrheiten steht kein Urteil über das Leben. Dort soll Leiden verstanden werden. Dieser Auftrag ist nüchterner als Pessimismus und näher am Erleben als eine fertige Erklärung.
In der Altbäckersmühle steht Dukkha auf der Seite Experimentelles Kloster unter den Worten Ungenügen und Reibung, erklärt als „Das Leiden, das entsteht, wenn wir festhalten wollen, was sich nicht festhalten lässt.“ Zugleich bleibt die ältere Bedeutung gegenwärtig: Bei den Fünf Geschmäckern steht 苦 für bitter.
Der Überlieferung nach sprach der Buddha nach seinem Erwachen im Wildpark von Isipatana zu fünf früheren Gefährten. Dort steht dukkha am Anfang der Lehre. Gezählt werden vier und acht Arten des Leidens: Geburt, Altern, Krankheit und Tod, dazu die Trennung von Geliebten, die Begegnung mit Unliebem, das Nichtbekommen des Ersehnten und das Leiden an den fünf Gruppen des Anhaftens.
Auch die Herkunft des Wortes dukkha wird verschieden erklärt. Verbreitet ist das Bild eines Wagens, dessen Achse schlecht im Loch sitzt. Nach einer anderen Herleitung heißt das Wort schlecht stehend, unstet.
Heißt 苦 immer Leiden?
Nein. 苦い (nigai) heißt bitter, 苦労 (kurō) Mühe und 苦しい (kurushii) schmerzlich oder schwer. Welche Bedeutung gemeint ist, zeigt der Zusammenhang.
Ist Leiden die richtige Übersetzung von dukkha?
Es ist die gebräuchlichste, aber keine vollständige Übersetzung. Dukkha umfasst auch Unzulänglichkeit, Ungenügen und das Unbehagen, wenn wir an Veränderlichem festhalten.
Sagt der Buddhismus, dass alles Leben nur leidvoll ist?
Nein. Auch Angenehmes ist wirklich, doch es verändert sich. Es geht nicht darum, das Leben zu verdunkeln, sondern darum, genau hinzusehen.
苦 hat acht Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 140 (艸, Gras), ist ein Jōyō-Zeichen der Schulstufe 3 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist 苦 ein Laut-Bedeutungs-Zeichen: 艸 trägt die Bedeutung, 古 den Laut. Der Grundsinn Bitterkraut weitete sich zu bitter, mühsam und leidvoll. Kanjipedia führt kein 旧字; das 普及版 字通 nennt ein 旧字 mit neun Strichen, in dem 艸 vier Striche zählt. Chinesisch wird 苦 gleich geschrieben.
Die On-Lesung ist ku. Die Kun-Lesungen sind kurushii, kurushimu, kurushimeru, nigai und nigaru, außerhalb der amtlichen Liste nigana und hanahada. Das englische und das japanische Wiktionary führen dazu die Kan-on-Lesung ko. Gebräuchlich sind 苦しい kurushii, schmerzlich oder schwer, 苦い nigai, bitter, und 苦労 kurō, Mühe. Dazu kommt 四苦八苦 shiku hakku, die vier und acht Leiden. Als buddhistischer Begriff gibt 苦 Sanskrit duḥkha und Pāli dukkha dem Sinn nach wieder.
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