
Japanisch Hōben
Aussprache etwa hoo-ben
Angemessene Wege zur Einsicht
Wege, die Menschen ihrer Lage entsprechend zur Einsicht führen.

Japanisch Hōben
Aussprache etwa hoo-ben
Angemessene Wege zur Einsicht
Wege, die Menschen ihrer Lage entsprechend zur Einsicht führen.
Nicht jeder Mensch hört dieselben Worte zur selben Zeit auf dieselbe Weise. 方便 (hōben) ist das Kanji für geschickte Mittel. Gemeint sind Wege, die einen Menschen seiner Lage entsprechend zur Einsicht führen. Im heutigen Chinesisch heißt dasselbe Wort vor allem bequem oder praktisch.
方 hat Richtung. Ein Strich weist, ein Haken biegt ab und führt weiter. 便 stellt links einen Menschen neben eine Form, die sich verändert. Zusammen entsteht weniger ein fertiges Bild als eine Bewegung: einen Zugang so verändern, dass er für diesen Menschen und diesen Augenblick passt.
Die Herkunft beider Zeichen ist umstritten. Darum bleibt dieses Bild eine Anschauung ihrer heutigen Form, keine sichere Geschichte. Das Wort selbst hält beides zusammen: ein Mittel und die Kunst, es passend einzusetzen.
Am verschlossnen Tor
findet Regen seinen Weg
Moos trinkt ohne Frage
Upāya kommt von einem Sanskritwort für sich nähern, hingelangen; übersetzt heißt es Mittel. Wer lehrt, spricht nicht in einer einzigen Sprache für alle, sondern so, dass ein Gegenüber etwas hören und üben kann. Das ist keine hübsche Verpackung für eine unveränderte Botschaft. Ein geschicktes Mittel antwortet auf einen wirklichen Menschen in einer wirklichen Lage.
Darum braucht hōben Weisheit. Ohne Weisheit kann Anpassung beliebig oder eigennützig werden. Ohne Mittel bleibt Einsicht stumm. Was heute eine Tür öffnet, kann morgen zur Gewohnheit werden. Kein Mittel darf deshalb mit dem Ziel verwechselt werden.
Im Eintrag Paramitas steht 方便 in einer Mahāyāna-Liste von zehn Vollkommenheiten: „Upāya, 方便: geschickte Mittel.“ Auf der Seite Loslassen steht 方 als Lautteil von 放.
Hōben gibt Sanskrit upāya wieder, 善巧方便 genauer upāyakauśalya, die Geschicklichkeit in den Mitteln. Im Mahāyāna wird diese Fähigkeit besonders Buddhas und Bodhisattvas zugeschrieben. Im Lotus-Sūtra findet man 方便品 als Titel des zweiten Kapitels. Dort werden verschiedene Wege auf das eine Ziel bezogen. Die Herkunft des Sprichworts 嘘も方便, auch eine Lüge könne ein Mittel sein, wird am stärksten mit dem Gleichnis vom brennenden Haus im Kapitel 譬喩品 verbunden. Es ist jedoch ein verweltlichter Gebrauch, nicht der Freibrief für jede Täuschung.
Rechtfertigt 方便 eine Lüge?
Nicht von selbst. Nach dem Sprichwort 嘘も方便 kann eine Lüge zuweilen als Mittel gelten. Im buddhistischen Sinn ist ein geschicktes Mittel dem Verständnis der Hörenden angemessen.
Warum heißt fāngbiàn im Chinesischen bequem?
Im heutigen Chinesisch stehen bequem und praktisch im Vordergrund. Im Japanischen steht der Sinn Mittel und Hilfsweg im Vordergrund. Dieselben Zeichen tragen so in beiden Sprachen verschiedene Schwerpunkte.
Wie übersetzt man upāya?
In der Altbäckersmühle gibt man upāya mit „geschickte Mittel“ wieder. Damit stehen Lehrkunst und Angemessenheit im Vordergrund. Im Englischen steht neben skillful means auch expedient means.
方 hat vier Striche, ist Kangxi-Radikal 70, wird in Schulstufe 2 gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4. Nach 角川新字源 zeigt es zwei an den Bugspitzen verbundene Boote; nach dem 漢語多功能字庫 die Schneide eines Messers; nach dem englischen Wiktionary vielleicht die Urform von 旁; nach dem 普及版 字通 einen an einem Querholz aufgehängten Leichnam. Das japanische Wiktionary nennt keine dieser Erklärungen gesichert. 便 hat neun Striche, steht unter Kangxi-Radikal 9 (人), wird in Schulstufe 4 gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Nach 角川新字源 und dem 説文解字 besteht es aus 人 und 更, ändern: das Unbequeme ändern. Das japanische Wiktionary liest den rechten Teil 𠓥 als Lautteil; das englische Wiktionary und das 普及版 字通 denken an eine Peitsche (鞭).
方 liest man On hō, Kun kata, außerhalb kaku, tadashii und masani. 便 liest man On ben und bin, Kun tayori, außerhalb yosuga, ibari, hetsurau und sunawachi. Im Wort steht ben nach dem englischen Wiktionary als Go-on; bin ist dort eine Gewohnheitslesung. Dieselbe Schreibung 方便 kann auch tazuki heißen, Lebensunterhalt, und bezeichnet dann ein anderes Wort. Dazu kommen 善巧方便 zengyō hōben, kunstvolle Mittel, 便宜 bengi, Zweckmäßigkeit, und 便り tayori, Nachricht. Das 精選版 日本国語大辞典 führt als ersten Beleg für den buddhistischen Sinn das 法華義疏 (erste Hälfte des 7. Jahrhunderts). Sanskrit upāya und upāyakauśalya stehen hinter dem Begriff.
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