
Japanisch sen, ikusa oder tatakau, je nach Wort
Aussprache etwa sen oder i-ku-sa oder ta-ta-kau, scharfes s wie in Bus
Krieg, Kampf, Wettstreit
Krieg, Kampf, Zittern. Übung verliert ihre Richtung, wenn Gehorsam höher gilt als Gewissen.

Japanisch sen, ikusa oder tatakau, je nach Wort
Aussprache etwa sen oder i-ku-sa oder ta-ta-kau, scharfes s wie in Bus
Krieg, Kampf, Wettstreit
Krieg, Kampf, Zittern. Übung verliert ihre Richtung, wenn Gehorsam höher gilt als Gewissen.
Eine Übung kann tief sein und trotzdem ihre Richtung verlieren. 戦 (sen, ikusa, tatakau) ist das Kanji für Krieg, Kampf und Wettstreit. Es trägt außerdem das Zittern und Beben. Wer über Krieg schreibt, sollte den Körper in diesem Zeichen nicht vergessen.
Rechts steht 戈, eine alte Stangenwaffe, die Hellebarde. Links steht in der heutigen japanischen Form 単. In der älteren Form 戰 war es 單. Die Waffe ist unstrittig. Bei 單 gehen die Herleitungen auseinander: Lautteil, Gerät für Jagd oder Krieg, oder Schild mit Federschmuck.
Das Zeichen trägt noch eine zweite Bewegung: zittern. Eine sprachgeschichtliche Deutung leitet das Wort für Krieg vom Zittern her. Sie ist nicht der gemeinsame Befund aller Quellen. Als Bild bleibt ein schlichter Satz: Die Hand an der Waffe ist nicht ruhig.
Alle verbeugen
sich gleichzeitig. Keiner sieht,
wer es aus Angst tut.
Form kann tragen. Im Zendo, dem Übungsraum, verbeugen sich alle zur selben Zeit. Doch dieselbe Verbeugung kann aus Dankbarkeit geschehen oder aus Furcht, und von außen sieht man ihr das nicht an.
Wie tief eine Übung auch geht, sie gibt von sich aus keine ethische Richtung vor; das zeigt die Geschichte des japanischen Zen. Übung verliert ihre Richtung, wenn Gehorsam höher gilt als Gewissen und niemand mehr fragt, wem sie dient. Sich von der Enge des Ich zu lösen heißt nicht, Verantwortung abzugeben. Eine Verbeugung bleibt nur dann Übung, wenn ein Mensch auch widersprechen kann.
Im Verzeichnis der Schriftzeichen trägt 戦 die Karte Krieg. Der Essay Zen im japanischen Militarismus fragt, was eine spirituelle Übung davor schützt, zu einer Schule des Gehorsams zu werden.
Der Text hält fest, dass sich vor 1945 und während des Krieges Zen-Institutionen und einzelne Lehrer in den Dienst des japanischen Imperialismus stellten und dass weder Rinzai noch Sōtō davon ausgenommen waren. Er sagt, der historische Befund brauche weder Beschönigung noch einen weiteren Schuldspruch. Die Frage richtet sich an die eigene Übung.
戦争 (sensō) ist das gewöhnliche Wort für Krieg. 戦う (tatakau) kann Krieg führen, kämpfen oder sich in einem Wettstreit messen bedeuten. Für den Streit um Interessen und Forderungen und für den Kampf gegen Schmerz und Hindernisse wird meist 闘う geschrieben.
Brian Daizen Victoria veröffentlichte 1997 mit „Zen at War“ eine Untersuchung zur Unterstützung des japanischen Militarismus durch Zen. Kritik an Victoria richtete sich vor allem gegen seine Darstellungen einzelner Personen. Der Zen-Priester Ichikawa Hakugen untersuchte nach dem Krieg, wie buddhistische Institutionen am japanischen Imperialismus beteiligt waren, und forderte, dass sie ihre Verantwortung für den Krieg anerkennen. Die Sōtō-Schule veröffentlichte 1992 eine Reuebekundung.
Bedeutet 戦 nur Krieg?
Nein. Das Zeichen kann auch Kampf, Wettstreit und das Zittern oder Beben bezeichnen. In welchem Sinn es steht, zeigt das Wort und sein Zusammenhang.
Was ist der Unterschied zwischen 戦う und 闘う?
Beide werden tatakau gelesen und können kämpfen bedeuten. Bei Krieg und Wettkampf steht häufig 戦う, beim Kampf für eine Sache oder gegen Leid häufig 闘う.
Ist 战 die japanische Kurzform?
Nein. 战 ist die vereinfachte chinesische Form. Die heutige japanische Form ist 戦, die ältere japanische und traditionelle chinesische Form 戰.
戦 hat dreizehn Striche und steht unter dem Kangxi-Radikal 戈, Nummer 62. Es ist ein Jōyō-Kanji der vierten Grundschulklasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Die alte Form 戰 hat sechzehn Striche. Die japanische Kurzform ersetzt darin 單 durch 単.
Die Herleitungen gehen auseinander. 角川新字源, das englische und das japanische Wiktionary und das Shuowen lesen 單 als Lautteil und 戈 als Bedeutungsteil. Das 漢語多功能字庫 sieht in 單 zusätzlich ein Gerät für Jagd oder Krieg. Das 普及版 字通 deutet 單 als Schild mit Federschmuck und das ganze Zeichen als Bedeutungsverbindung. Für das Wort selbst leitet Schuessler (2007) nach dem englischen Wiktionary Krieg und Schlacht von zittern und fürchten her und stellt 戰 zu 憚; das sinotibetische Wörterbuch STEDT führt beide auf eine Wurzel für zittern zurück. Benedict (1972) verband das Wort dagegen mit tibetobirmanischen Wörtern für Schwert, Feind und Streit. Die Hauptlesungen sind sen, ikusa und tatakau. Außerhalb der amtlichen Jōyō-Liste stehen ononoku und soyogu. Gebräuchliche Wörter sind 戦争 (sensō), Krieg; 戦う (tatakau), kämpfen; 作戦 (sakusen), Taktik oder militärische Operation; und 挑戦 (chōsen), Herausforderung. Die zweite Bedeutung, zittern, trägt 戦慄 (senritsu), Schauder.
Vertiefen
Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 219 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.
Grundlagen der Lehre · Zen-Erfahrung · Praxis und Form · Kloster, Ort und Linie · Texte und Chanten · Küche und Nahrung · Körper und Atem · Bogenschießen · Natur und Jahreslauf · Wörter des Lebens · Schrift und Kultur
Viele Schriftzeichen leben fest auf unseren Seiten: groß im Hintergrund einer Sektion, klein neben einem Titel. Im Verzeichnis findest du sie alle, mit Bedeutung und Fundort. Alle Kurse und Sesshins der Mühle im Überblick.
← Zurück zur Kanji-ÜbersichtZum Glossar →Zum Verzeichnis der Schriftzeichen →Übersicht Kurse →
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen