Kanji 口宣 (Kusen) in Pinselschrift
口宣

Japanisch  Kusen
Aussprache  etwa ku-sen, scharfes s wie in Bus

Unterweisung im Zazen

Worte treten in die Stille des Sitzens und geben sie gleich wieder frei.

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Was ist Kusen?

Manchmal treten während des Sitzens Worte in die Stille. 口宣 (kusen) ist das Kanji für Kusen, eine mündliche Unterweisung während des Zazen. Doch hinter derselben Schreibung steht im Japanischen eine ältere, ganz andere Geschichte.

Das Zeichen

口 ist eine kleine Öffnung. Der Pinsel schließt einen Raum und lässt doch an Mund, Atem und Stimme denken. 宣 breitet sich unter einem Dach aus. Zusammen entsteht das Bild von etwas, das nicht im Inneren bleibt, sondern ausgesprochen und weitergegeben wird.

Das Bild passt zu einer Unterweisung im Sitzen. Es ist trotzdem keine Herkunftserklärung. Historisch gehört die Verbindung vor allem in die Welt des Hofes. Die Nähe zum Zen kommt aus einem anderen Gebrauch.

Haiku

Mitten in der Stille
Worte fallen in den Atem
dann sitzt nur der Regen

Im Zen

In Zen-Gruppen der Sōtō-Tradition versteht man unter Kusen eine Unterweisung während des Zazen. Sie kann an Körper- und Geisteshaltung erinnern oder Texte alter Zen-Meister auslegen. Die Worte kommen nicht als Vortrag nach dem Sitzen. Sie treten in die gemeinsame Stille ein und lassen wieder von ihr ab.

Im Japanischen ist mit 口宣 kein buddhistischer Begriff gemeint, sondern vor allem die mündliche Weitergabe eines kaiserlichen Befehls, daneben schlicht das mündliche Aussprechen.

Gerade diese Spannung schützt vor einer bequemen Deutung. Die Zeichen sind keine zeitlose Bildformel für Zen. Ein Wort kann in einen neuen Zusammenhang gelangen und dort lebendig werden, ohne seine ältere Geschichte zu verlieren.

In der Altbäckersmühle

In der Altbäckersmühle spricht die Leitung während des Sitzens.

In den Essays Nach einer Substanz-Erfahrung: und jetzt? und So bin ich eben steht je ein Kusen von Roland Rech. Im ersten Essay heißt Rech „ein Lehrer aus der Linie Taisen Deshimarus“, und sein Satz ist dort „die eine Stimme aus unserer Nachbarschaft“.

Überlieferung

Am japanischen Kaiserhof wurde ein Befehl zunächst mündlich über eine festgelegte Kette weitergegeben. Dafür gebrauchte man das Wort 口宣. Später wurde die Weisung auch aufgeschrieben; aus der Abschrift, dem 口宣案, kuzen’an, wurde schließlich eine eigene gültige Urkunde.

In Zen-Gruppen der Sōtō-Tradition nennt man die Unterweisung während des Zazen Kusen. Roland Rech veröffentlichte solche Unterweisungen unter diesem Namen. So stehen unter derselben Schreibung eine alte Hofpraxis und ein Zen-Gebrauch nebeneinander.

Häufige Fragen

Ist Kusen ein altes japanisches Zen-Wort?

Für diesen Sinn lässt sich das nicht sagen. Im Japanischen meint man mit 口宣 vor allem einen mündlich weitergegebenen Befehl des Kaisers. Den Zen-Sinn kennt man aus Zen-Gruppen der Sōtō-Tradition.

Ist Kusen dasselbe wie ein Dharma-Vortrag?

Nein. Kusen wird während des Sitzens gesprochen. Ein Dharma-Vortrag ist eine eigene Lehransprache vor der versammelten Gemeinschaft.

Liest man 口宣 nur kusen?

Nein. Für das Hofwort liest man kuzen oder kusen, daneben kōsen und kōzen. Im Zen-Gebrauch sagt man kusen.

Für Expert:innen

口 hat drei Striche und ist selbst Kangxi-Radikal 30. Es ist ein Jōyō-Kanji der ersten Klasse. Nach 角川新字源 und dem japanischen Wiktionary ist es ein Bildzeichen des Mundes, nach dem englischen Wiktionary eines offenen Mundes. 口: On kō, ku, Kun kuchi; nur im englischen und im japanischen Wiktionary steht die Kun-Lesung furi, nur im englischen kutsu. 宣 hat neun Striche und steht unter 宀, Kangxi-Radikal 40. Es wird in der sechsten Klasse gelernt. Nach 角川新字源 und dem japanischen Wiktionary ist es ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 宀 und dem Lautteil 亘. Nach 角川新字源 meinte es die Halle, in der der Himmelssohn wohnte, und wurde für „klar“ entlehnt; nach dem 漢語多功能字庫 kam später der Sinn verkünden hinzu. 宣: On sen, Kun noberu und notamau, beide außerhalb der amtlichen Liste; nur im englischen und im japanischen Wiktionary stehen noru und notamawaku, nur im englischen die Namenslesung nobu.

Gebräuchlich sind 人口, jinkō, Bevölkerung, 口調, kuchō, Tonfall, 宣言, sengen, Erklärung, und 宣伝, senden, Werbung oder Verbreitung. Lesungen von 口宣: kusen und kōsen nach Kanjipedia; kuzen nach dem 精選版 日本国語大辞典 und der デジタル大辞泉, dazu im 精選版 kōsen, auch kōzen, für das mündliche Aussprechen (zuerst im 後二条師通記, Eintrag 1091) und den mündlichen Befehl des Kaisers; kōsen nach Jisho. Erstbeleg nach dem 精選版 日本国語大辞典: 出雲風土記 (733), dort mit der Lesung kusemu. Den Zen-Sinn findet man unter den gelesenen Nachschlagewerken nur in der deutschen Wikipedia, mit Hinweisen auf Übungsorte und ein Buch Taisen Deshimarus.

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