
Japanisch Shingon
Aussprache etwa schin-gon
Mantra, wahres Wort
Wahres Wort. Eine Formel, die durch Stimme, Atem und Wiederholung Gestalt gewinnt.

Japanisch Shingon
Aussprache etwa schin-gon
Mantra, wahres Wort
Wahres Wort. Eine Formel, die durch Stimme, Atem und Wiederholung Gestalt gewinnt.
Ein Wort kann mehr tun, als etwas zu erklären: Es kann gesprochen, geatmet und wiederholt werden. 真言, japanisch shingon, ist das Wort für Mantra und bedeutet wörtlich wahres Wort. Zugleich ist Shingon der Kurzname einer buddhistischen Schule.
真 bedeutet wahr; ihm gilt die Kanji-Seite Wahrheit. Seine ältere Form 眞 wird verschieden erklärt. 言 bedeutet Wort oder sprechen. Auch bei diesem Zeichen gehen die Herleitungen auseinander.
Zusammen heißen sie wahres Wort. Das sagt noch nicht, wie ein Mantra wirkt. Es weist aber darauf, dass hier Klang und Vollzug ebenso wichtig werden können wie eine begriffliche Erklärung.
Ein Laut in der Halle
verklingt und wird neu geboren
Stille spricht ihn mit
Shikantaza folgt einer anderen Form als die Wiederholung eines Mantras. Beim einfachen Sitzen wird keine Formel gesprochen. Das Herzsutra endet dennoch mit einem Mantra.
Das Mantra am Schluss des Herzsutras wiederholt das Vorangehende nicht in kurzen Begriffen. Stimme, Atem und Rhythmus tragen es. Das macht die Worte nicht bedeutungslos. Es bedeutet nur, dass ihre Wirkung nicht in jedem Augenblick auf eine Erklärung reduziert wird.
Die Seite Gate Gate Pāragate erklärt die Lautfolge am Ende des Herzsutras. Der Eintrag über das Herzsutra beschreibt den Übergang von erklärender Rede zur verdichteten Lautform.
Die Seite über Dharani sagt, beide Wörter überschneiden sich: „Mantra ist ein weiter Begriff für eine rituell wirksame Lautfolge oder Formel. Dhāraṇī betont zusätzlich das Bewahren, Tragen oder Festhalten einer Lehre.“ Eine feste Regel nach der Länge sieht die Seite nicht.
Sanskrit mantra wird mit einer Wurzel für denken und einem Werkzeugsuffix verbunden. Ursprünglich hießen so die Hymnen und Spruchformeln der Veden, der alten heiligen Texte Indiens. Im Chinesischen übersetzt 真言 das Sanskritwort mantra; mit dieser Bedeutung kam es ins Japanische.
Anfang des neunten Jahrhunderts entstand eine Schule, die nach diesem Wort heißt. Kūkai lernte 805 bei Huiguo in China und kehrte 806 nach Japan zurück. Die Shingon-Schule, die er gründete, trägt 真言 im Namen; das Wort gehört aber nicht nur ihr.
In der chinesischen Übersetzung des Herzsutras durch Xuanzang steht für das Schlussstück 咒, japanisch auch 呪 geschrieben, nicht 真言. 呪 ist aber ein anderes Wort für 真言. Darum heißt das Schlussstück im Japanischen wie auf den Seiten des Hauses ein Mantra, auch wenn die Zeichen 真言 dort nicht stehen.
Ist 真言 das Mantra oder die Shingon-Schule?
Beides. 真言 übersetzt Mantra und dient zugleich als Kurzform für 真言宗, Shingon-shū. Der Zusammenhang zeigt, welche Bedeutung gemeint ist.
Was unterscheidet Mantra und Dharani?
Häufig werden kürzere Formeln Mantra und längere Dharani genannt. Diese Unterscheidung ist brauchbar, aber nicht fest. Im gewöhnlichen Gebrauch werden beide Wörter auch vermischt; im Glossar der Sōtō-Schule stehen 陀羅尼, 呪 und 眞言 unter einem Stichwort.
Nennt das Herzsutra seinen Schluss 真言?
Nicht mit diesen Zeichen. In der chinesischen Übersetzung durch Xuanzang steht 咒, japanisch 呪 geschrieben, ein anderes Wort für 真言. Darum heißt das Schlussstück trotzdem ein Mantra.
真 hat zehn Striche und steht unter 目, Auge, Kangxi-Radikal 109. Es wird in der dritten Klasse gelernt; die alte Form 眞 hat ebenfalls zehn Striche. 角川新字源 erklärt sie aus 匕 und 鼎 als Urform von 塡, füllen, und wahr als entlehnte Bedeutung. Das englische Wiktionary erkennt in einer Bronzeform 貝 mit dem Lautteil 𠂈. 言 hat sieben Striche und ist selbst das Kangxi-Radikal 149. 角川新字源 sieht eine Zunge aus einem Mund, das englische Wiktionary einen Mund mit Markierung, das 漢語多功能字庫 eine Zunge mit einem Querstrich, nach einer dort genannten Deutung ein Hinweiszeichen, 説文解字 dagegen 口 mit dem Lautteil 䇂. Chinesisch sind 真 und 眞 als Varianten belegt; 言 bleibt als Einzelzeichen gleich.
Im Wort gelten shin und die Go-Lesung gon. 真 hat die On-Lesung shin und die Kun-Lesung ma; makoto steht außerhalb der amtlichen Liste. 言 hat die On-Lesungen gen und gon und die Kun-Lesungen iu und koto; kotoba steht außerhalb der amtlichen Liste. Wörter sind 真言, shingon, Mantra, 真言宗, shingon-shū, die Shingon-Schule, 陀羅尼, darani, Dharani, und 呪文, jumon, Zauberspruch oder Beschwörungsformel.
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