
Japanisch Mushotoku
Aussprache etwa mu-scho-to-ku
Nichts zu erlangen
Bei Mushotoku geht es um Üben, ohne das Tun in Gewinn, Rang oder geistlichen Besitz zu verwandeln.

Japanisch Mushotoku
Aussprache etwa mu-scho-to-ku
Nichts zu erlangen
Bei Mushotoku geht es um Üben, ohne das Tun in Gewinn, Rang oder geistlichen Besitz zu verwandeln.
Am Ende eines Tages rechnen wir gern nach, was gelungen ist und was es uns gebracht hat. 無所得 (mushotoku) ist das Kanji für Nichts zu erlangen, wörtlich für nichts, was erlangt wird. Gemeint ist ein Tun, das seinen Wert nicht aus Gewinn und Ansehen bezieht.
無 breitet sich aus wie ein Mensch mit weiten Armen. 所 ist enger gebaut, links eine kleine Türform, rechts eine Axt. 得 setzt einen Schritt neben eine Hand. Die drei Zeichen gehen vom offenen Körper über einen bestimmten Ort zu einer Bewegung des Nehmens.
Als Bild lässt sich die Reihe auch anders lesen: Der Weg ist da, die Hand ist da, und doch schließt sie sich nicht um einen Gewinn.
Der Besen kehrt Laub
keiner zählt, wie viel es war
der Hof ist nur Hof
Mit Mushotoku ist nichts gegen Können und Sorgfalt gesagt. Eine Aufgabe darf ein Ziel haben. Schwierig wird die zweite Rechnung neben dem Tun: Was bringt mir das, wie sehe ich dabei aus, welchen geistlichen Rang gewinne ich? Wer ohne Gewinnstreben übt, lässt diese Buchführung ruhen.
Zazen ist kein Wettbewerb, den man gewinnt. Sobald das Sitzen zur Maschine für Ruhe, Einsicht oder Anerkennung wird, zieht sich die Hand um ein Ergebnis zusammen. Mit Mushotoku öffnet sie sich wieder. Es bleibt das ganze Tun, ohne eine zweite Bilanz.
Auf den Seiten der Mühle findet man Mushotoku in drei nahen Fassungen. Beim Perfektionismus heißt es „üben ohne Gewinnstreben“, im Umgang mit Kritik „tun ohne Absicht auf Gewinn“ und beim Loslassen „absichtsloses Tun“. Auf dem Sutra-Blatt steht in der deutschen Fassung des Herzsutras an dieser Stelle: „Weil es nichts zu erreichen gibt“.
Im chinesischen Herzsutra steht die Zeichenfolge 以無所得故. Traditionell schreibt man die kurze chinesische Fassung Xuanzang zu und datiert sie auf 649. Unter den Büchern Taisen Deshimarus (1914 bis 1982), eines japanischen Sōtō-Lehrers, der 1967 nach Europa ging, findet man ein Buch über das Herzsutra mit dem Titel Mushotoku Mind.
Heißt 無所得 nicht kein Einkommen?
Im Alltag kann man darunter genau das verstehen, denn mit 所得 (shotoku) ist Einkommen gemeint. Im buddhistischen Zusammenhang geht es um Nichtanhaften und darum, über die Trennung von Subjekt und Objekt hinauszugehen.
Bedeutet mushotoku, dass es auf nichts ankommt?
Sorgfalt und Verantwortung bleiben. Aufgelöst wird nicht die Aufgabe, sondern die Rechnung, mit der wir aus dem Tun einen persönlichen Gewinn machen.
Heißt es nichts zu erlangen oder nichts zu erreichen?
Auf Deutsch kann man beides sagen. Wir sagen Nichts zu erlangen; auf dem Sutra-Blatt der Mühle heißt es „Weil es nichts zu erreichen gibt“.
無 hat zwölf Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 86, 火 in der Form 灬, und gehört zur Schulstufe 4. Eine japanische alte Form gibt es nicht, die chinesische Kurzform ist 无. Nach 角川新字源 sowie dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist es das Bild eines tanzenden Menschen. Die Bedeutung „nicht“ entstand durch Lautentlehnung (仮借). On mu und bu, Kun nai; das englische und das japanische Wiktionary führen zusätzlich die Tō-Lesung mo. 所 hat acht Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 63, 戶, gehört zur Schulstufe 3 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Kanjipedia führt ein 旧字 mit 戶, das im englischen und im japanischen Wiktionary als Glyphvariante desselben Codepunkts steht. Nach 角川新字源 und dem englischen Wiktionary ist 斤 der Bedeutungsteil und 戶 der Lautteil, nach dem japanischen Wiktionary stehen dagegen die Urform von 肩 und 斤; im 漢語多功能字庫 ist 戶 Lautteil und der ursprüngliche Sinn des Aufbaus ungeklärt. On sho, außerhalb der amtlichen Liste so, Kun tokoro. 得 hat elf Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 60, 彳, gehört nach Jisho und dem japanischen Wiktionary zur Schulstufe 5 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3; im englischen Wiktionary steht Schulstufe 4. Nach dem englischen und dem japanischen Wiktionary zeigt die frühe Form 㝵 Muschel und Hand, 彳 kam für den Weg hinzu; nach 角川新字源 verbindet es Bedeutung und Laut (会意形声) aus 彳 und 䙷 (=㝵): wer einen kostbaren Schatz holen geht. On toku, Kun eru und uru. Im 精選版 日本国語大辞典 stehen als frühe Beispiele das 維摩経義疏 von 613 für die Nichttrennung von Subjekt und Objekt und das 正法眼蔵随聞記 aus den Jahren 1235 bis 1238 für Nichtanhaften. Gebräuchlich sind 所得 shotoku, Einkommen, 場所 basho, Ort, 納得 nattoku, Einverständnis, und 無心 mushin, nicht haftender Geist, im Alltag auch Unbefangenheit.
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Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 195 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.
Grundlagen der Lehre · Zen-Erfahrung · Praxis und Form · Kloster, Ort und Linie · Texte und Chanten · Küche und Nahrung · Körper und Atem · Bogenschießen · Natur und Jahreslauf · Wörter des Lebens · Schrift und Kultur
Viele Schriftzeichen leben fest auf unseren Seiten: groß im Hintergrund einer Sektion, klein neben einem Titel. Im Verzeichnis findest du sie alle, mit Bedeutung und Fundort. Alle Kurse und Sesshins der Mühle im Überblick.
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