
Japanisch Shushō Ittō
Aussprache etwa schu-schoo it-too
Übung und Verwirklichung sind eins
Bei Dōgen wartet Verwirklichung nicht hinter der Übung. Der Weg geschieht im Üben selbst.

Japanisch Shushō Ittō
Aussprache etwa schu-schoo it-too
Übung und Verwirklichung sind eins
Bei Dōgen wartet Verwirklichung nicht hinter der Übung. Der Weg geschieht im Üben selbst.
Wer übt, wartet leicht auf das, was später kommen soll. 修証一等 (shushō ittō) ist Dōgens Wendung dafür, dass Übung und Verwirklichung eins sind. Der Weg erhält seinen Wert nicht erst am Ziel.
Vier Zeichen halten sich im Gleichgewicht. 修 beginnt mit einem Menschen und endet in drei feinen Linien. 証 stellt die Rede neben etwas Aufrechtes. 一 zieht einen einzigen ruhigen Strich. Über 等 sitzt Bambus, darunter ruht ein Zeichenblock wie ein Gewicht.
Keines der vier Zeichen drängt nach vorn. Übung und Verwirklichung stehen nebeneinander, und am Ende hält 等 beide auf gleicher Höhe.
Nasser Schiefer, Schritt
schon angekommen und doch
der Weg geht weiter
Zazen wird leicht zur Vorstufe: ruhiger werden, klarer sehen, irgendwann ankommen. Bei 修証一等 fällt dieses Irgendwann weg. Die Übung ist nicht leer, bis ein Ergebnis sie füllt. Der Weg geschieht in diesem Atemzug, in dieser aufrechten Haltung, in der Bereitschaft, neu anzufangen.
Beliebig wird die Übung dadurch nicht. Aufmerksamkeit, Berichtigung und Verantwortung bleiben nötig. Darum kommt es auf diesen einen Schritt an.
„Man übt nicht, um später etwas zu erreichen, das die Übung überflüssig macht“, heißt es bei Übung. Im Eintrag zu Shikantaza steht Dōgens Satz aus dem Bendōwa in der Übersetzung von Werner Kristkeitz: „Im Buddha-Dharma sind die Praxis und die Erfahrung [der Wirklichkeit] keine zwei unterschiedlichen Dinge.“ Im Essay zum Bendōwa steht: „Dōgen spricht genau von der Übung des Zazen, nicht von einem Freibrief für jede Gewohnheit.“
Dōgen verfasste den Bendōwa 1231 in Fukakusa bei Kyōto, nach seiner Rückkehr aus China. Er legte ihn Mönchen und Laien vor; in achtzehn Fragen, die er selbst stellt und beantwortet, erklärt er das Sitzen. Man zählt ihn in der heutigen Standardausgabe zum Shōbōgenzō; in Dōgens Fassungen mit fünfundsiebzig und zwölf Kapiteln findet man ihn nicht. Für dieselbe Einheit gebraucht man auch 修証一如 (shushō ichinyo).
Heißt 一等 nicht erster Rang?
Im Alltag versteht man unter 一等 (ittō) den ersten Rang oder ersten Preis. In Dōgens Wendung steht 等 für gleich. Übung und Verwirklichung bilden keine Rangfolge.
Ist 修証義 dasselbe?
Bei 修証義 (Shushōgi) handelt es sich um ein Textbuch der Sōtō-Schule von 1890. Im Titel stehen dieselben ersten beiden Zeichen, doch es handelt sich um ein anderes Werk.
Warum heißt 証 hier Verwirklichung und nicht Beweis?
Im Alltag versteht man unter 証 auch Beweis oder Zeugnis. Im buddhistischen Zusammenhang ist mit shō das Erwachen gemeint, das Verwirklichen dessen, was geübt wird.
修 hat in der japanischen Schrift zehn Striche, in der vereinfachten chinesischen neun, steht unter dem Kangxi-Radikal 9, 人, gehört zur Schulstufe 5 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1. Nebenformen sind 俢 und 脩. Nach 角川新字源 ist es ein Laut-Bedeutungs-Zeichen mit 彡 als Bedeutungsteil und 攸 als Lautteil. On shū und shu (shu erst in der Mittelstufe), Kun osameru und osamaru, außerhalb der amtlichen Liste kazaru und nagai. 証 hat zwölf Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 149, 言, gehört zur Schulstufe 5 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1. Die alte Form 證 hat neunzehn Striche, die chinesische Kurzform ist 证. Nach 角川新字源 und dem englischen Wiktionary ist 証 ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 言 und dem Lautteil 正, ursprünglich ermahnen, und wurde entlehnt für 證 gebraucht; 證 hat nach 角川新字源 登 als Lautteil. On shō, außerhalb der amtlichen Liste Kun akashi. 一 hat einen Strich, ist selbst das Kangxi-Radikal 1, gehört zur Schulstufe 1 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N5. Nach 角川新字源 sowie dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist es ein Zeigezeichen für eins. Nebenform ist 弌, Urkundenform 壱. On ichi und itsu, Kun hito und hitotsu, außerhalb der amtlichen Liste hajime. 等 hat zwölf Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 118, 竹, gehört zur Schulstufe 3 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Nach 角川新字源 ist es ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 竹 und dem Lautteil 寺, nach dem 説文解字 und dem 漢語多功能字庫 eine Bedeutungsverbindung aus 竹 und 寺; den Sinn ausgerichteter Bambustäfelchen geben alle drei. On tō, Kun hitoshii, außerhalb der amtlichen Liste ra und nado. Die Lesung shushō ittō setzt sich aus shushō für 修証 (精選版 日本国語大辞典, erstes Beispiel im Bendōwa) und ittō für 一等 zusammen; ein eigenes Stichwort 修証一等 gibt es nicht. Gebräuchlich sind 修行 shugyō, Übung, 証明 shōmei, Beweis, 平等 byōdō, Gleichheit, und 一等 ittō, erster Rang.
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