
Japanisch Sandōkai
Aussprache etwa san-doo-kai, scharfes s wie in Bus
Harmonie von Verschiedenem und Gleichem
Verschiedenheit und Gleichheit gehören zusammen, ohne einander auszulöschen.

Japanisch Sandōkai
Aussprache etwa san-doo-kai, scharfes s wie in Bus
Harmonie von Verschiedenem und Gleichem
Verschiedenheit und Gleichheit gehören zusammen, ohne einander auszulöschen.
Verschiedenheit muss nicht verschwinden, damit Verbundenheit wahr wird. 参同契, gelesen sandōkai, ist ein chinesisches Zen-Gedicht, das im Haus Sandokai heißt. Sein Titel hält das Verschiedene und das Gemeinsame in einer lebendigen Beziehung.
参 wirkt wie eine Bewegung vieler Linien auf einen gemeinsamen Ort zu. 同 schließt einen stillen Innenraum ein. 契 trägt oben die Spur des Einkerbens und unten die feste Gestalt von 大. Das Zeichen verband sich mit Kerbholz, Vertrag und Übereinkunft.
Die Einzelzeichen bedeuten etwa teilnehmen, gleich und Übereinkunft. Doch der Titel lässt sich nicht auf drei Wörter festnageln. Gerade weil die Zeichen nicht ineinander aufgehen, bleibt zwischen ihnen Bewegung.
Zwei Ufer im Licht
unter Steinen fließt Wasser
der Bach trennt sie nicht
Das Sandōkai spricht von Verschiedenheit und Gleichheit, vom Relativen und Absoluten. Diese Paare sind keine zwei getrennten Welten. Beim Sitzen zeigt sich das schlicht: Jeder Atemzug ist dieser eine, und doch lässt er sich nicht vom ganzen Leben lösen.
Wer nur Gleichheit sieht, übersieht die Eigenart der Dinge. Wer nur Unterschiede sieht, verliert ihre Verbundenheit. Der Text hält beides offen. Darin liegt keine Einladung zu einem verschwommenen Alles ist eins, sondern eine genaue Übung des eigenen Ortes mitten im Ganzen.
Das Sutra-Blatt trägt die deutsche Fassung des Sandokai und nennt Sekito Kisen als Verfasser. Das Textheft von 2006 nennt als Fundort Shunryū Suzukis Buch Leidender Buddha, glücklicher Buddha von 1998.
Der Essay Kann Familie ein Ort der Praxis sein? nennt dieselbe Herkunft: Textfassung aus diesem Buch. Der Essay Warum trifft mich Kritik so sehr? nimmt den Gedanken auf, dass keine Sichtweise den ganzen Himmel besitzt.
Das Gedicht wird Shitou Xiqian zugeschrieben, japanisch Sekitō Kisen, der von 700 bis 790 lebte. Sein Beiname Shitou, der Stein, erinnert an die Hütte, die er auf einem Felsen errichtete. Das Sandōkai umfasst 44 Glieder zu je fünf Zeichen, insgesamt 220 Zeichen.
Der Text steht im 30. Buch des Jingde Chuandeng Lu, einer chinesischen Sammlung der Überlieferung der Lampe (Taishō Nr. 2076). In der Sōtō-Tradition wurde er zu einem wichtigen Rezitationstext. Der gleiche Titel 参同契 kann auch ein daoistisches Werk bezeichnen. Erst der Zusammenhang zeigt, ob vom Zen-Gedicht oder vom Zhouyi Cantongqi die Rede ist.
Was bedeutet der Titel Sandōkai?
Eine verbreitete deutsche Fassung lautet Harmonie von Verschiedenheit und Gleichheit. Die Einzelzeichen können teilnehmen oder zusammenkommen, gleich oder gemeinsam und Übereinkunft bedeuten. Keine deutsche Formel schöpft den Titel vollständig aus.
Hat Shunryū Suzuki den Text geschrieben oder übersetzt?
Nein. Das Gedicht wird Shitou Xiqian aus dem achten Jahrhundert zugeschrieben. Das Haus nennt Suzukis Buch nur als Fundort seiner deutschen Textfassung, nicht als Nachweis einer Übersetzung durch ihn.
Ist jedes 参同契 ein Zen-Text?
Nein. Es gibt ein daoistisches Werk mit demselben Titel, meist mit Zhouyi im Namen. Das Zen-Gedicht wird durch Shitou, den Sōtō-Zusammenhang und die Lesung Sandōkai kenntlich.
参 hat acht Striche und die alte Form 參 mit elf Strichen. 参 wird in der vierten Klasse gelernt, 同 in der zweiten, 契 gehört zu den Jōyō-Zeichen der Mittelschule. 参 steht unter 厶, Kangxi 28. Das 角川新字源 folgt einer Laut-Bedeutungs-Analyse aus 晶 und 㐱. Das englische Wiktionary, das japanische Wiktionary und das 漢語多功能字庫 sehen in der alten Form drei Sterne über einem Menschen. 同 hat sechs Striche und steht unter 口, Kangxi 30. Das 角川新字源 erklärt es als Sinnverbindung für das Zusammenrufen vieler Menschen, das englische Wiktionary, das japanische Wiktionary und das 漢語多功能字庫 als altes Bild eines Rohrs oder Gefäßes.
契 hat neun Striche und steht unter 大, Kangxi 37. Alle geprüften Herleitungen verbinden es mit 㓞, dem Einkerben, und 大, gewichten beide Teile aber verschieden. Kanjipedia und das japanische Wiktionary führen die alte Glyphenvariante 契 mit ebenfalls neun Strichen. Die Lesung kai gehört zum Werktitel; in den Lesungen des Einzelzeichens steht sie nicht. Außerhalb der amtlichen Liste stehen bei 参 majiwaru und shin, bei 同 tomo ni und tō, bei 契 kizamu, warifu, kitsu und ketsu; chigiru wird erst in der Oberstufe gelehrt. Gebräuchliche oder wichtige Wörter sind 参加, sanka, Teilnahme, 同一, dōitsu, Gleichheit oder Identität, 契約, keiyaku, Vertrag, und 契機, keiki, Anlass.
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