
Japanisch Kie
Aussprache etwa ki-e
Zuflucht, vertrauende Ausrichtung
Zuflucht gibt dem Leben eine Richtung zu Buddha, Dharma und Sangha.

Japanisch Kie
Aussprache etwa ki-e
Zuflucht, vertrauende Ausrichtung
Zuflucht gibt dem Leben eine Richtung zu Buddha, Dharma und Sangha.
Zuflucht heißt im Buddhismus nicht, sich vor dem Leben zu verstecken. 帰依, gelesen kie, ist das Wort für die Ausrichtung auf Buddha, Dharma und Sangha. Es beschreibt eine Bewegung hin zu dem, worauf ein Leben sich verlassen will.
帰 sammelt eine Bewegung zur Heimkehr. 依 stellt einen Menschen neben ein Gewand. Das Zeichen bedeutet sich anlehnen, vertrauen oder sich auf etwas stützen.
Zusammen entsteht kein Dach über dem Kopf. Es entsteht eine Richtung. Wer Zuflucht nimmt, gibt die Verantwortung nicht ab. Der Weg bekommt vielmehr einen Bezugspunkt, an dem Handeln und Einsicht geprüft werden können.
Drei Schritte im Tau
kein Dach und doch eine Spur
die Füße wissen
Die dreifache Zuflucht gilt Buddha, Dharma und Sangha. Buddha ist der Erwachte und die Möglichkeit des Erwachens. Dharma ist die Lehre und Wirklichkeit des Weges. Sangha ist die Gemeinschaft, die ihn bewahrt und übt.
Zuflucht ist deshalb keine Abgabe der Verantwortung. Sie richtet das Leben aus. In Jukai, dem Empfangen der buddhistischen Gebote, stehen die drei Zufluchten am Anfang der sechzehn Bodhisattva-Gelübde.
Auf dem Sutra-Blatt steht die Zufluchtnahme als Ti-Sarana in Pali. Dreimal werden Buddha, Dharma und Sangha genannt. Die Karte schreibt in der zweiten Runde Dutyampi. Das Textheft von 2006 schreibt Dutiyam pi, die gebräuchliche Pali-Form lautet Dutiyampi.
Der Eintrag Drei Juwelen erklärt diese drei Bezugspunkte. Die Seite Jukai ordnet die Zufluchten in die Gelübde ein. Das Textheft enthält neben der Pali-Fassung auch eine deutsche Zufluchtnahme und ein Gebet der dreifachen Zuflucht.
Die Pali-Formel heißt tisaraṇa, dreifache Zuflucht. Ihre erste Zeile lautet Buddhaṃ saraṇaṃ gacchāmi; das Textheft von 2006 gibt sie deutsch als „Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha“. Danach folgen Dharma und Sangha, und die ganze Folge wird ein zweites und ein drittes Mal gesprochen.
In der japanischen Zen-Überlieferung heißt die entsprechende Form 三帰依, sankie, oder 三帰, sanki. Der Zufluchtsvers trägt dort in alter Schreibung den Namen 三歸依文, Sankie mon. Das Hausblatt wählt nicht diese japanische Form, sondern die Pali-Fassung.
Wovor flieht man bei der Zuflucht?
Zuflucht meint hier keine Flucht an einen geschützten Ort. Sie ist eine bewusste Ausrichtung. Wer sie nimmt, nimmt das eigene Handeln ernster, nicht weniger ernst.
Warum wird die Formel dreimal gesprochen?
Die drei Runden bekräftigen die Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha. In Pali heißen die Einleitungen der zweiten und dritten Runde dutiyampi und tatiyampi. Die Wiederholung gehört zur überlieferten Form.
Sind Ti-Sarana und Sankie dasselbe?
Sie bezeichnen dieselbe dreifache Zuflucht in verschiedenen Sprachformen. Ti-Sarana ist Pali. Sankie ist die japanische Lesung von 三帰依.
帰 hat zehn Striche, steht in der heutigen Form unter 巾, Kangxi 50, und wird in der zweiten Klasse gelernt. Die alte Form 歸 hat achtzehn Striche und steht unter 止, Kangxi 77. Ihre Herleitung ist umstritten. Das 角川新字源 deutet sie als Laut-Bedeutungs-Zeichen und führt die Grundbedeutung auf das Heiraten zurück. Das englische und das japanische Wiktionary und das 漢語多功能字庫 lesen die älteste Form als Sinnverbindung aus 𠂤, Heer, und 帚, Besen, für die Heimkehr nach dem Sieg; 止, der Fuß, kam erst in den Bronzeinschriften hinzu. Chinesisch wird 歸 vereinfacht 归 geschrieben. Die Lesung im Wort ist ki. Die amtlichen Kun-Lesungen sind kaeru und kaesu; totsugu und okuru stehen außerhalb der amtlichen Liste.
依 hat acht Striche, steht unter 亻, Mensch, Kangxi 9, und gehört zu den Jōyō-Zeichen der Mittelschule. Das 角川新字源, das englische Wiktionary und das japanische Wiktionary erklären es als Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 人 und 衣 als Lautteil. Das 漢語多功能字庫 sieht in der ältesten Form einen Menschen, der im Gewand steckt, mit 衣 zugleich als Lautteil, und leitet vom eng anliegenden Kleid die Bedeutung anlehnen ab. Die buddhistische Go-Lesung ist e, eine amtliche Lesung, die erst in der Oberstufe gelehrt wird; die Kun-Lesung yoru steht außerhalb der amtlichen Liste. Gebräuchliche oder wichtige Wörter sind 帰依, kie, Zuflucht, 三帰, sanki, die drei Zufluchten, 三帰依, sankie, dreifache Zuflucht, und 三帰戒, sankikai, Zufluchtsgebote; dazu das Wort 三宝, sanbō, die Drei Juwelen, denen die Zuflucht gilt. Das 精選版 日本国語大辞典 führt als frühesten Beleg für 帰依 das 勝鬘経義疏 an, das auf 611 datiert wird.
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