
Japanisch Satori
Aussprache etwa sa-to-ri, scharfes s wie in Bus
Einsicht, Erwachen, Verstehen
Einsicht wird nicht zum Rang. Sie muss im gewöhnlichen Leben atmen.

Japanisch Satori
Aussprache etwa sa-to-ri, scharfes s wie in Bus
Einsicht, Erwachen, Verstehen
Einsicht wird nicht zum Rang. Sie muss im gewöhnlichen Leben atmen.
Man trägt eine Frage lange mit sich, dann fällt etwas an seinen Platz. 悟り, gelesen satori, heißt Einsicht, Verstehen oder Erwachen. Am nächsten Morgen warten dieselbe Küche, dieselbe Arbeit und dieselben Menschen. Das Wort benennt keinen Rang, den ein Mensch ein für alle Mal besitzt.
In 悟 steht links das Herz in der schmalen Form 忄, rechts gibt 吾 den Klang. Die Kanji-Seite Erkenntnis erklärt dieses Zeichen genauer. Als Bild darf man darin ein Verstehen sehen, das nicht nur im Kopf geschieht; die Herleitung selbst sagt das nicht.
悟り ist die Verbindungsform des Verbs 悟る, satoru, als Substantiv gebraucht. Deshalb gehört zur vollständigen Wortform 悟り nicht nur das Kanji, sondern auch die Hiragana-Endung.
Die Tasse steht still
am Fenster wird es Morgen
der Weg bleibt derselbe
Satori bezeichnet Einsicht oder Erwachen. Das Wort liegt nahe bei Kenshō, dem Sehen der eigenen Natur, doch eine für alle Schulen verbindliche Rangfolge zwischen beiden gibt es nicht. Entscheidend ist nicht, welches Wort größer klingt. Entscheidend ist, ob Einsicht das Leben durchdringt.
Im Sōtō-Zen wird Zazen nicht bloß als Mittel verstanden, das später ein besonderes Erlebnis hervorbringt. Übung und Verwirklichung gehören zusammen. Eine Erfahrung kann tief sein, doch sie hebt niemanden aus Ursache und Wirkung, Beziehung und Verantwortung heraus.
Der Glossareintrag Erleuchtung nennt Erwachen „keine übernatürliche Auszeichnung und keinen persönlichen Rang“. Die Kanji-Seite Kenshō sagt, das Wort bezeichne im Rinzai-Zen „meist die erste Einsicht“, und fährt fort: „Volle Verwirklichung und das Leben aus dieser Einsicht sind damit nicht automatisch abgeschlossen.“
Der Essay Kenshō und der Montag danach setzt den Schwerpunkt auf das Danach: „Übung und Erwachen werden nicht wie zwei Stufen behandelt, erst die Mühe, dann der Preis.“ Über die Erfahrung sagt er: „Weder Illusion noch Satori. Das wertet die Erfahrung nicht ab. Es nimmt ihr den Platz in einer Rangfolge.“
悟る ist ein altes japanisches Verb für verstehen, erkennen und durchschauen. In buddhistischen Zusammenhängen heißt 悟り, die Verblendung abzulegen und die Wahrheit zu erkennen. Daneben steht bis heute die Schreibung 覚り, die denselben Laut tragen kann.
In Zen-Texten begegnen genauere Wörter wie 大悟, großes Erwachen, 頓悟, plötzliches Erwachen, und 漸悟, allmähliches Erwachen. Sie zeigen, dass die Überlieferung nicht von einer einzigen gleichförmigen Erfahrung spricht. Für 悟り gibt es auch nicht einfach ein einziges Sanskritwort, das alle Verwendungen deckt.
Ist Satori dasselbe wie Kenshō?
Die Wörter können sich überschneiden. Kenshō betont das Sehen der eigenen Natur, Satori allgemeiner Einsicht oder Erwachen. Eine feste Rangfolge gilt nicht überall.
Bleibt Satori für immer?
Eine Einsicht kann das Leben tief verändern. Das Wort verspricht aber keinen unverlierbaren Sonderzustand. Übung und Bewährung gehen weiter.
Schreibt man nur 悟?
Für das Wort satori lautet die vollständige japanische Form 悟り. 悟 ist das Kanji, り die Hiragana-Endung der Substantivform.
悟 hat zehn Striche und steht unter 心, Kangxi-Radikal 61. Es ist ein Jōyō-Kanji der Mittelstufe, Kanken 3, und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1. Nach 角川新字源 ist es ein Laut-Bedeutungs-Zeichen: 心 trägt die Bedeutung, 吾 den Laut go. Die On-Lesung lautet go, die Kun-Lesung satoru; das englische und das japanische Wiktionary führen außerdem die Go-Lesung gu.
Das 精選版 日本国語大辞典 unterscheidet unter anderem gewöhnliches Verstehen und buddhistisches Erwachen. Als frühen Beleg der buddhistischen Verwendung nennt es die Lesemarken von 1002 (長保四年点) in einer Handschrift des 法華義疏. Verwandte Wörter sind 悟る, satoru, verstehen oder erwachen, 大悟, taigo oder daigo, großes Erwachen, 頓悟, tongo, plötzliches Erwachen, und 漸悟, zengo, allmähliches Erwachen.
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