
Japanisch damaru oder moku, je nach Wort
Schweigen, still sein
Schweigen und still werden; im Zen ein offener Raum, keine erzwungene Leere.

Japanisch damaru oder moku, je nach Wort
Schweigen, still sein
Schweigen und still werden; im Zen ein offener Raum, keine erzwungene Leere.
Schweigen ist nicht die Abwesenheit von Leben. 黙 (damaru, moku) ist das Kanji für Schweigen und still werden. Man kann aus Angst schweigen, aus Trotz oder aus Aufmerksamkeit. Erst die Haltung gibt dem Schweigen seine Richtung.
黙 ist dicht und dunkel. Viele kurze Linien sammeln sich oben und links. Unten glimmen vier kleine Punkte, rechts setzt eine offene, schräge Form dagegen. Das Zeichen scheint kaum Luft zu lassen, und doch steht es aufrecht.
Es hat nichts Zartes. Sein Schweigen ist nicht durchscheinend, sondern körperlich. Man kann darin den Augenblick sehen, bevor ein Wort fällt, wenn der ganze Mensch noch prüft, ob dieses Wort nötig ist. Auch das ist nur eine Betrachtung der Form. Die Herkunft erzählt eine genauere Geschichte.
Regen an der Tür.
Niemand nennt das Lauschen.
Der Eimer wird voll.
Schweigen ist in der Zen-Übung kein Selbstzweck. Wer nichts sagt, kann innerlich sehr laut sein. Beim Zazen, dem Sitzen in Versenkung, werden Gedanken nicht erstickt. Wir hören auf, jedem Gedanken sofort eine Stimme und eine Handlung zu geben.
Mokushō bezeichnet stilles Erleuchten. In dieser Übung wird Wachheit nicht durch angestrengtes Suchen erzeugt. Man sitzt offen für das, was da ist. Das Schweigen ist dann kein Deckel. Es ist der Raum, in dem Geräusche, Gefühle und Gedanken auftauchen dürfen, ohne sofort bewertet zu werden.
Im Verzeichnis findet man die Karte Schweigen. Auf der Seite Zazen ist von schweigendem Dasitzen ohne Wertung und mit heiterer Beobachtung des Gegebenen die Rede. Auf der verwandten Seite Stille steht 静 für Stille und Ruhe. 黙 meint enger das Nichtsprechen.
In der chinesischen Caodong-Schule wurde das stille Erleuchten in der Song-Zeit zu einer prägenden Form der Praxis. Besonders Hongzhi Zhengjue steht für diese Haltung. Sein Zeitgenosse Dahui Zonggao, der Hauptvertreter der Kōan-Schau, verwarf ein solches stilles Sitzen als Irrweg. Wen seine Kritik vor allem traf, wird verschieden dargestellt: den Caodong-Lehrer Zhenxie Qingliao oder, nach anderer Darstellung, Hongzhi selbst, der geantwortet habe, gerade das schweigende Sitzen lasse die Weisheit lebendig wirken, und der Kōan-Schau vorwarf, an den Kōans zu haften. Das Wort mokushō war zuerst Dahuis abwertende Bezeichnung; Hongzhi nahm es auf und machte daraus den Namen der rechten Übung.
Aus diesem Streit wurden keine zwei vollkommen getrennten Welten. Hongzhis Lehrgedichte zum Sitzen blieben erhalten, und seine Verse zu hundert alten Fällen wurden später zur Grundlage des Shōyōroku. 黙 allein bezeichnet dennoch keine vollständige Lehre. Es sagt zunächst: den Mund schließen, keinen Laut geben. Was daraus in der Übung wird, entscheidet die Wachheit.
Ist der schwarze Hund die Herkunft des Zeichens?
Nicht ganz. Die alte Form 默 enthält 黑 und 犬. 犬, Hund, trägt die Bedeutung, 黑 ist der Lautteil, nicht die Farbe des Hundes. Wie der Hund zum Schweigen kommt, wird verschieden erklärt, etwa als Hund, der keinen Laut gibt. Der schwarze Hund ist darum eine Merkhilfe, keine Herleitung.
Ist Schweigen im Zen immer heilsam?
Nein. Schweigen kann aufmerksam sein, aber auch feige oder verletzend. Die Übung besteht nicht darin, Wörter zu verbieten, sondern nicht aus jedem inneren Impuls sofort Sprache zu machen.
Schreibt man 黙 oder 默?
默 mit sechzehn Strichen ist die ältere Form und die chinesische Schreibung. Das japanische 黙 hat fünfzehn Striche. Die Jōyō-Form folgt einer 俗字, einer volkstümlichen Schreibung.
黙 hat fünfzehn Striche. Sein Radikal ist 黒 beziehungsweise die alte Form 黑, Nummer 203 unter den 214 Kangxi-Radikalen. Die ältere Form 默 hat sechzehn Striche. 黙 ist ein amtliches japanisches Zeichen und wird in der Mittelschule gelernt.
Die alte Form ist eine Laut-Sinn-Verbindung aus 犬, Hund, als Bedeutungsteil und 黑 als Lautteil; darin stimmen 角川新字源 und Wiktionary überein. 角川新字源 erklärt das Bild als Hund, der keinen Laut gibt; das Shuowen beschreibt einen Hund, der einem Menschen unvermittelt nachsetzt (犬暫逐人也). Nur 角川新字源 nennt die Jōyō-Form 黙 eine 俗字, eine volkstümliche Schreibung.
Die On-Lesungen sind moku und außerhalb der amtlichen Liste boku. Kun-Lesungen sind damaru und außerhalb der Liste danmari und modasu. Gebräuchliche Wörter sind 沈黙 (chinmoku), Schweigen; 黙祷 (mokutō), stilles Gebet; 寡黙 (kamoku), wortkarg; 黙る (damaru), schweigen.
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