Glossar · Kanji

Das Kanji-Glossar

Japanische Schriftzeichen aus dem Zen und dem Leben in der Mühle: mit Pinselbild, Herkunft, Lesungen und dem Platz, den jedes Zeichen bei uns hat.

Gesammelte Zeichen

Die Schriftzeichen im Überblick

195 Zeichen, nach Rubriken geordnet. Hinter jeder Karte steht ein eigener Text, nicht nur eine Übersetzung. Er beginnt mit der Antwort auf die Frage, was das Zeichen bedeutet, zeigt es in Pinselschrift und führt dann Schritt für Schritt tiefer. Jeder Text ist gleich aufgebaut:

In jedem Text findest du

Die Antwort vorweg: eine Einsicht und was das Zeichen bedeutet
Das Zeichen: was das Auge in der Pinselschrift sieht
Haiku: drei Zeilen zum Zeichen
Im Zen: wie es im Sitzen und im Alltag des Übens lebt
In der Altbäckersmühle: wo es im Haus begegnet
Überlieferung: wie das Zeichen und sein Sinn weitergegeben wurden
Häufige Fragen: drei Fragen, wie Menschen sie stellen
Für Expert:innen: Strichzahl, Radikal, Herleitung, Lesungen und gebräuchliche Wörter

Grundlagen der Lehre 39

Die Grundbegriffe des Buddhismus, auf denen die Zen-Praxis steht: von den vier edlen Wahrheiten bis zum Bodhisattva-Gelübde.

戒GelübdeEin Gelübde bindet uns an das, was wir nicht vergessen wollen.施GebenEine Gabe endet nicht an der Hand, die sie reicht.慈MitgefühlMitgefühl beginnt nicht erst dort, wo jemand leidet.悲MitleidenMitleiden ist nicht dasselbe wie Mitleid von oben.縁VerbundenheitNichts beginnt ganz allein.真WahrheitWahrheit ist nicht immer ein großer Satz.衆GemeinschaftViele Menschen im selben Raum sind noch keine Gemeinschaft.授記JukiNiemand ist schon fertig.瞋AversionDie Abneigung ist oft schneller als der Gedanke.涅槃NirwanaEin Feuer, dem niemand Holz nachlegt, geht aus.無常VergänglichkeitDer Tee in der Schale wird kalt, während man ihn ansieht.無我Nicht-SelbstWer genau hinsieht, findet Atem, Empfindungen, Erinnerungen und Entschlüsse, aber keinen unveränderlichen Besitzer all dessen.縁起Bedingtes EntstehenAus Mehl allein wird kein Brot; erst Wasser, Wärme, Zeit und Hände machen es dazu.仏性BuddhanaturEin Mönch fragt, ob ein Hund im Gras Buddhanatur habe.菩提心BodhicittaEine Übung kann klein beginnen und dennoch über das eigene Wohl hinausweisen.真言MantraEin Wort kann mehr tun, als etwas zu erklären: Es kann gesprochen, geatmet und wiederholt werden.印相MudraEine Hand kann eine Haltung sichtbar machen, ohne einen Satz zu sprechen.色即是空Form ist LeereEin Apfel hat Farbe, Gewicht, Herkunft und eine Stelle auf dem Tisch, und nichts daran besteht für sich allein.空LeereEin offener Himmel wirkt leer, ohne dass dort nichts wäre.仏BuddhaEin kurzes Zeichen kann einen Menschen, ein Bild, eine Lehre und sogar einen Verstorbenen meinen.法DharmaEine Regel kann Halt geben, eine Methode einen Weg öffnen.苦LeidenAm Anfang des Weges steht ein genauer Blick auf das, was wehtut.三毒Die drei GifteDrei Bewegungen können den Blick vergiften, lange bevor ein Wort fällt oder eine Hand handelt.煩悩LeidenschaftenWas uns umtreibt, ist selten nur das Große.般若WeisheitEs gibt ein Wissen, das nicht aus dem Sammeln von Wissen kommt, sondern aus dem Hinsehen.方便Geschickte MittelNicht jeder Mensch hört dieselben Worte zur selben Zeit auf dieselbe Weise.中道Der mittlere WegWer zwischen zwei Extremen nur die goldene Mitte sucht, sucht am falschen Ort.因果Ursache und WirkungJeder Schritt hinterlässt eine Spur, und die Spur wird zum Boden des nächsten.解脱BefreiungEin Knoten löst sich nicht durch Zerren, sondern durch das Sehen, wo er hält.捨GleichmutNicht alles, was wir tragen, müssen wir festhalten.四無量心Die vier unermesslichen GeisteshaltungenEin guter Wunsch hört nicht an der Haustür auf.懺悔ReueWer sagt, was war, wird leichter.五戒Die fünf SilasEine Übung trägt, wenn man sie sich selbst auferlegt.大乗Großes FahrzeugEin Weg wird weit, wenn er für alle gedacht ist.蓮華LotosDer Lotos wächst im Schlamm und blüht über dem Wasser.衆生Alle WesenEin Gelübde wird weit, wenn es über den eigenen Kreis hinausgeht.転法輪Das Rad der Lehre drehenEine Lehre beginnt zu wirken, wenn jemand sie ausspricht.上座部TheravādaIn einem Namen kann Herkunft bewahrt sein, und doch schieben sich darin mehrere Zeiten ineinander.金剛乗VajrayānaEin Weg kann zugleich unerschütterlich und beweglich gedacht werden.

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Zen-Erfahrung 30

Erwachen, Geist und Sammlung: die Wörter, mit denen das Zen von dem spricht, was sich nicht sagen lässt.

禅ZenZen ist kein stillgestelltes Leben.無MuManche Antworten geben nichts zum Mitnehmen.明KlarheitKlarheit ist kein Besitz.悟ErkenntnisManchmal sieht man auf einmal, was die ganze Zeit vor einem lag.見性KenshōEine tiefe Einsicht beendet nicht den gewöhnlichen Montag danach.魔MakyōNicht jede ungewöhnliche Erfahrung ist eine Botschaft.念AchtsamkeitDu hörst den Regen, dann bist du schon wieder bei morgen.集中KonzentrationDer Geist springt von einem Gedanken zum nächsten, bis eine Sache ihn ganz sammelt.静StilleEin Raum kann leise werden, während es im Kopf noch lange lärmt.黙SchweigenSchweigen ist nicht die Abwesenheit von Leben.門TorEin Tor trennt zwei Räume und verbindet sie.婆Alte FrauDie alte Frau in einem Kōan muss keinen Namen bekommen, um eine ganze Übung in Bewegung zu setzen.悟りSatoriMan trägt eine Frage lange mit sich, dann fällt etwas an seinen Platz.無心MushinEin Kind kniet am Bach und folgt dem Wasser, ohne jeden Wirbel festzuhalten.初心AnfängergeistAm ersten Tag in einem unbekannten Haus sieht man jede Tür und hört jedes Geräusch; später wird vieles selbstverständlich.以心伝心Von Herz zu HerzZwei Menschen sehen einander an, und ein Wort trifft, weil lange Übung hinter ihm steht.心HerzManches lässt sich nicht sauber in Gefühl und Denken teilen.教外別伝不立文字直指人心見性成仏Die vier Grundsätze des ZenEine Landkarte kann den Weg zeigen, aber sie kann ihn nicht gehen.十牛図Die zehn OchsenbilderEin Mensch sucht ein Rind, findet Spuren, fängt es, hütet es und reitet heim, doch damit endet der Weg nicht.有時Sein-ZeitWir sagen, wir hätten keine Zeit, als wäre sie ein Gefäß, das sich leert.身心脱落Körper und Geist fallen abManches fällt ab, ohne dass es jemand fortnimmt.修証一等Übung und Verwirklichung sind einsWer übt, wartet leicht auf das, was später kommen soll.無所得Nichts zu erlangenAm Ende eines Tages rechnen wir gern nach, was gelungen ist und was es uns gebracht hat.本来面目Das ursprüngliche GesichtUnter den Rollen unseres Lebens liegt nicht einfach eine weitere Rolle.安心HerzensfriedenEs gibt eine Ruhe, die nur so lange hält, wie nichts schiefgeht.即心是仏Der Geist ist BuddhaWir suchen den Buddha leicht in der Ferne, im Tempel, im Buch oder in einem anderen Menschen.看話禅Kōan-ZenEine Frage kann so lange betrachtet werden, bis sie aufhört, nur eine Frage zu sein.黙照禅Stilles ErleuchtenStille ist nicht dunkel, und Klarheit muss keinen Lärm machen.無一物Nicht ein DingFreiheit beginnt nicht damit, dass die Welt verschwindet, sondern dass der Griff nach ihr sich lockert.成仏Buddha werdenWer Buddha wird, ahmt nicht jemand Fremdes nach.

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Kloster, Ort und Linie 18

Ämter und Ordination, Schulen und Lehrer:innen, die Tempel in Japan und die Orte der Mühle.

源QuelleEine Quelle ist klein genug, um übersehen zu werden, und stark genug, einen Fluss zu nähren.流StrömungEine Strömung hat keine Hände und trägt uns doch.師LehrerWer lehrt, ist zuerst jemand, an dem sich eine Übung sehen lässt.庵KlauseManche Orte werden weit, weil sie auf vieles verzichten.古AltAlt ist nicht dasselbe wie vergangen.柔心堂NyuShin-DoSanftheit ist nicht das Gegenteil von Klarheit.静水禅堂Sei-Sui-ZendoStilles Wasser ist ganz da und muss nirgends hin.園主Hüterin des GartensEin Garten braucht niemanden, der ihn beherrscht.永平寺Eihei-jiEin Friede, der bleiben soll, braucht mehr als einen schönen Namen.総持寺祖院Sojiji-soinEin Ort kann seinen Rang verlieren und seine Herkunft bewahren.定光寺Joko-jiEin Name muss sich nicht in eine Übersetzung zwingen lassen.林叟院Rinso-inManche Namen bewahren eine ganze Geschichte.老師RōshiJemand wird mit einem Wort angesprochen, das „alter Lehrer“ heißt, und ist vielleicht fünfzig.伝法Dharma-ÜbertragungEtwas wird weitergegeben, das sich nicht einpacken lässt: eine Art zu sitzen, zu sehen und Verantwortung zu tragen.菩提達磨BodhidharmaJe weniger wir über einen Menschen sicher wissen, desto leichter wird sein Bild vollkommen.道元DōgenEin Name kann vertraut werden, ohne dass wir ihn in eine Botschaft auflösen.禅宗Die Zen-SchuleEine Schule bewahrt einen Weg, aber sie besitzt ihn nicht.黄檗ŌbakuÜbung reist nie körperlos.

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Texte und Chanten 16

Sutren, Dharanis und Schriften, die im Zendo gechantet und im Studium gelesen werden. Dazu das Sutra-Blatt der Mühle zum Mitlesen.

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Wörter des Lebens 44

Mut, Scham, Wut, Vertrauen: Wörter des Alltags, die die Zen-Praxis in ein anderes Licht rückt.

生LebenLeben ist kein fertiger Besitz.恥SchamScham lässt einen Menschen oft verschwinden wollen.怒WutWut meldet, dass etwas nicht stimmt, weiß aber noch nicht, was als Nächstes richtig ist.境GrenzeEine Grenze trennt nicht nur, sie zeigt auch, wo zwei Bereiche einander berühren.聞HörenHören beginnt, bevor wir wissen, was wir antworten wollen.足GenugGenug ist der Augenblick, in dem das Suchen aufhören darf.常AlltagDer Alltag ist nicht das, was zwischen den wichtigen Augenblicken übrig bleibt.行GehenEin Weg entsteht nicht erst am Ziel, sondern mit jedem Schritt.役RolleEine Rolle kann Arbeit ordnen und einen Menschen zugleich verdecken.忠LoyalitätTreue kann tragen und fesseln.果FruchtEine Frucht lässt sich nicht ziehen.淡Das FadeWas sich nicht aufdrängt, wirkt schnell wie nichts.習GewohnheitWas wir oft tun, tut irgendwann uns.声KlangDer Bach spricht, ohne jemanden zu meinen.敵FeindEin Feind entsteht nicht erst dort, wo zwei Menschen kämpfen; er kann schon in einem Bild beginnen, das keinen neuen Blick mehr zulässt.外DraußenDraußen beginnt an einer wirklichen Grenze, aber nicht jede Grenze muss zwei Welten schaffen.赦VergebungVergebung kann etwas freigeben, ohne das Geschehene auszulöschen.国LandEin Land ist Nähe, Sprache und Erinnerung, aber kein größerer Mensch.場OrtEin Ort ist nicht nur die Stelle auf einer Karte.史GeschichteGeschichte ist nicht nur das Vergangene.老AlternNiemand sieht einen alten Menschen von außen.醒NüchternheitNüchternheit klingt wie ein fertiger Zustand.戦KriegEine Übung kann tief sein und trotzdem ihre Richtung verlieren.響NachklangEin Nachklang beginnt dort, wo das erste Ereignis schon vorüber ist.家FamilieEin Haus kann Schutz sein, Erinnerung, Pflicht oder Übungsplatz.友FreundschaftManche Wege werden nicht kürzer, wenn jemand mitgeht.会BegegnungEine Begegnung lässt sich planen, aber nicht wiederholen.勇MutMut ist selten die Abwesenheit von Zögern.放LoslassenEine Hand, die lange festgehalten hat, merkt oft erst beim Öffnen, wie fest sie war.旅ReiseWer reist, geht nicht immer allein.始AnfangMan fängt nicht nur einmal an.変WandelNichts bleibt, wie es ist, und nicht jeder Wandel ist willkommen.学LernenLernen beginnt oft mit Nachmachen.成WachstumEtwas wird, und eines Tages ist es da.道WegEinen Weg sieht man am deutlichsten, während man ihn geht.謙DemutDemut zeigt sich nicht darin, dass jemand sich kleinredet.信VertrauenVertrauen beginnt oft, bevor du wissen kannst, ob der Boden trägt.感謝DankbarkeitDankbarkeit beginnt manchmal, bevor du sagen kannst, wofür.夢TraumEin Traum kann am Morgen zerfallen und doch lange nachwirken.喜FreudeFreude muss nicht auf dem eigenen Teller liegen.和FriedenFrieden ist nicht die Abwesenheit einer zweiten Stimme.愛LiebeLiebe kann halten und festhalten.希望HoffnungFür Hoffnung gibt es im Japanischen mehrere Wörter.忍GeduldGeduld zeigt sich oft erst, wenn etwas wehtut oder zu lange dauert.

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Die Zeichen der Mühle

Die Schriftzeichen der Mühle

Viele Schriftzeichen leben fest auf unseren Seiten: groß im Hintergrund einer Sektion, klein neben einem Titel. Im Verzeichnis findest du sie alle, mit Bedeutung und Fundort.

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Zum Ausprobieren

Kanji für dein Wort

Gib ein Wort, mehrere Wörter oder einen Namen ein. Wir zeichnen die passenden Schriftzeichen in Tusche, schlüsseln jedes einzeln auf und dichten dazu ein Haiku in klassischer Form (5 · 7 · 5 Silben).


TAUCHE TIEFER EIN

Im Glossar warten 104 Begriffe

Hinter jedem Zeichen steht ein Begriff. Im Glossar findest du die Begriffe der Zen-Praxis, ihre Bedeutung und ihren Platz im Übungsleben der Mühle, nach denselben Rubriken geordnet wie die Zeichen.