
Japanisch bu, mau oder mai, je nach Wort
Tanz, tanzen
Tanz und wirbelnde Bewegung. Gesammelte Stille wird lebendige Form.

Japanisch bu, mau oder mai, je nach Wort
Tanz, tanzen
Tanz und wirbelnde Bewegung. Gesammelte Stille wird lebendige Form.
Ein Tanz kann aus der Stille kommen, ohne stillzustehen. 舞 (bu, mau, mai) ist das Kanji für Tanz, tanzen und wirbelnde Bewegung. Traditionell bezeichnet es eher Kreisen und Gleiten als Springen, doch die Grenze ist heute nicht immer scharf.
Der obere Teil geht auf 無 zurück. Dieses Zeichen zeigte ursprünglich einen tanzenden Menschen mit weiten Ärmeln und mit Schmuck oder Schweifen in den Händen. Später wurde 無 für nicht und ohne entliehen. Um die alte Bedeutung Tanz eindeutig zu bewahren, fügte man 舛, zwei Füße, hinzu. So entstand 舞.
Über die Richtung der Füße gehen die Herleitungen auseinander. Sie werden als gekreuzt, voneinander abgewandt oder gleichgerichtet beschrieben. Sicher ist ihre Rolle als Bewegung der Beine. 舞 steht in 舞台, butai, Bühne, 舞踊, buyō, Tanz, und 仕舞, shimai, einer verkürzten Nō-Darbietung ohne Maske und Kostüm.
Die Sehne wird frei
noch bewegt sich ihre Spur
Stille trägt den Tanz
舞 erinnert daran, dass Sammlung nicht reglos sein muss. Eine geübte Bewegung kann klar und lebendig sein, ohne aus Zerstreuung zu kommen. Im Zen zeigt sich das beim Gehen, Verbeugen oder Arbeiten. Der Körper folgt einer Form, bis sie nicht mehr wie eine äußerliche Vorschrift behandelt wird.
Auch das Zen-Wort Mu trägt denselben alten Tänzer in 無. In 舞 kamen ihm zwei Füße hinzu. So berühren sich zwei Bedeutungen, die heute weit auseinanderliegen: das verneinende Mu und der bewegte Tanz.
„Tanz der Bogensehne“ ist der Titel einer Hausseite über meditatives Bogenschießen. Sie stellt den Bogenweg neben Teeweg und Blumenweg: „All diese Formen gründen in der Übung des Zazen, des ‚Zen-Sitzens‘, doch sie wachsen in ihrer Anforderung an den Übenden über diese einfachste Form der Zenübung hinaus. Sie sind Zen in Bewegung“.
Weiter unten, nach dem Vermerk „(Gespräch mit KyuSei)“, stehen dort die Sätze: „Die zweite und vielleicht größte Herausforderung ist die Veränderung des aktiven Tuns in ein passives Geschehenlassen.“ Und: „Wir lassen auch das Loslassen los.“
Der Tänzer in 無 und 舞 gehört zu den alten Bildern der chinesischen Schrift. Erklärt wird er als Tänzer mit Schmuck oder Ochsenschwänzen in den Händen; zwei Erklärungen sehen darin einen Tanz um Regen. Als 無 für nicht gebraucht wurde, erhielt der Tanz mit 舛 ein eigenes Zeichen.
In Japan sagt man auch vom Nō, es werde getanzt, 能を舞う. 舞 kann dort die Bewegung auf der Bühne überhaupt bezeichnen. Das Wort 舞踊, buyō, für Tanz als Kunst kam in der Meiji-Zeit auf.
Was unterscheidet 舞 von 踊?
Traditionell steht 舞 eher für kreisende und gleitende Bewegungen, 踊 eher für Springen. Im heutigen Gebrauch ist diese Grenze nicht immer scharf. Beide können Tanz bedeuten.
Warum steckt 無 in 舞?
無 zeigte ursprünglich einen tanzenden Menschen. Als das Zeichen für nicht oder ohne verwendet wurde, ergänzte man in 舞 die zwei Füße 舛. So blieb die alte Bedeutung Tanz sichtbar.
Zeigen die Füße eine bestimmte Richtung?
Dass 舛 zwei Füße bezeichnet, ist der gemeinsame Kern. Ihre genaue Richtung wird verschieden erklärt. Das Zeichen legt keine einzige räumliche Lesart zwingend fest.
舞 hat in der heutigen japanischen Form fünfzehn Striche, die alte Form vierzehn. Es steht unter dem Kangxi-Radikal 舛, Nummer 136, und ist ein Jōyō-Kanji der Mittelstufe. 角川新字源 ordnet 舞 als 会意形声 ein: 無 gibt Laut und Bedeutung, 舛 kam als Füße hinzu. Das englische Wiktionary betont den Lautanteil von 無; das japanische Wiktionary sieht in 舞 ursprünglich eine Nebenform von 無, deren Füße 舛 ein Zusatz sind, wie ihn Zeichen für Menschen oft tragen. 字通 betont den Regentanz, das 漢語多功能字庫 den Tänzer mit Ochsenschwänzen und die später ergänzten Füße. Die amtliche On-Lesung ist bu, mu steht außerhalb der Jōyō-Tabelle. Die amtlichen Kun-Lesungen sind mau und mai; moteasobu steht außerhalb der Jōyō-Tabelle. Gebräuchliche Wörter sind 舞, mai, Tanz; 舞う, mau, tanzen, wirbeln; 舞台, butai, Bühne; und 舞踊, buyō, Tanz; dazu das Fachwort 仕舞, shimai, verkürzte Nō-Darbietung. Das 精選版 日本国語大辞典 nennt als frühesten Beleg für mai ein Lied des 古事記 (712), dort in Lautzeichen 麻比 geschrieben, und als frühesten Beleg für 舞踊 die Übersetzung 花柳春話 (1878 bis 1879) von Oda Jun’ichirō.
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