Was ist eine Bonshō?
Eine Bonshō (梵鐘, japanisch bonshō) ist eine große buddhistische Tempelglocke, wie sie in Japan im Freien oder in einem Glockenturm hängt. Ihre Bauform entstand in China und gelangte über Korea nach Japan.
Die Glocke hängt mit der Öffnung nach unten. Sie besitzt keinen inneren Klöppel. Angeschlagen wird sie von außen mit einem waagerecht an Seilen hängenden Holzbalken, dem Shumoku (撞木). Er trifft auf ein besonders gestaltetes Schlagfeld, das Tsukiza (撞座).
Wie groß ist eine Bonshō?
Viele Bonshō sind etwa 150 bis 200 Zentimeter hoch und haben einen Durchmesser von ungefähr 60 bis 90 Zentimetern. Das sind Maße verbreiteter Tempelglocken, kein festes Normmaß.
Die Glocken werden gewöhnlich aus Bronze gegossen. Daneben gibt es wenige Eisenglocken. Buddhistische Glocken messen von etwa 20 Zentimetern bis zu zwei Metern im Durchmesser; die größte, im Tōdai-ji in Nara, ist 3,86 Meter hoch und misst 2,71 Meter.
Die Aufhängung am oberen Teil ist oft als Drachenkopf gestaltet, japanisch 竜頭, ryūzu. Der Glockenkörper ist nach unten offen, wird aber nicht zum Schwingen gebracht. Der Schlagbalken bewegt sich gegen die ruhende Glocke.
Wozu dient eine Bonshō?
Der weit tragende Klang gibt Zeiten an und ruft eine Gemeinschaft zusammen. Eine Bonshō kann morgens und abends, vor einer Versammlung oder bei einer Zeremonie erklingen.
Große und kleine Glocken haben dabei verschiedene Aufgaben. Klangschalen und das Inkin begleiten Abläufe im Zendō. Die Bonshō trägt ihr Signal über eine größere Entfernung.
In der Silvesternacht werden japanische Tempelglocken beim Joya no kane (除夜の鐘) 108-mal angeschlagen. Diese Zahl gehört zu diesem Anlass. Sie ist keine allgemeine Schlagzahl für den klösterlichen Tageslauf.
Der Nachhall einer großen Tempelglocke wird in der buddhistischen Überlieferung auch als Bild für die Ausbreitung des Dharma verstanden. Der Klang reicht über die Tempelmauern hinaus und wird so zum hörbaren Zeichen der Lehre.
Woher kommt die Bonshō?
Metallene Tempelglocken dieser Art entstanden in China. Das älteste datierte erhaltene Stück stammt aus dem Jahr 575. Die älteste datierte japanische Glocke wurde 698 gefertigt und befindet sich im Myōshinji in Kyōto.
Das Wort 梵鐘 steht in Japan schon im 懐風藻 von 751. Tempelglocken dienten nicht nur religiösen Versammlungen. Später wurden ähnliche Glocken auch als Zeitzeichen an Höfen, in Provinzverwaltungen, Burgen und Städten verwendet.
Wie wurde die Bonshō in der Altbäckersmühle gebraucht?
Eine Sesshin-Anweisung der Altbäckersmühle vom 20. November 2007 beschreibt den Dienst Shoten. Die betreffende Person war für die Bonshō am Morgen und Abend verantwortlich.
Am Morgen gab der oder die Tenken nach Jundō und den drei Niederwerfungen das Zeichen. Der erste Glockenschlag erfolgte unmittelbar bevor sich der oder die Dōshi zum ersten Zazen setzte. Die Bonshō erklang insgesamt achtzehnmal. Zwischen den Schlägen lagen fünfzig Sekunden, nur der siebzehnte und achtzehnte Schlag folgten unmittelbar aufeinander. Die Folge dauerte dadurch ungefähr vierzehn Minuten und reichte in die erste Sitzperiode hinein.
Am Abend erklang die Bonshō nach der Abendzeremonie und nachdem der oder die Dōshi den Raum verlassen hatte. Vorgesehen waren neun Schläge im Abstand von fünfzig Sekunden. Der achte und neunte Schlag folgten unmittelbar aufeinander.
Diese Zahlen gehören zur Hausordnung von 2007. Sie sind keine allgemeine Regel des Sōtō-Zen.
Was bedeuten die Schriftzeichen?
梵, bon, gibt Sanskrit brahman lautlich wieder. In buddhistischen Zusammensetzungen bezeichnet es etwas Heiliges, Reines oder zum Buddhismus Gehörendes.
鐘, shō, bedeutet Glocke. 梵鐘 bezeichnet die große buddhistische Tempelglocke.
