Was ist das FUKAN ZAZENGI?

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FUKAN ZAZENGI – (普勧坐禅儀)

Das Fukanzazengi („Allgemeine Empfehlung zur Praxis des Zazen“) ist Dōgen Zenjis grundlegender Text zur Zen-Meditation. In klaren Worten beschreibt er, dass Zazen weder ein Mittel zum Zweck noch eine Technik ist, sondern der unmittelbare Ausdruck des Erwachens.

普 (fu) “universell” oder «allgemein”. 勧 (kan) “empfehlen” oder «raten”. 坐 (za) «sitzen”. 禅 (zen) bezieht sich auf “Zen” oder «Meditation”. 儀 (gi) “Zeremonie” oder “Ritus”.

Wenn wir jetzt nach der Wahrheit fragen, [ist die Antwort, dass] sie grundsätzlich überall gegenwärtig ist. Weshalb sollten wir dann auf die Übungspraxis und die Erfahrung angewiesen sein? Das grundlegende Fahrzeug [zur Verwirklichung] existiert aus sich selbst heraus. Warum sollten wir daher große Anstrengungen darauf verwenden? Die ganze Wirklichkeit geht weit über den Staub und Schmutz [der Welt] hinaus. Wer könnte an ein Mittel glauben, sie zu reinigen? Grundsätzlich sind wir nie von unserem Ziel entfernt. Welchen Nutzen hätte da auch nur die geringste Übungspraxis? Und doch, wenn es nur die kleinste [Vorstellung einer] Trennung gibt, ist [die Wahrheit] so weit entfernt wie der Himmel von der Erde. Wenn nur die geringste Gegensätzlichkeit aufkommt, verliert sich der Geist in der Verwirrung. Jemand mag stolz auf sein Verständnis sein, er mag Großes verwirklicht, die Wahrheit erlangt und den Geist geklärt haben, aber selbst wenn er mit seinem Willen bis an den Himmel stößt, hat er den kraftvollen Weg [der Befreiung], der über den Körper hinausgeht, nahezu verloren, solange es ihm noch gefällt, sich im Bereich des Denkens und der Begriffe zu bewegen.

Dies trifft selbst auf den großen Weisen aus Indien zu. Noch [heute] können wir die Spuren der sechs Jahre erkennen, in denen er aufrecht [in Zazen] saß. Und wir hören noch die Geschichte [von Bodhidharma], der neun Jahre vor der Wand saß und im Shôrin-Kloster das Siegel des [Buddha-]Geistes weitergab. Wie könnten wir Menschen heute in unseren Anstrengungen nachlassen, wenn sogar die alten Meister so gehandelt haben? Deshalb solltet ihr aufhören, nach Erklärungen zu suchen, die Schriften zu studieren und Wörtern nachzulaufen. Lernt vielmehr, einen Schritt zurückzutreten, lenkt das Licht [eures Selbst nach innen] und lasst es sich [dort] widerspiegeln. Dann werden Körper und Geist von selbst abfallen und euer ursprüngliches Gesicht wird sich direkt offenbaren. Wenn ihr dies erlangen wollt, praktiziert es sofort.

Für die Übungspraxis des [Za-]Zen ist ein ruhiger Raum geeignet. Esst und trinkt nicht zu viel. Gebt alle Bindungen auf und ruht euch von den Pflichten des Alltags aus. Denkt nicht an Gut und Böse oder an Falsch und Richtig. Hört auf, über die Dinge nachzudenken, und lasst alle Begriffe und Vorstellungen los. Versucht nicht, Buddha zu werden! Wie könntet ihr [Zazen] mit dem [gewöhnlichen] Sitzen oder Liegen vergleichen? 

In der Regel breitet man eine feste Matte aus, wo man sitzen will, und legt auf die Matte ein rundes Sitzkissen. Man kann entweder den vollen oder den halben Lotossitz einnehmen. Im vollen Lotossitz Lotossitz legt man zuerst den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und dann den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Im halben Lotossitz legt man nur den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. 

Kleider und Gürtel sollen locker und doch wohlgeordnet sein. Danach legt man den rechten Handrücken auf den linken Fuß und dann die linke Hand in die rechte Handfläche. Die beiden Daumenspitzen berühren sich. Haltet dann den Körper aufrecht und sitzt gerade so, dass ihr weder nach rechts noch nach links und weder nach vorn noch nach hinten geneigt seid. Es ist wichtig, dass Ohr und Schulter sowie Nase und Nabel eine gerade senkrechte Linie bilden. Die Zunge sollte den oberen Gaumen berühren. Sowohl die Lippen als auch die Zähne liegen an- und aufeinander. Die Augen solltet ihr immer ein wenig offen halten. Atmet leise durch die Nase ein und aus. Wenn sich der Körper in der richtigen Position befindet, atmet einmal tief aus und pendelt zu Anfang nach links und rechts. 

Wenn ihr dann still und unbeweglich sitzt, »denkt aus dem Grund des Nicht-Denkens«. »Wie kann man aus dem Grund des Nicht-Denkens denken? Es ist nicht [wie das gewöhnliche] Denken.« Dies ist die wesentliche Kunst des Zazen. In Zazen zu sitzen bedeutet nicht, Zen-Konzentration zu erlernen. Es ist einzig das Dharma-Tor des Friedens und der Freude. Es ist die Praxis und Erfahrung, in der das Erwachen vollkommen verwirklicht wird.

Die kosmische Ordnung verwirklicht sich [beim Zazen] unmittelbar, ohne das geringste Hindernis und ohne die geringste Einschränkung. Wenn ihr dies wirklich erfasst, werdet ihr wie die Drachen in ihrem Gewässer und wie die Tiger auf ihrem Berg sein. Ihr müsst vor allem wissen, dass Unklarheit und Zerstreuung sofort verschwinden, wenn sich die wahre Wirklichkeit auf natürliche Weise vor euch offenbart.

Wenn ihr euch nach dem Sitzen erhebt, bewegt den Körper langsam und steht ruhig auf. Seid ohne Hast. Seit längst vergangenen Zeiten haben sich die Alten der Kraft dieser Praxis anvertraut. Sie gingen weit über »Gewöhnliches« und »Heiliges« hinaus und starben, während sie saßen oder standen. Außerdem könnt ihr nicht mit dem Denken und Unterscheiden erfassen, wie sich das Erwachen in einem Augenblick durch das stumme Hochhalten eines Fingers, durch [das Fallen] eines Mastes, einer Nadel oder [durch das Lehren des Dharma] mit Hilfe eines Holzblockes ereignet. Dasselbe gilt für die Erfahrung des Einklangs [mit Buddha] durch das Hochhalten eines Kotzu, einer Faust oder [durch das Ausstoßen] eines Schreis. Wie könntet ihr dies durch die Praxis und Erfahrung wunderbarer Kräfte verstehen? 

Das würdevolle Verhalten [der Meister] mag jenseits von Klang und Form sein. Wie könnte es nicht ganz andere Maßstäbe geben, die vor dem [unterscheidenden] Wissen und der Wahrnehmung existieren? Deshalb solltet ihr nicht sagen, dass Wissen hervorragend und Dummheit minderwertig sei, und nicht zwischen intelligenten und beschränkten Menschen unterscheiden. Vielmehr solltet ihr eure Anstrengungen einzig [auf Zazen] richten, denn dies ist wirklich das Bemühen um die Wahrheit. Diese Praxis und Erfahrung ist auf natürliche Weise rein und euer Tun wird ausgeglichen und stetig sein.

Im Allgemeinen haben [die Vorfahren im Dharma] dieser Welt und anderer Sphären, sowohl in Indien als auch in China, gleichermaßen die Buddha-Haltung bewahrt und legten ihren Schwerpunkt einzig auf diese Tradition unserer Schule. Sie haben allein das Sitzen praktiziert und wurden von der Stille angezogen. Deshalb solltet ihr ausschließlich Zazen üben und euch um die Wahrheit bemühen, selbst wenn es [in dieser Welt] unendlich viele Unterscheidungen und Verschiedenheiten gibt. Weshalb solltet ihr euren Sitz im eigenen Haus ablehnen, um ziellos in den staubigen Gegenden fremder Länder umherzuirren? Wenn ihr einen einzigen falschen Schritt tut, geht der jetzige Augenblick an euch vorbei.

Habt ihr nicht euren menschlichen Körper als das wesentliche [Werkzeug] empfangen? Verschwendet nicht eure Zeit! Bewahrt und behütet den Kern der Buddha-Wahrheit. Wer wollte da flüchtige Freuden genießen, die wie Funken vom Feuerstein springen? Nicht nur, dass euer Körper wie ein Tautropfen auf einem Grashalm ist. Das Leben gleicht einem aufblitzenden Lichtstrahl. Plötzlich ist es verschwunden und verloren in einem Augenblick. Deshalb bitte ich euch, edle Gefährten, die ihr [die Wahrheit] durch die Erfahrung erforscht: Erschreckt nicht vor dem wahren Drachen, weil ihr euch an seine Abbilder gewöhnt habt. Richtet eure Anstrengungen auf den Weg, der direkt zugänglich und unkompliziert ist. Verehrt die Menschen, die aufgehört haben, [nur] zu studieren, und die nichts mehr suchen [weil sie alles haben]. Lebt im Einklang mit der Wahrheit der Buddhas und werdet wahrhaftige Nachfolger des Samâdhi der großen Meister. Wenn ihr dies lange genug praktiziert, werdet ihr es sicherlich selbst [erlangen]. Dann wird sich die Schatzkammer des Dharma auf natürliche Weise öffnen und ihr werdet [seine Schätze] empfangen und benutzen können, so wie es euch gefällt.

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