
Japanisch Bodaidaruma
Bodhidharma, Daruma
Früher Chan-Mönch, in der Zen-Überlieferung erster Vorfahr in China.

Japanisch Bodaidaruma
Bodhidharma, Daruma
Früher Chan-Mönch, in der Zen-Überlieferung erster Vorfahr in China.
Je weniger wir über einen Menschen sicher wissen, desto leichter wird sein Bild vollkommen. 菩提達磨 (bodaidaruma) ist die japanische Schreibung des Namens Bodhidharma. Die Zen-Überlieferung nennt ihn den ersten Vorfahren in China. Von der frühen Gestalt sind nur wenige Spuren greifbar, spätere Jahrhunderte fügten ihr Erzählungen hinzu.
菩提 gibt den Klang des Sanskritworts bodhi, Erwachen, wieder. 達磨 gibt den Klang von dharma wieder. Die Zeichen wurden also wegen ihrer Laute gewählt. Gras, hochheben, durchdringen und schleifen ergeben keine verborgene Beschreibung des Menschen.
Die lange Namensform trägt dennoch eine Bewegung. Bodhi und Dharma verbinden Erwachen und Lehre. Die japanische Kurzform 達磨 (daruma) wurde zugleich zum Namen der runden Stehaufpuppe. So wohnen in denselben Zeichen ein kaum greifbarer Mönch, eine große Überlieferungsfigur und ein Gegenstand des Alltags.
Vor der weißen Wand
wächst um den schweigenden Mann
ein Wald aus Geschichten
Bodhidharma steht in der traditionellen Genealogie als erster Vorfahr des Chan in China. In einer frühen Biografiensammlung erscheint er als Übender der Versenkung, der das Laṅkāvatāra-Sutra verbreitete. Spätere Zen-Geschichten erzählen von seiner Begegnung mit Kaiser Wu, von Huike im Schnee und vom langen Sitzen vor einer Wand.
Diese Erzählungen sind nicht wertlos, weil sie historisch später auftreten. Sie wurden zu Formen, in denen Zen nach Verdienst, Wissen, Entschlossenheit und unmittelbarer Einsicht fragt. Aber eine Erzählung soll als Überlieferung kenntlich bleiben. Aus ihrem Sinn folgt kein Beweis, dass jedes Ereignis so geschehen ist.
Der Essay Offene Weite, nichts von heilig erzählt Bodhidharmas Begegnung mit Kaiser Wu nach dem Bi-Yän-Lu, Fall 1. Der Essay sagt: „In unserer Soto-Tradition ist dieser erste Fall des Bi-Yän-Lu Teil der Shuso-Zeremonie am Ende einer Praxisperiode.“ Die Seite Tor nennt denselben Zusammenhang. Der Eintrag Was ist Zen? trennt die traditionelle Genealogie von einer historisch lückenlos beweisbaren Abfolge.
Ein Mönch namens Bodhidharma aus den westlichen Ländern erscheint im 洛陽伽藍記 (Rakuyō garanki), einer Aufzeichnung über die Klöster Luoyangs von 547, und bewundert dort den Tempel Yongning. In einer Biografiensammlung des siebten Jahrhunderts erscheint Huike als sein Schüler. Die Reise über das Meer im Jahr 520, der achtundzwanzigste Patriarch, die Begegnung mit Kaiser Wu, neun Jahre vor der Wand sowie die Geschichten von Kung-Fu und Tee gehören zu späteren Schichten der Überlieferung.
Darum ist 520 kein sicheres Ankunftsjahr. Es erscheint in einer Lampenchronik von 1004 und bezeichnet zugleich den Beginn der Ära Putong. In älteren Berichten stehen andere Zeiten. Seine Lebensdaten bleiben unbekannt.
Kam Bodhidharma im Jahr 520 nach China?
Das Jahr 520 gehört zu einer späteren Überlieferung. Frühere und spätere Berichte nennen verschiedene Zeiträume. Historisch sicher ist dieses genaue Ankunftsjahr nicht.
Saß Bodhidharma neun Jahre vor einer Wand?
So erzählt es die Zen-Überlieferung. Die genau ausgeformte Geschichte erscheint erst viele Jahrhunderte nach seiner vermuteten Lebenszeit. Sie ist eine Lehrgeschichte, kein zeitgenössischer Bericht.
Hat Bodhidharma Kung-Fu und Tee erfunden?
Nein. Davon spricht kein früher Bericht. Die Verbindung mit der Kampfkunst wurde durch Schriften und Erzählungen des siebzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts verbreitet. Die Geschichte von den Augenlidern und dem Tee ist ebenfalls eine spätere Legende.
菩 hat elf Striche und steht unter 艸, Kangxi-Radikal 140; es ist kein Jōyō-Kanji, aber für Namen zugelassen, und wird für Lautübertragungen aus dem Sanskrit gebraucht. 提 hat zwölf Striche, steht unter 手, Kangxi-Radikal 64, und wird in der fünften Klasse gelernt; im Namen trägt es die außerhalb der amtlichen Liste liegende Lesung dai. 達 hat zwölf Striche, steht unter 辵, Kangxi-Radikal 162, und wird in der vierten Klasse gelernt; 辵 ist Bedeutungsteil, Lautteil ist nach dem 角川新字源, dem englischen Wiktionary und dem Shuowen 羍, in der Orakelknochenschrift nach dem 漢語多功能字庫 大. Die alte japanische Form hat am Radikal zwei Punkte und dreizehn Striche; die vereinfachte chinesische Form ist 达. 磨 hat sechzehn Striche, steht unter 石, Kangxi-Radikal 112, und ist ein Jōyō-Kanji der Mittelstufe; es verbindet Stein mit einem Lautteil, nach dem 角川新字源 麻, nach dem englischen Wiktionary einem gekürzten 靡; Grundsinn ist nach dem 角川新字源 der Mühlstein, daraus das Schleifen. Früher schrieb man auch im Japanischen 達摩. Im Chinesischen ist 菩提達摩, kurz 達摩, vereinfacht 达摩, die übliche Form; im Japanischen sind 菩提達磨 und die Kurzform 達磨 üblich. Wortlesung ist bodaidaruma, Kurzform daruma; daru ist im Namen eine unregelmäßige Lesung von 達. Lesungen sind bei 菩 On bo und ho, ohne Kun-Lesung; bei 提 On tei sowie außerhalb der amtlichen Liste dai und chō, Kun sageru sowie außerhalb der Liste hissageru und hisage; bei 達 On tatsu sowie außerhalb der Liste dachi und tachi, dazu da, Kun außerhalb der Liste tooru, todoku, tachi und tashi; bei 磨 On ma sowie außerhalb der Liste ba, Kun migaku sowie außerhalb der Liste togu und suru. Fachwörter sind 面壁 (menpeki), Sitzen vor einer Wand, 達磨忌 (darumaki), Bodhidharma-Gedenktag am 5. Oktober, und 達磨 (daruma), auch die Stehaufpuppe.
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Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 195 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.
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