Kanji 半跏趺坐 (Halber Lotossitz) in Pinselschrift
半跏趺坐

Japanisch  Hankafuza
Aussprache  etwa han-ka-fu-dsa

Halber Lotossitz

Ein Fuß ruht oben. Die Form gibt Halt, ohne den Körper zu zwingen.

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Was ist das Kanji für den halben Lotossitz?

Nicht jede aufrechte Haltung muss vollkommen symmetrisch sein. 半跏趺坐 (hankafuza) ist das Kanji für den halben Lotossitz: Ein Fuß ruht auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel, der andere bleibt darunter. Die Haltung darf Halt geben, aber sie darf den Körper nicht zwingen.

Das Zeichen

Vier Zeichen bauen diesen Sitz auf. 半 teilt etwas in zwei Hälften. In 跏 und 趺 steht jeweils der Fuß links im Bild. 坐 schließt die Folge mit dem Sitzen ab. Schon das Schriftbild scheint sein Gewicht zu senken.

Die beiden mittleren Zeichen sind selten. Ihre vielen Linien sammeln sich dicht um den Fuß. Davor bleibt 半 fast luftig, danach ruht 坐 breit auf der Erde. So entsteht kein Bild von Vollkommenheit. Es entsteht ein Bild von genügend Halt.

Haiku

Ein Fuß ruht oben
der Atem sucht keine Form
der Boden trägt schon

Im Zen

Beim halben Lotossitz liegt nur ein Fuß auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel. Die Beine werden also nicht vollständig verschränkt. Eine feste Seite ist nicht überall vorgeschrieben. Bei Dōgen liegt der linke Fuß oben; in einer heutigen Beschreibung der Sōtōshū ist keine Seite festgelegt.

Entscheidend ist nicht, eine alte Form um jeden Preis nachzubauen. Der Sitz soll stabil, aufrecht und wach sein. Schmerz, Taubheit oder ein verdrehtes Knie sind keine Zeichen besonderer Hingabe. Wer die Haltung wechselt, verlässt damit nicht die Übung.

Auch der halbe Lotossitz ist nicht für jeden Körper leicht. Beweglichkeit, Hüften und Knie sind verschieden. Ein Kissen, eine Bank oder ein Stuhl können die ehrlichere Form sein. Übung beginnt dort, wo der Körper tatsächlich ist.

In der Altbäckersmühle

In der Altbäckersmühle ist im Zendō bei Bedarf auch ein Stuhl möglich. Niemand erwartet auf Anhieb eine perfekte Form. Zum Zazen auf dem Stuhl steht mehr beim Sitzen.

Auf der Seite Lotossitz steht der halbe neben dem vollen Lotossitz: „Beide Formen gelten als besonders stabile Haltungen für langes Sitzen.“ Dort steht auch: „Nicht jeder Körper kann sie sicher einnehmen.“

Überlieferung

Im japanischen Zazen spricht man seit Jahrhunderten von hankafuza. Bei Dōgen findet man den halben Lotossitz im Kapitel Zazengi des Shōbōgenzō. Dort liegt der linke Fuß auf dem rechten Oberschenkel. In anderen Beschreibungen liegt nur ein Fuß auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel, ohne feste Seite.

Im heutigen Sōtō sitzt man oft so beim Zazen und auch bei Feiern auf Tatami, besonders wenn der volle Lotossitz zu schwer ist. Die Namen für verschiedene Fußfolgen sind schon beim vollen Lotossitz nicht einheitlich. Auch für den halben Sitz gibt es keine überall gültige Regel.

Häufige Fragen

Muss beim halben Lotossitz der linke Fuß oben liegen?

Bei Dōgen liegt im Zazengi der linke Fuß oben. In anderen Beschreibungen ist keine Seite festgelegt. Wichtiger als eine allgemeine Regel ist eine stabile Haltung ohne Gewalt gegen Knie und Hüfte.

Ist der halbe Lotossitz für alle geeignet?

Nein. Er kann leichter sein als der volle Lotossitz, ist aber nicht für jeden Körper sicher. Je nach Körper passen Bank, Fersensitz, burmesischer Sitz oder Stuhl besser.

Wie liegen die Füße genau?

Ein Fuß liegt auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel, der andere darunter. Manche beschreiben den halben Lotossitz als zwei übereinandergelegte Füße. Bei Dōgen und im heutigen Sōtō liegt dagegen ein Fuß auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel.

Für Expert:innen

半 hat fünf Striche und steht unter 十, Kangxi-Radikal 24. Es ist ein Jōyō-Kanji der zweiten Klasse. Nach Kanjipedia und dem japanischen Wiktionary gibt es als alte Form (旧字) eine ältere Druckform desselben Zeichens, oben mit ハ statt 丷. Nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist 半 eine Bedeutungsverbindung aus 八, teilen, und 牛, Rind. On han, Kun nakaba; nur im englischen Wiktionary steht dazu die Kun-Lesung wakatsu, nur im japanischen ha. 跏 hat zwölf Striche, 趺 elf. Beide stehen unter 足, Kangxi-Radikal 157, und gehören nicht zu den Jōyō-Kanji; ihre Lesungen stehen darum alle außerhalb der amtlichen Liste. Nach dem englischen und dem japanischen Wiktionary trägt bei beiden 足 die Bedeutung, bei 跏 gibt 加 den Laut, bei 趺 夫. 跏: On ka, Kun agura; die Go-Lesung ke steht nur im japanischen Wiktionary. 趺: On fu, nach Jisho auch shi, Kun ashi, agura, utena. Nach dem 普及版 字通 ist 趺 eine Nebenform von 跗, mit 付 als Lautteil. 坐 hat sieben Striche und steht unter 土, Kangxi-Radikal 32. Es ist kein Jōyō-Kanji, aber für Namen zugelassen; nach Kanjipedia schreibt man ersatzweise 座. Zur Herkunft stehen drei Herleitungen nebeneinander: nach 角川新字源 zwei Menschen, die sich auf der Erde gegenübersitzen; nach dem englischen Wiktionary eine Bedeutungsverbindung aus 留, verweilen, und 土, Erde; nach dem japanischen Wiktionary ein kniender Mensch auf einer Matte. Alte Form nach dem japanischen Wiktionary: 㘸. 坐: On za, nach Jisho und dem japanischen Wiktionary auch sa; Kun suwaru, inagara, sozoroni, imasu, owasu, mashimasu, alle außerhalb der amtlichen Liste.

Gebräuchlich sind 半分, hanbun, Hälfte, 半ば, nakaba, Mitte, 半年, hantoshi oder hannen, ein halbes Jahr, sowie 坐禅, zazen, sitzende Versenkung, heute meist mit dem Ersatzzeichen als 座禅 geschrieben. Erstbeleg von 半跏趺坐 nach dem 精選版 日本国語大辞典: Dōgen, Shōbōgenzō, Kapitel Zazengi (Werk 1231 bis 1253). Daneben schreibt man auch 半跏趺座. Nur im japanischen Wiktionary ist der halbe Lotossitz eine Sitzweise, bei der die Beine nicht verschränkt, sondern beide Füße übereinandergelegt werden.

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