Kanji 叉手 (Shashu) in Pinselschrift
叉手

Japanisch  Shashu
Aussprache  etwa scha-schu

Hände vor der Brust

Die Hände ruhen vor der Brust. Eine kleine Form sammelt den ganzen Körper.

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Was ist Shashu?

Auch Hände können zeigen, dass ein Mensch gesammelt ist. 叉手 (shashu) ist das Kanji für eine Handhaltung vor der Brust, die im Zen das Stehen und Gehen begleitet. Ihre genaue Form wird verschieden beschrieben.

Das Zeichen

叉 ist klein und gespannt. In einer alten Erklärung sind es Finger, die sich kreuzen, in einer anderen ein Fingernagel zwischen den Fingern. 手 daneben ist die geöffnete Hand. Beide Bilder bringen Nähe und Unterschied zusammen.

In der Pinselschrift wirkt 叉 wie eine Bewegung, die sich sammelt. 手 antwortet mit vier klaren Linien. Nichts wird festgehalten. Die Hände bekommen nur einen Ort, an dem sie ruhen können.

Haiku

Schritt hinter Schritt
die Hände ruhen vor dem Herz
kein Weg läuft voraus

Im Zen

In der heutigen Sōtō-Form schließt die linke Faust den linken Daumen ein. Die rechte Handfläche bedeckt die Faust. Beide Hände liegen leicht vor der Brust, die Ellbogen öffnen sich zur Seite.

Beim langsamen Gehen zwischen zwei Sitzperioden, dem Kinhin, begleitet Shashu jeden Schritt. Auch beim Stehen ist diese Haltung möglich. Im Sitzen liegen die Hände in der Meditationshaltung; zur Verbeugung legt man sie meist mit offenen Handflächen in Gasshō aneinander. Jede dieser Handhaltungen hat ihren eigenen Ort.

Es gibt auch andere Beschreibungen: die rechte Faust innen und die linke Hand darüber, oder umgekehrt, oder beide Handflächen zusammengelegt.

In der Altbäckersmühle

In der Altbäckersmühle begleitet Shashu das Stehen, das Gehen und das Kinhin. Im Eintrag Gasshō steht zur Haltung der Hände: „Bei Shashu liegt der linke Daumen in der linken Faust. Die rechte Hand bedeckt die Faust.“

Im Zazen liegt in der Mühle die rechte Hand unten und die linke darauf; mehr dazu bei der Dhyāna-Mudrā. Die Formen der Mühle gehen auf Kobun Chino Otogawa zurück, der sie in Tassajara einführte; über Vanja Palmers kamen sie in die Mühle. Mehr dazu auf der Seite Unsere Tradition.

Überlieferung

Im Chinesischen ist mit chāshǒu, einem Wort der Schriftsprache, eine respektvolle Geste mit verschränkten Händen vor der Brust gemeint. Im Japanischen gibt es für 叉手 weitere Lesungen und Bedeutungen. Liest man es sashu oder sasu, sind auch verschränkte Arme, Untätigsein oder eine Bauform im Dach gemeint.

Dōgen verwendet das Wort im Kapitel Senjō des Shōbōgenzō. Im 禅苑清規 findet man es im Abschnitt 赴茶湯, dem Gang zu Tee und Suppe. Die heutige Handhaltung im Einzelnen kennt man aus der Anleitung der Sōtōshū, nicht aus diesen alten Stellen.

Häufige Fragen

Ist Shashu dasselbe wie Gasshō?

Nein. Bei Gasshō liegen die offenen Handflächen aneinander. Bei Shashu umfasst in der Sōtō-Form die linke Faust den Daumen, die rechte Hand bedeckt sie.

Warum liegt in Anleitungen mal die eine, mal die andere Hand außen?

Weil es verschiedene Beschreibungen gibt. In der heutigen Sōtō-Form liegt die rechte Hand über der linken Faust. Daneben stehen auch die umgekehrte Folge oder zusammengelegte Handflächen.

Liest man 叉手 immer shashu?

Nein. Im heutigen Zen liest man meist shashu. Unter sashu und sasu findet man daneben andere Bedeutungen, etwa verschränkte Arme oder eine Bauform im Dach.

Für Expert:innen

叉 hat drei Striche und steht unter 又, Kangxi-Radikal 29. Es ist kein Jōyō-Kanji, aber für Namen zugelassen. Nach 角川新字源 zeigt die Form verschränkte Finger. Nach dem japanischen Wiktionary und dem 普及版 字通 zeigt sie einen Fingernagel zwischen den Fingern; im 普及版 字通 steht dazu die Erklärung des Shuowen, die Finger griffen ineinander. Nach dem englischen Wiktionary ist 叉 eine Bedeutungsverbindung aus 又 und einem Punkt. Nebenformen: 义 nach dem englischen Wiktionary, für einen Teil der Bedeutungen 扠 nach Kanjipedia. 叉: On sa und sha, nach Jisho auch sai; Kun mata, sasu, komanuku, komaneku; alle außerhalb der amtlichen Liste. Nur im japanischen Wiktionary stehen dazu chā und wakareru. 手 hat vier Striche, ist selbst Kangxi-Radikal 64 und wird in der ersten Klasse gelernt. Nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary ist 手 ein Bildzeichen der Hand; alte Formen nach dem englischen Wiktionary: 𠂿 und 𡴤. 手: On shu, außerhalb der amtlichen Liste zu; Kun te, ta erst in der Mittelstufe. Nur im englischen Wiktionary steht die Go-Lesung su, im englischen und im japanischen die Kan-Lesung shū.

Gebräuchlich sind 手紙, tegami, Brief, und 交差 oder 交叉, kōsa, Kreuzung. Bei Jisho ohne Häufigkeitsmarke: 合掌, gasshō, aneinandergelegte Handflächen, und 拱手, kyōshu oder kōshu, verschränkte Hände oder untätiges Zusehen. Erstbeleg für die buddhistische Bedeutung von 叉手 (しゃしゅ ②) nach dem 精選版 日本国語大辞典: Dōgen, Shōbōgenzō, Kapitel Senjō (Werk 1231 bis 1253); für sashu nach demselben Wörterbuch schon das 菅家後集 (um 903). Fundort im 禅苑清規: Abschnitt 赴茶湯 (卍新纂大日本續藏經 Bd. 63, Nr. 1245). Bei Kanjipedia stehen nur sasu und sashu, bei Jisho kein Worteintrag; im englischen Wiktionary steht nur der chinesische Eintrag, im japanischen keine Lesung shashu.

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Das Glossar der Mühle

Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 219 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.

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