
Japanisch Anjin
Aussprache etwa an-dschin
Herzensfrieden
Im Alltag anshin, Beruhigung. Im Buddhismus anjin, die Ruhe eines gefestigten Herzens.

Japanisch Anjin
Aussprache etwa an-dschin
Herzensfrieden
Im Alltag anshin, Beruhigung. Im Buddhismus anjin, die Ruhe eines gefestigten Herzens.
Es gibt eine Ruhe, die nur so lange hält, wie nichts schiefgeht. 安心 (anjin, im Alltag anshin) ist das Kanji für Herzensfrieden. In der buddhistischen Lesung ist ein Herz gemeint, das zur Ruhe gekommen ist und nicht mehr schwankt.
Ein Dach, eine ruhende Gestalt und das Herz: So steht 安心 da. 安 breitet oben ein Dach aus. Darunter sitzt eine kleine Gestalt. 心 liegt daneben wie ein Herz mit drei Tropfen, offen und nicht eingesperrt.
Das Dach schützt, doch es schließt nicht alles aus. Das Herz bleibt sichtbar. Ruhe entsteht hier nicht in einem leeren Raum, sondern mitten in einer bewohnten Form.
Regen auf dem Dach
darunter sitzt jemand still
und das Herz hört zu
Beim Sitzen zeigt sich, wie viel in einem Herzen los ist: ein Plan, ein Ärger, eine Melodie. Herzensfrieden verlangt nicht, dass all das verschwindet. Man kann anjin als ein Herz lesen, das seine Mitte auch in der Bewegung nicht verliert.
Das ist mehr als Entspannung. Schmerz und Unruhe können wahrgenommen werden, ohne sofort ein festes Selbstbild zu erzeugen. Man erzählt sich in der Zen-Überlieferung von einem Gespräch, in dem Huike Bodhidharma um Ruhe für sein Herz bittet.
Auf der Seite Zen findet man „Herzensfrieden“ im letzten Satz eines Zitats von Bruder David Steindl-Rast über Zen. Bruder David Steindl-Rast spannt darin den Bogen von einer gewöhnlichen Mahlzeit bis zum Lebensende. Auf der Seite Bodhidharma steht: „In einer Biografiensammlung des siebten Jahrhunderts erscheint Huike als sein Schüler.“ Auf der Seite Herz steht 心 zugleich für Herz und Geist.
Woher 安心 kommt, wird verschieden erklärt: aus dem konfuzianischen Ausdruck 安心立命 oder als buddhistisches Wort, zu dem nur 立命 aus dem Konfuzianismus kam. Den frühesten buddhistischen Gebrauch verortet man in der Biografie Bodhidharmas in den Fortgesetzten Biografien bedeutender Mönche aus der Mitte des siebten Jahrhunderts. Bei den Erzählungen über Huike muss man mit starker Legendenbildung rechnen. Im Mumonkan steht über Fall 41 der Titel 達磨安心. In den Schulen des Reinen Landes ist mit anjin das Herz gemeint, das auf Amida vertraut und die Geburt im Reinen Land wünscht.
Liest man 安心 anshin oder anjin?
Im Alltag liest man es anshin, und gemeint sind Beruhigung oder Sicherheit. Als buddhistischen Ausdruck liest man es anjin. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war diese Lesung weit verbreitet.
Ist Herzensfrieden dasselbe wie Entspannung?
Entspannung kann hilfreich sein, doch anjin reicht weiter. Gemeint ist eine Ruhe, die Gefühle wahrnimmt, ohne von jedem Ausschlag fortgetragen zu werden.
Zeigt 安 eine Frau unter dem Dach?
Das ist die herkömmliche Erklärung: eine Frau im Haus, die zur Ruhe kommt. In neueren Deutungen der frühesten Formen ist ein kniender Mensch zu sehen, dessen Gesäß auf den Fersen oder auf einer Unterlage ruht.
安 hat sechs Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 40, 宀, wird in der dritten Klasse gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4. Eine alte Form und eine abweichende chinesische Kurzform gibt es nicht; Nebenformen sind 𠕷, 𡚴 und 𭑨 (englisches und japanisches Wiktionary) und 侒 (englisches Wiktionary). Nach 角川新字源 und dem 普及版 字通 ist es eine Bedeutungsverbindung aus 宀 und 女, mit unterschiedlichen Deutungen der Szene, nach dem englischen Wiktionary ein Laut-Bedeutungs-Zeichen mit einer sitzenden Gestalt als Lautteil; nach dem japanischen Wiktionary und dem 漢語多功能字庫 zeigt die frühe Gestalt einen tief sitzenden Menschen. On an, Kun yasui, außerhalb der amtlichen Liste yasunjiru und izukunzo. 心 hat vier Striche, ist selbst das Kangxi-Radikal 61, wird in der zweiten Klasse gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4. Nach 角川新字源 ist es ein Bildzeichen nach der Form des Herzens. On shin, Kun kokoro, außerhalb der amtlichen Liste ura. Im Alltag wird 安心 anshin gelesen, buddhistisch anjin. Im 精選版 日本国語大辞典 stehen als frühe Beispiele das 大応国師法語 um 1308 für anjin und das 玉塵抄 von 1563 für anshin. Gebräuchlich sind 安心 anshin, Beruhigung, 安全 anzen, Sicherheit, 不安 fuan, Unruhe, und 安定 antei, Stabilität. Anjin und 安心立命 stehen bei Jisho nicht als gebräuchlich. Woher das Wort kommt, steht in den Nachschlagewerken verschieden: nach dem 精選版 日本国語大辞典 und dem 世界大百科事典 aus 安心立命, nach dem 日本大百科全書 und der ブリタニカ ist 安心 buddhistisch und nur 立命 konfuzianisch.
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