Kanji 休 (Ruhe) in Pinselschrift
休

Japanisch  kyū oder yasumu, je nach Wort
Aussprache  etwa kjuu oder ya-su-mu, scharfes s wie in Bus

ruhen, rasten, aufhören

Ruhen, rasten, aufhören. Ein Mensch lehnt am Baum.

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Was ist das Kanji für Ruhe?

Ruhe ist nichts, was man sich verdienen muss. 休 (kyū, yasumu) ist das Kanji für Ruhe: ruhen, rasten und aufhören. Seine vertraute Form stellt einen Menschen neben einen Baum.

Das Zeichen

Links steht 亻, der Mensch, rechts 木, der Baum. Die alte und bis heute verbreitete Lesart sieht einen Menschen, der im Schutz oder Schatten eines Baumes ruht. Eine andere Deutung versteht 木 als Pfosten am Tor eines Heerlagers, vor dem Verdienste geehrt wurden, und sieht als frühe Bedeutung Ehre und Segen. Das anschauliche Bild vom Baum trägt, ohne die einzige mögliche Herleitung zu sein.

休む, yasumu, heißt sich ausruhen, fehlen oder eine Pause machen. 休み, yasumi, ist die Pause oder der freie Tag. In 休息, kyūsoku, steckt die Rast, in 休日, kyūjitsu, der Ruhetag, in 休憩, kyūkei, die Pause. Das Zeichen kann eine Tätigkeit unterbrechen, nicht nur Schlaf bezeichnen.

Haiku

Schatten unter Laub
niemand zählt die Atemzüge
der Tag ruht mit aus

Im Zen

Auch Zen kann zu einer Leistung werden, wenn Sitzen, Wachheit und Disziplin nur noch Punkte auf einer inneren Liste sind. 休 erinnert daran, dass Unterbrechung zur Übung gehört. Wer niemals ruht, begegnet irgendwann nicht mehr der Wirklichkeit, sondern nur noch seiner Erschöpfung.

Ruhe heißt nicht, dass alles stillstehen muss. Im Zazen kann der Atem ruhig werden, während Geräusche kommen und gehen. Auch Kinhin, das Gehen zwischen den Sitzperioden, ist Bewegung ohne Eile. Ruhe ist dann kein Zustand, den man erzwingt, sondern ein Raum, in dem nichts sofort gelöst werden muss.

In der Altbäckersmühle

Auf der Seite Körpererfahrung steht 休 über dem Bereich Regeneration. Dort heißt es: „Unsere Retreats zur Regeneration richten sich an Menschen, die spüren, dass es Zeit ist, innezuhalten.“

Der Essay Ruhe. Du musst sie nicht verdienen. sagt: „Müdigkeit ist keine moralische Schwäche. Sie ist eine Nachricht.“ Dort heißt es auch: „Ruhe ist keine Belohnung, sie ist Grundlage: Wie Schlaf und Essen gehört sie zu dem, was ein Leben trägt.“ Im Sesshin, den mehrtägigen Zeiten der Stille, gehört sie zum Rhythmus des Tages: sitzen, gehen, arbeiten, essen, ruhen. „Nichts davon ist Belohnung für etwas anderes.“

Überlieferung

Im alten China trug 休 neben Ausruhen auch Bedeutungen wie Segen, Glück und Gutes. Dōgen gebraucht 休息 im Kapitel Zazengi seines Hauptwerks Shōbōgenzō, der Anleitung zum Sitzen, für das Aufhören und Zur-Ruhe-Kommen.

Auch der Name des Zen-Mönchs Ikkyū Sōjun aus der Rinzai-Schule trägt das Zeichen: 一休, eine kurze Rast. Ikkyū lebte von 1394 bis 1481. Sein Lehrer Kasō Sōdon gab ihm den Namen; gedeutet wird er als kurze Rast zwischen den Leidenschaften und dem Erwachen. Erzählt wird von Ikkyū auch in späteren Erzählbüchern, etwa dem Ikkyū-banashi (一休咄) von 1668.

Häufige Fragen

Zeigt 休 wirklich einen Menschen am Baum?

Diese Deutung ist alt und weit verbreitet. Eine zweite Lesart sieht dagegen in 木 einen Pfosten und in 休 zunächst Segen und Ehre. Der Baum bleibt ein tragfähiges Bild, aber keine unangefochtene Gewissheit.

Was ist der Unterschied zwischen 休 und 静?

Beide lassen sich mit Ruhe übersetzen, aber nicht gleich. 休 ist die Ruhe der Rast: ausruhen, eine Pause machen, aufhören. 静, das Zeichen der Stille, meint die Ruhe des Unbewegten: still sein, unbewegt sein, sich beruhigen. Ruhe und Stille können einander berühren, sind aber nicht dasselbe.

Bedeutet 休む nur ausruhen?

Nein. 休む kann auch fehlen, einen freien Tag nehmen, eine Tätigkeit einstellen oder zu Bett gehen heißen. Das Zeichen trägt das Aufhören ebenso wie das Ausruhen.

Für Expert:innen

休 hat sechs Striche und steht unter dem Kangxi-Radikal 人, Nummer 9, in der Form 亻. Es ist ein Jōyō-Kanji der ersten Grundschulklasse; eine alte Form und eine chinesische Kurzform sind nicht verzeichnet. 角川新字源 und das 漢語多功能字庫 ordnen 休 als Bedeutungsverbindung aus Mensch und Baum ein; das englische Wiktionary liest ebenso einen Menschen, der sich an einen Baum lehnt. 字通 widerspricht: 木 sei ursprünglich ein Pfosten am Tor eines Heerlagers gewesen, 休 die Ehrung für Verdienste davor; daraus die Bedeutungen gut und Segen, erst später Rast. Die amtliche On-Lesung ist kyū. Die amtlichen Kun-Lesungen sind yasumu, yasumaru und yasumeru; ikou, yameru, saiwai und yoi stehen außerhalb der Jōyō-Tabelle. Gebräuchliche Wörter sind 休む, yasumu, ruhen, fehlen; 休み, yasumi, Pause, freier Tag; 休息, kyūsoku, Rast; 休日, kyūjitsu, Ruhetag; und 休憩, kyūkei, Pause. Das 精選版 日本国語大辞典 nennt für 休息 im Sinn der Rast als frühesten japanischen Beleg das 続日本紀 (Eintrag zum Jahr 783), im Sinn von Aufhören Dōgens Shōbōgenzō, Kapitel Zazengi.

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