Glossar

Was ist Gasshō?

Gasshō (合掌) ist die Geste der aneinandergelegten Handflächen. Sie drückt im Buddhismus Verehrung, Respekt, Gruß oder Bitte aus und begleitet im Zen Verbeugungen, Rezitationen und Übergänge im Übungsraum.

Woher kommt die Geste?

合掌 übersetzt das Sanskritwort añjali. Dieses bezeichnet zunächst die leicht gehöhlten, zusammengelegten Hände, mit denen etwas dargereicht oder empfangen werden kann. Die Geste war schon im alten Indien eine Form des Grußes und der Verehrung und wurde in den Buddhismus aufgenommen.

Im Buddhismus gilt sie zuerst der Verehrung der Buddhas und Bodhisattvas; unter Buddhist:innen dient sie auch als Gruß im Alltag und drückt Achtung oder Dank aus.

Im esoterischen Buddhismus gehören zwölf Formen der zusammengelegten Hände zu den Grundformen der Mudras. Im Zen meint Gasshō gewöhnlich die klare Form mit aneinanderliegenden Handflächen und nach oben gerichteten Fingern.

Wie wird Gasshō ausgeführt?

Die Handflächen und Finger liegen aneinander. Die Finger zeigen nach oben. Die Arme haben etwas Abstand von der Brust, die Ellbogen zeigen seitlich nach außen.

Im Sōtō befinden sich die Fingerspitzen ungefähr auf Höhe der Nase. In Tassajara stehen die Hände etwa eine Faustbreite vor dem Gesicht, ebenfalls mit den Fingerspitzen auf Nasenhöhe. Dort gilt die Geste als Mudra der Nichtzweiheit.

Bei einer Verbeugung bleibt die Form der Hände erhalten, während der Oberkörper sich aus der Hüfte neigt. Diese Verbeugung heißt im Zen 問訊, monjin; ursprünglich folgte darauf die Frage nach dem Befinden des Gegenübers. Die Geste verbindet Sammlung und Bewegung.

Welche Bedeutung trägt Gasshō im Zen?

Im Sōtō drückt Gasshō Verehrung, Respekt oder Bitte aus; weil die zwei Hände zusammenkommen, steht es dort für den einen Geist. Eine buddhistische Deutung sieht in der rechten Hand den Buddha und in der linken die fühlenden Wesen; zusammengelegt zeigen sie, wie beide eins werden, das Bild des Buddha-Werdens.

Kobun Chino Otogawa verband Gasshō mit Sanskrit añjali. In seiner Auslegung kommen Gegensätze wie Mann und Frau, Vergangenheit und Zukunft, Eltern und Kind, Lehrende und Lernende in der Geste zusammen. Ein Gasshō, sagte er, sei nicht nur eine buddhistische Handlung; es liege davor und darüber hinaus.

Gasshō kann Gebet sein. Es kann ebenso ein Gruß, eine Bitte oder ein Zeichen gegenseitiger Anerkennung sein. Der Zusammenhang entscheidet, welche Seite hervortritt.

Wie wird Gasshō in Tassajara und in der Mühle verwendet?

In Tassajara heben die Sitzenden während des Jundō die Hände in Gasshō, wenn der Dōshi hinter ihnen vorbeigeht. Sie verbeugen sich dabei nicht. Die Geste verbindet Leitung und Sitzende in gegenseitiger Anerkennung.

Dort legte vor allem Kobun Chino Otogawa die Zeremonien fest. Vanja Palmers brachte diese Formen über Puregg und das Felsentor in die Altbäckersmühle; die Linie des Hauses führt über Kobun Chino und Vanja Palmers.

In der Altbäckersmühle begleitet Gasshō die Verbeugung zum Altar beim Betreten und Verlassen des Zendō, die Verbeugung vor dem eigenen Platz (rin’i-monjin) und die in den Raum vor den Mitübenden (taiza-monjin). Sitzende erwidern mit Gasshō den Gruß der Nachbar:innen, die an ihren Platz kommen. Auch beim Austeilen der Sutrenblätter steht die Geste, und während des Jundō grüßt man die Leitung mit Gasshō, ohne sich zu verbeugen.

Was ist der Unterschied zu Shashu und Hokkai-jōin?

Bei Gasshō liegen beide Handflächen offen aneinander.

Bei Shashu liegt der linke Daumen in der linken Faust. Die rechte Hand bedeckt die Faust. Diese Haltung begleitet im Sōtō, in Tassajara und in der Hausform das Stehen, Gehen und Kinhin.

Beim Zazen ruhen die Hände im Hokkai-jōin. Die rechte Hand liegt unten, die linke oben, und die Daumenspitzen berühren sich. Die drei Formen gehören zu verschiedenen Situationen und sind nicht austauschbar.

Was bedeuten die Schriftzeichen?

合掌 wird gasshō gelesen.

合 bedeutet zusammenfügen, vereinigen oder zusammenkommen. 掌 bezeichnet die Handfläche. Das zusammengesetzte Wort benennt die zusammengelegten Handflächen. Am Ende buddhistischer Briefe steht 合掌 auch als Grußformel.