
Japanisch Inga
Ursache und Wirkung
Aus jedem Tun geht etwas hervor, das wieder Grund wird. Kein Urteil über Menschen.

Japanisch Inga
Ursache und Wirkung
Aus jedem Tun geht etwas hervor, das wieder Grund wird. Kein Urteil über Menschen.
Jeder Schritt hinterlässt eine Spur, und die Spur wird zum Boden des nächsten. 因果 (inga) ist das Kanji für Ursache und Wirkung. Gemeint sind Zusammenhänge, keine unsichtbare Macht, die jedem Menschen sein Schicksal zuteilt.
In 因 liegt eine menschliche Gestalt in einem Rahmen, wie auf einer Matte. Sie ruht auf etwas, das sie trägt. In 果 steht ein Baum, und oben hängt die Frucht, schwer und sichtbar am Stamm. Ein Grund und eine Frucht: Das eine trägt, das andere geht daraus hervor.
Zwischen beiden liegt keine gerade Linie. Eine Ursache trifft auf Bedingungen, weitere Ursachen und neue Handlungen. Was als Wirkung hervorgeht, verändert wiederum den Boden für das, was folgt. Mehr über 果 steht auf der Seite Frucht.
Ein Stein fällt ins Wasser
die Ringe fragen nicht, wohin
sie laufen zum Ufer
Ursache und Wirkung ist kein Buchhaltungssystem des Weltalls. Jede Tat verändert die Lage, und die veränderte Lage wirkt weiter. Verantwortung fällt dadurch nicht weg.
Beim Sitzen wird das im Kleinen sichtbar. Ein Gedanke, den wir füttern, wird lauter. Ein Gedanke, den wir nur ansehen, kann an Kraft verlieren. Auch tiefe Übung nimmt niemanden aus den Folgen des eigenen Tuns heraus.
Karma ist damit verwandt, aber nicht dasselbe. Mit Karma ist vor allem das absichtliche Tun gemeint. 因果 umfasst Ursache und Wirkung weiter. Es taugt nicht als Erklärung dafür, ein leidender Mensch habe sein Leid verdient.
Im Eintrag Was ist Karma? heißt es: „Karma ist keine richtende Macht und kein festgeschriebenes Schicksal.“ Zum Fuchsfall steht dort: „Man kann den Kōan so lesen: Erwachen steht nicht außerhalb von Ursache und Wirkung.“ Auf der Seite Vertrauen gehört zu 信心 (shinjin) neben dem Vertrauen in Buddha, Lehre und Gemeinschaft auch das Vertrauen in Ursache und Wirkung, als erster Schritt auf dem Weg. Auf der Seite Frucht ist 果 das Gegenstück zu 因, der Ursache.
Im zweiten Fall des Mumonkan steht die Geschichte von Hyakujōs Fuchs. Ein alter Mann war einst Abt auf diesem Berg gewesen. Auf die Frage eines Übenden hatte er gesagt, ein Mensch tiefer Verwirklichung falle nicht in Ursache und Wirkung. Darauf lebte er fünfhundert Leben als Fuchs. Hyakujōs Antwort auf dieselbe Frage lautet: Ursache und Wirkung werden nicht verdunkelt. So lässt sich der Fall lesen: Befreiung hebt Folgen und Verantwortung nicht auf.
Dōgen kehrte in Daishugyō und Jinshin inga zu diesem Fall zurück. Daneben nahm 因果 den Sinn der Vergeltung früherer Taten an, und im japanischen Alltag heißt 因果な unglücklich, vom Unglück verfolgt. Bei 因果応報 (inga ōhō) geht es um die Vorstellung, dass auf Gutes Gutes und auf Schlechtes Schlechtes folgt.
Ist 因果 dasselbe wie Karma?
Nein. 因果 nennt die Verbindung von Ursache und Folge. Karma meint vor allem das absichtliche Tun, aus dem Folgen erwachsen. Das eine erklärt das andere, ersetzt es aber nicht.
Was bedeuten 不落因果 und 不昧因果?
不落因果 heißt, Ursache und Wirkung nicht zu unterliegen. 不昧因果 heißt, Ursache und Wirkung nicht zu verdunkeln. Im Fuchsfall stehen diese beiden Antworten gegeneinander.
Steht in 不昧因果 das Zeichen 昧 oder 眛?
Im Text des Mumonkan steht 昧, mit 日, Sonne, links. Oft liest man auch 眛, mit 目, Auge. Für beide Schreibungen gibt es Fürsprecher.
因 hat sechs Striche, steht unter Kangxi-Radikal 31 (囗), wird in Schulstufe 5 gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Eine alte japanische Form hat 因 nicht; 囙 ist eine Nebenform (Jisho, das englische und das japanische Wiktionary), und die chinesische Schreibung ist gleich. Nach 角川新字源 und dem englischen Wiktionary liegt ein Mensch (大) auf einer Unterlage (囗); das 漢語多功能字庫 sieht nach 裘錫圭 einen Menschen in Kleidung, und das englische Wiktionary nennt das als zweite Möglichkeit. Nach dem 漢語多功能字庫 und dem japanischen Wiktionary kamen die späteren Bedeutungen (sich stützen, Ursache) durch Entlehnung; nach 角川新字源 folgt „sich stützen“ aus dem Bild. 果 hat acht Striche, steht unter Kangxi-Radikal 75 (木), wird in Schulstufe 4 gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Es ist nach 角川新字源 ein Bildzeichen für einen Baum mit Frucht und die Urform von 菓.
因 liest man On in, Kun yoru, außerhalb der amtlichen Liste chinamu, chinami und yosuga. 果 liest man On ka, Kun hatasu, hateru und hate, außerhalb der amtlichen Liste kudamono, ōseru und haka. Gebräuchlich sind 因果 inga, 原因 gen’in, Ursache, 結果 kekka, Ergebnis, und 因縁 innen, Schicksal oder Verbindung. Dazu kommt 因果応報 inga ōhō, Vergeltung nach dem eigenen Tun. Im 精選版 日本国語大辞典 stammt der erste Beleg für 因果 aus dem 法華義疏 (frühes 7. Jahrhundert), für den Sinn der Vergeltung aus dem 太平記 (spätes 14. Jahrhundert). Sanskrit hetu und phala bezeichnen Ursache und Frucht. 百丈野狐, Hyakujōs Fuchs, ist der zweite Fall des Mumonkan.
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