Was ist das Zazen-Gi?
Das Zazen-Gi (坐禅儀, chinesisch Zuòchán yí, japanisch Zazengi) ist eine kurze chinesische Anleitung zum Sitzen in Meditation. Sie wird Changlu Zongze (長蘆宗賾) zugeschrieben und entstand um die Wende zum 12. Jahrhundert.
Was bedeutet der Titel?
坐 bedeutet sitzen. 禅, in der älteren Form 禪, bezeichnet hier meditative Sammlung und Chan oder Zen. 儀 bedeutet Form, Regel oder angemessene Weise. 坐禪儀 lässt sich als Form des Sitzens in Meditation oder als Anleitung zum Zazen wiedergeben.
Die chinesische Aussprache des Titels lautet Zuòchán yí. Im Japanischen wird derselbe Titel Zazengi gelesen.
Wann entstand die Sitzanleitung?
Changlu Zongze wirkte um 1100 und starb um 1107. Ihm wird das Zuochan yi zugeschrieben. Es ist die früheste bekannte eigenständige Sitzanleitung der Chan-Tradition und umfasst etwa 600 bis 700 Zeichen.
Die Klosterregel Chanyuan qinggui stellte Changlu Zongze 1103 zusammen; eine Ausgabe von 1202 enthält das Zuochan yi in einer erweiterten Fassung.
Was lehrt das Zazen-Gi?
Der Text beschreibt die überkreuzte Sitzhaltung und teilweise geöffnete Augen. Er verbindet körperliche Form mit der Sammlung des Geistes. Gedanken sollen beobachtet werden, bis der Geist sich sammelt.
Die Anleitung trägt Einflüsse der Tiantai-Praxis Zhiyis und des Chan-Lehrers Guifeng Zongmi; anders als Zhiyi, der geschlossene Augen lehrte, lässt sie die Augen halb geöffnet. Neu ist ihre Gestalt als kurze eigenständige Anleitung innerhalb der Chan-Tradition.
Wie wirkte der Text im Sōtō und Rinzai?
In Japan ging die Anleitung in die Sammlung Shibu roku ein, und Eisai zitierte sie in seinem Kōzen gokoku ron; so wirkte sie im Rinzai wie im Sōtō.
Dōgen übernahm den Abschnitt über das Sitzen zu großen Teilen in sein Fukanzazengi. Die sprachlichen Parallelen sind deutlich, doch gerade die Abweichungen gehören zu Dōgens eigenem Text.
Auch Muhon Kakushin (1207 bis 1297) schrieb ein eigenes Zazen gi. Der Ausdruck bezeichnet außerdem eine ganze Gattung von Sitzanleitungen, zu der auch Keizans Zazen yōjinki gehört.
Ist das Zazen-Gi Dōgens Shōbōgenzō Zazengi?
Nein. Hinter den ähnlichen Namen stehen drei verschiedene Texte.
- Das chinesische Zuochan yi oder Zazen-Gi wird Changlu Zongze zugeschrieben und ist in einer Fassung von 1202 mit dem Chanyuan qinggui gedruckt worden.
- Das Fukanzazengi ist Dōgens allgemein gerichtete Anleitung. Dōgen gab später 1227 als Jahr einer ersten Fassung an.
- Das Shōbōgenzō Zazengi ist ein eigenes Kapitel Dōgens von 1243.
Im heutigen Sōtō kann Zazengi außerdem kurz für Fukanzazengi stehen oder die Gattung der Sitzanleitungen bezeichnen. Der Zusammenhang entscheidet, welcher Text gemeint ist.
Worauf kommt es beim Namen an?
Wer dem Namen begegnet, fragt am besten, welcher Text gemeint ist. In diesem Eintrag ist das Zazen-Gi der chinesische Text des Changlu Zongze, nicht Dōgens gleichnamiges Kapitel. Wie Dōgen die Anleitung aufnahm, steht auf der Kanji-Seite Fukanzazengi.
Was bedeuten die Schriftzeichen?
坐禅儀 wird Zazengi gelesen. Die historische Form lautet 坐禪儀.
Die japanische Lesung der Klosterregel 禅苑清規 schwankt: Zen’en shingi, Zen’on shingi oder Zennen shingi.
