Glossar

Was ist eine Praxisperiode, ein Ango?

Ango (安居, japanisch ango) ist eine zusammenhängende Zeit vertiefter gemeinsamer Praxis. In einem Kloster oder Zen-Zentrum richtet die Gemeinschaft Wohnen, Essen, Zazen, Arbeit, Studium und Zeremonien für einen festgelegten Zeitraum enger auf die Übung aus.

Die traditionelle ostasiatische Länge beträgt neunzig Tage. Heutige Praxisperioden können kürzer sein. Die Altbäckersmühle führte 2021 eine fünfwöchige Sommerperiode durch, die wochenweise besucht werden konnte.

Woher kommt das Ango?

Die ältere Grundlage ist der Aufenthalt buddhistischer Ordensgemeinschaften während der indischen Regenzeit. Reisen war in dieser Zeit beschwerlich und konnte Pflanzen und kleine Tiere schädigen. Der Buddha soll deshalb das Bleiben an einem festen Ort geregelt haben.

Pali vassa und Sanskrit varṣa bedeuten Regen. Für 安居 stehen außerdem die Sanskritformen vārṣika und varṣavāsa, Regenzeitaufenthalt.

Aus dem Bleiben während der Regenzeit entwickelte sich ein geordneter Abschnitt des Klosterjahres. Das Ordensalter konnte nach der Zahl der vollendeten Ango berechnet werden, nicht nur nach dem Lebensalter.

Wann findet ein Ango statt?

Im japanischen Sōtō gibt es zwei jährliche Praxisperioden. Die mittleren Termine liegen vom 15. Mai bis 15. August und vom 15. November bis 15. Februar. Frühere oder spätere Varianten können jeweils einen Monat abweichen.

Der Sommer heißt ge ango (夏安居), der Winter tō ango (冬安居). U ango (雨安居) bezeichnet den Regenzeitaufenthalt, setsu ango (雪安居) eine Schneezeit. Im Rinzai kann das Winter-Ango als Schnee-Ango vier Monate bis zum 15. Februar dauern.

Diese Namen zeigen, dass Ango keine weltweit einheitliche Kalenderzeit bezeichnet. Die klassische Dauer und die konkrete Jahreszeit sind voneinander zu unterscheiden.

Was bedeuten Kessei und Kaisei?

Kessei (結制) bezeichnet das Binden einer strengeren klösterlichen Ordnung. Das Wort kann den Eröffnungsritus und die gesamte Zeit meinen, in der diese Regeln gelten. Die förmliche Verbindung heißt kessei ango (結制安居).

Kaisei (解制) bezeichnet das Lösen der Regeln und den Abschluss der Periode. Die Ämter werden zu Beginn bestätigt und bleiben für die Dauer des Ango fest besetzt. Die Zeit außerhalb heißt geai (解間).

Ein Sesshin kann innerhalb der Praxisperiode stattfinden. Es ist nicht mit dem ganzen Ango identisch. Zazen, Kinhin, Studium, Rezitation und Samu tragen den gemeinsamen Rhythmus.

Welche Aufgabe hat der Shuso?

Shuso (首座) bedeutet erster Sitz. Die Person führt die Gemeinschaft der Übenden während der Praxisperiode an. Sie ist nicht unbedingt die dienstälteste Person. Historisch konnte ein jüngerer Mönch mit besonderem Potenzial diese Aufgabe übernehmen.

Zum Amt gehören sichtbare Aufgaben und einfache Alltagsarbeiten. Die Rolle soll nicht den Geist nähren, über anderen oder über alltäglicher Arbeit zu stehen.

Im heutigen japanischen Sōtō ist das Shuso-Amt mit der Dharma-Befragung Voraussetzung für den Rang Risshin und damit für ein späteres Abtsamt. Verkürzte Praxisperioden von wenigen Tagen heißen ryaku kessei.

Wann findet die Shuso-Zeremonie statt?

Für die Hossen shiki (法戰式), die Dharma-Befragung des Shuso, stehen zwei Zeitpunkte nebeneinander: während der Praxisperiode und nach Kaisei, also nach dem Ende der gebundenen Ordnung.

Beide passen zur Formulierung „gegen Ende“ oder „zum Abschluss der Praxisperiode“. Der Shuso nimmt den Platz des Abtes ein und antwortet auf Fragen der versammelten Übenden.

In der Altbäckersmühle heißt diese Form Shuso-Zeremonie. Dort steht der Fall Bodhidharma und Kaiser Wu, Fall 1 des Bi-Yän-Lu, im Mittelpunkt. Der Shuso liest ihn vor. Danach stellt der Sangha die Fragen.

Wie sieht die Praxisperiode der Altbäckersmühle aus?

Die Altbäckersmühle kennt eine jährliche Praxisperiode im Sommer. 2021 bestand sie aus fünf Wochen mit Schwerpunkt Samu. An den Wochenenden lagen Zazenkai „Zen im Wald“. Die Teilnahme war wochenweise möglich.

Die Formen kamen aus Tassajara über Kobun Chino Otogawa und Vanja Palmers, über Puregg und das Felsentor, in die Altbäckersmühle. Ein Ango mit Kobun fand 1994 in Puregg statt.

Wann begann Ango in Japan?

Im späten 7. Jahrhundert fand am Kaiserhof das erste japanische Ango statt. Für das Jahr stehen zwei Angaben nebeneinander, 683 und 684, beide in der Regierungszeit Kaiser Temmus.

Was bedeuten die Schriftzeichen 安居?

安 wird an gelesen und bedeutet Ruhe oder Frieden. 居 wird hier go gelesen und bedeutet bleiben, wohnen oder sich an einem Ort aufhalten.

安居 lässt sich als ruhiges Bleiben oder friedlicher Aufenthalt verstehen. Das Zeichen 安 ist nicht dasselbe wie 庵, Klause, obwohl beide an gelesen werden können.