Glossar

Wer ist Zenmeister:in, und warum?

„Zenmeister:in“ ist keine einheitliche japanische Amtsbezeichnung. Das deutsche Wort kann eine erfahrene Lehrperson, eine Person mit Dharma-Übertragung, eine Tempelleitung oder einen Menschen bezeichnen, den eine Gemeinschaft aus Respekt Meister:in nennt.

Zwischen Sōtō, Rinzai und westlichen Gemeinschaften gibt es dafür weder einen gemeinsamen Titel noch ein schulübergreifendes Prüfverfahren. Was eine Person tatsächlich tut, zeigen Schule, Ausbildung, Übertragung, Aufgabe und die Gemeinschaft, der sie verantwortlich ist.

Ist „Zenmeister:in“ ein japanischer Titel?

Nein. „Zen master“ entstand als unscharfer westlicher Ausdruck in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Japanischen stehen mehrere Wörter mit verschiedenen Bedeutungen und institutionellen Zusammenhängen.

Sensei (先生) ist das allgemeine japanische Wort für Lehrer:in. Es wird auch außerhalb des Zen verwendet und sagt für sich allein nichts über Ordination oder Dharma-Übertragung.

Rōshi (老師) bedeutet alter oder ehrwürdiger Lehrer. Im Rinzai ist die Anrede häufig an eine besondere Lehrbestätigung gebunden. Im Sōtō ist ihr Gebrauch weniger einheitlich und keine allgemeine Amtsbezeichnung der ganzen Schule.

Shike (師家) bezeichnet im Zen eine Person, die andere anleitet. Im engeren japanischen Klostergebrauch leitet ein Shike die Übung im Sōdō. Das Wort kann zugleich die entsprechende Befugnis bezeichnen. Im Sōtō gibt es rund fünfzig Shike; sie werden vom Shike-kai ernannt, und die Dharma-Übertragung allein berechtigt dort nicht, Schüler:innen anzunehmen.

Was bedeutet Oshō?

Oshō (和尚) geht über ein zentralasiatisches Wort auf Sanskrit upādhyāya, Lehrer oder Unterweiser, zurück. Die Lesung hängt von der Schule ab. Im Zen und im Jōdo heißt es oshō, im Tendai und Kegon kashō, im Shingon, Hossō, Ritsu und Jōdo Shinshū wajō.

Im heutigen Sōtō trägt den Titel Oshō, wer Shihō empfangen hat, also die Dharma-Übertragung in einer konkreten Linie. Daioshō ist dort einer Person vorbehalten, die am eigenen Tempel eine Praxisperiode geleitet hat.

Oshō bedeutet damit nicht einfach „freundliche Bezeichnung für eine geistliche Person“. Der heutige institutionelle Sōtō-Gebrauch verbindet das Wort mit Dharma-Übertragung.

Was bedeutet Zenji?

Zenji (禅師) bedeutete ursprünglich einen in Meditation erfahrenen Mönch, einen „Lehrer der Versenkung“. Der Ausdruck stand im Unterschied zu 法師 und 律師 und war nicht von Anfang an auf die Zen-Schule begrenzt. Auch Mönche anderer buddhistischer Richtungen konnten so heißen.

Daneben entstand ein kaiserlicher Ehrentitel. In China erhielt Shenxiu als erster den posthumen Titel Datong Zenji. Der erste japanische Zenji-Titel war Daikaku Zenji für Rankei Dōryū, den Gründer des Kenchō-ji. Kaiser Kameyama verlieh ihn nach Rankei Dōryūs Tod.

Im Zen dient Zenji außerdem als ehrende Bezeichnung, etwa in Dōgen Zenji. Daraus folgt keine überall gleiche Amtsstellung.

Welche Rolle spielt die Dharma-Übertragung?

Im Sōtō bezeichnet Shihō (嗣法) das Empfangen oder Erben des Dharma in einer bestimmten Linie. Denbō (伝法) hebt dieselbe Weitergabe von der Seite der Lehrperson hervor.

Eine solche Übertragung ist nicht dasselbe wie Ordination, Tempelleitung oder jede Form von Lehrbefugnis. Auch Inka (印可), die Bestätigung einer Einsicht durch die Lehrperson, ist nicht einfach ein zweites Wort für denselben schulübergreifenden Abschluss.

Im Rinzai ist Rōshi häufig mit Inka-shōmei verbunden. Im Sōtō führt Shihō nicht automatisch zu jeder Lehrfunktion. Für die Anleitung in einem anerkannten Übungskloster bestehen zusätzliche institutionelle Voraussetzungen.

Jukai, Tokudo, Dharma-Übertragung, Tempelleitung und Lehrbefugnis sind verschiedene Schritte.

Woran zeigt sich verantwortliche Lehre?

Ein Titel allein beantwortet diese Frage nicht. Eine Lehrperson bleibt ein Mensch: Rōshi, Oshō, Zenji oder Shike bescheinigen keine Unfehlbarkeit.

Barbara O’Brien weist darauf hin, dass die westliche Bezeichnung „Zen master“ leicht Vorstellungen von geheimnisvoller Vollkommenheit weckt.

Warum wird das Wort trotzdem gebraucht?

„Zenmeister:in“ kann Respekt, Dankbarkeit und eine lange Lehrbeziehung ausdrücken. Es kann Erfahrung in Zazen und Verantwortung für die Weitergabe des Dharma benennen.

Die beiden, die die Altbäckersmühle heute tragen und leiten, verstehen sich „weniger als große Meister, sondern vielmehr als Hüter:in eines besonderen Ortes und einer alten Tradition“. Mehr dazu auf der Seite Unsere Tradition.

So verstanden benennt Meisterschaft keine Erhöhung über andere. Sie benennt eine Aufgabe, die sich in Übung, Lehre, Verhalten und Rechenschaft zeigt.