Kanji 碧巌録 (Bi-Yän-Lu) in Pinselschrift
碧巌録

Japanisch  Hekiganroku

Smaragdene Felswand, Aufzeichnung

Hundert Fälle, Verse und Kommentare vor einer smaragdenen Felswand.

Im interaktiven Werkzeug öffnen →

Was bedeutet 碧巌録 (Bi-Yän-Lu)?

Ein Fels hält die Stimmen nicht fest, die an ihm widerhallen. 碧巌録, japanisch hekiganroku, in älterer deutscher Umschrift Bi-Yän-Lu, ist eine chinesische Sammlung von hundert Kōan-Fällen. Eine deutsche Übersetzung nennt sie die Niederschrift von der smaragdenen Felswand.

Das Zeichen

碧 bezeichnet einen schönen blaugrünen Stein und die Farbe Blaugrün. 巌 meint einen schroffen Felsen oder eine Felswand. 録 heißt Aufzeichnung. Die drei Zeichen bauen einen leuchtenden Ort und legen zugleich ein Buch dort ab.

Der Name kommt vom Kloster Biyan in Hunan, in dem Yuanwu Keqin die meisten seiner Kommentare schrieb. In deutschen Buchtiteln stehen die smaragdene Felswand und der blaue Fels nebeneinander. Dahinter steht dasselbe Zeichen 碧.

Haiku

Am smaragdenen Fels
ein Ruf fällt in die Schlucht
Wind trägt ihn zurück

Im Zen

Das Bi-Yän-Lu ist mehr als eine Folge alter Gespräche. Xuedou Chongxian wählte hundert Fälle und versah sie mit Versen. Yuanwu Keqin fügte Hinweise, Zwischenbemerkungen und ausführliche Kommentare hinzu. So spricht jede Lage mit mehreren Stimmen.

Die Sammlung ist besonders in der Rinzai-Tradition wichtig, gehört aber nicht einer Schule allein. Fälle wandern zwischen Sammlungen und erhalten dort andere Nummern und Akzente. Der erste Fall des Shōyōroku steht im Bi-Yän-Lu als Fall 92. Bodhidharma vor Kaiser Wu ist im Bi-Yän-Lu Fall 1 und im Shōyōroku Fall 2.

In der Altbäckersmühle

Der Essay Offene Weite, nichts von heilig beginnt den Leseweg mit Bodhidharma und Kaiser Wu. Yunmens Goldener Wind führt mit Fall 27 mitten in die Sammlung.

Die Seite Tor hält fest: „In der Sōtō-Tradition des Hauses gehört dieser Fall zur Shuso-Zeremonie am Ende einer Praxisperiode.“ Der Glossareintrag Was ist ein Kōan? erklärt außerdem die verschiedenen Namen der Sammlung.

Überlieferung

Xuedou stellte die hundert Fälle mit Versen zusammen. Yuanwu schloss seine Kommentierung 1125 ab. Die Geschichte, Dahui habe später das Buch oder seine Druckstöcke vernichten lassen, wird als mündliche Überlieferung weitergegeben. Um 1300 ließ Zhang Mingyuan das Werk wieder drucken.

Auch die Geschichte, Dōgen habe das umfangreiche Werk in einer einzigen Nacht abgeschrieben, ist eine Legende. Wilhelm Gunderts deutsche Übersetzung der Fälle 1 bis 68 erschien von 1960 bis 1973 in drei Bänden. Sie gilt als die bekannteste deutsche Übersetzung; ihr Titel trägt die Umschrift Bi-Yän-Lu und die smaragdene Felswand.

Häufige Fragen

Sind Bi-Yän-Lu und Hekiganroku zwei Bücher?

Nein. Hekiganroku ist die japanische Lesung von 碧巌録. Bi-Yän-Lu folgt einer älteren deutschen Umschrift der chinesischen Aussprache.

Hat das Werk hundert Fälle?

Ja. Xuedous Auswahl umfasst hundert Fälle. Yuanwus Hinweise, Zwischenbemerkungen und Kommentare machen daraus ein vielschichtiges Werk in zehn Bänden.

Hat Dahui das Buch verbrannt?

So erzählt es eine mündliche Überlieferung. Der älteste erhaltene Druck ist die Ausgabe des Zhang Mingyuan von 1300.

Für Expert:innen

碧 hat vierzehn Striche und steht unter 石, Kangxi-Radikal 112. Es ist ein Jinmeiyō-Zeichen und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1. Nach 角川新字源, dem englischen Wiktionary und dem 漢語多功能字庫 ist es ein Laut-Bedeutungs-Zeichen mit 玉 und 石 als Sinnbereich und 白 als Lautteil. On lautet heki, zusätzlich hyaku, Kun ao und midori. 巌 hat zwanzig Striche, steht unter 山, Kangxi-Radikal 46, ist ein Jinmeiyō-Zeichen, steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1 und hat die alte Form 巖 mit dreiundzwanzig Strichen; nach denselben drei Quellen verbindet 巖 den Sinnteil 山 mit dem Lautteil 嚴. On lautet gan, Kun iwa, iwao, gake und kewashii.

録 hat sechzehn Striche und steht unter 金, Kangxi-Radikal 167. Es ist ein Jōyō-Kanji der vierten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N2. Die alte Form ist 錄. Nach 角川新字源 bezeichnete das Zeichen zuerst goldenes Glänzen; für aufzeichnen wurde es entlehnt. On lautet roku und das nicht amtliche ryoku, Kun nicht amtlich shirusu und nur bei Jisho toru. Das englische und das japanische Wiktionary führen für 巌 außerdem die Go-Lesung gen, nur das englische Wiktionary für 録 ryo und sakan. Die traditionelle chinesische Schreibung lautet 碧巖錄, die vereinfachte 碧岩录. Der Taishō-Kanon führt das Werk in Band 48 als Nummer 2003 in zehn Bänden. Wörter sind 碧玉, hekigyoku, Jaspis, 巌窟, gankutsu, Felshöhle, 記録, kiroku, Aufzeichnung, und 語録, goroku, Aufzeichnung der Lehrworte eines Meisters.

Vertiefen

Das Glossar der Mühle

Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 195 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.

Grundlagen der Lehre · Zen-Erfahrung · Praxis und Form · Kloster, Ort und Linie · Texte und Chanten · Küche und Nahrung · Körper und Atem · Bogenschießen · Natur und Jahreslauf · Wörter des Lebens · Schrift und Kultur

Viele Schriftzeichen leben fest auf unseren Seiten: groß im Hintergrund einer Sektion, klein neben einem Titel. Im Verzeichnis findest du sie alle, mit Bedeutung und Fundort. Alle Kurse und Sesshins der Mühle im Überblick.

← Zurück zur Kanji-ÜbersichtZum Glossar →Zum Verzeichnis der Schriftzeichen →Übersicht Kurse →