Kanji 無門関 (Mumonkan) in Pinselschrift
無門関

Japanisch  Mumonkan

Die torlose Schranke

Achtundvierzig Fälle stellen keine Lösung bereit. Sie werden zur Schwelle.

Im interaktiven Werkzeug öffnen →

Was bedeutet 無門関 (Mumonkan)?

Vor dieser Schranke gibt es kein Tor, an das man klopfen könnte. 無門関, gelesen mumonkan, ist der japanische Titel einer Sammlung von achtundvierzig Kōan-Fällen aus dem Jahr 1228. Die Altbäckersmühle nennt sie die torlose Schranke. Ihr erster Fall ist Jōshūs Mu.

Das Zeichen

無 bedeutet nicht oder ohne. 門 zeigt zwei Torflügel. In 関 kehrt das Tor als Rahmen wieder. Die alte Form 關 bezeichnet den Riegel, der das Tor verschließt; in ihrer frühen Gestalt lässt sie sich als Tor mit zwei Riegelhölzern lesen. Der Titel verneint also das Tor, nicht die Schranke.

Zugleich steckt im Anfang der Name des Mönchs, der die Sammlung zusammenstellte: Wumen, japanisch Mumon. 無門関 ist damit auch ein Wortspiel: Wumens Schranke ist die Schranke ohne Tor.

Haiku

Kein Tor in der Mauer
der Fuß hebt sich vom Boden
ein Hund bellt im Hof

Im Zen

Ein Kōan ist kein Rätsel mit einer versteckten Musterlösung. Es ist ein überlieferter Fall, an dem sich Verständnis und Übung prüfen. Das Mumonkan stellt achtundvierzig solcher Fälle mit Kommentaren und Versen zusammen. Seine Schranke lässt sich nicht durch angesammeltes Wissen umgehen.

Am Anfang steht Jōshūs Mu. Ein Mönch fragt nach der Buddha-Natur eines Hundes und erhält Mu. Das Wort hat sprachliche Bedeutungen, doch Wumen stellt es als erste Schranke an den Anfang seiner Sammlung. Die Antwort kann nicht wie eine Lehrmeinung eingesteckt werden.

In der Altbäckersmühle

Der Essay Jōshūs Mu liest den ersten Fall neben zwei Gesprächen aus dem Shōyōroku. Die Kanji-Seite Mu erklärt 無, ohne das Wort auf ein deutsches Nein zu verkürzen.

Die Seite Tor hält 門 und 関 auseinander. Der Glossareintrag Was ist ein Kōan? sagt über die Sammlungen: „Auswahl, Reihenfolge, Verse und Kommentare gestalten die Lektüre.“

Überlieferung

Wumen Huikai stellte die Sammlung 1228 in der südlichen Song-Zeit zusammen. Sein Schüler Zongshao redigierte sie. Die Grundform zählt achtundvierzig Fälle. Die heute verbreitete Ausgabe zählt neunundvierzig Fälle: Der Laie Anwan fügte 1246 mit seinem Nachwort einen Fall hinzu.

Das Werk scheint in China früh verloren gegangen zu sein. Der Mönch Kakushin soll es 1254 nach Japan gebracht haben. In Japan fand es im Mittelalter wenig Beachtung; in der Edo-Zeit wurde es neu gewürdigt und vielfach kommentiert. In der Übung der Rinzai-Tradition gehört es zu den zentralen Werken.

Häufige Fragen

Heißt der Titel das torlose Tor?

So wird der Titel manchmal übersetzt, englisch The Gateless Gate. Die Übersetzung verwischt aber zwei Zeichen. 門 ist das Tor, 関 die Schranke. Die torlose Schranke bewahrt die Spannung genauer.

Hat das Mumonkan achtundvierzig oder neunundvierzig Fälle?

Die Grundsammlung hat achtundvierzig Fälle. Eine später verbreitete Ausgabe fügt einen neunundvierzigsten hinzu.

Ist Mu einfach Nein?

Mu kann verneinen. Die Kanji-Seite Mu sagt dazu: „Im Kōan erschöpft sich Mu weder in einer sachlichen Antwort mit Nein noch in einem metaphysischen Nichts.“ Wumen stellte diesen Fall an den Anfang seiner Sammlung.

Für Expert:innen

無 hat zwölf Striche und steht unter 火 in der Form 灬, Kangxi-Radikal 86. Kun lautet nai, On mu und bu. 門 hat acht Striche und ist Kangxi-Radikal 169. Kun sind kado sowie außerhalb der Liste to, ie und miuchi, On mon und außerhalb der Liste bon. 関 hat vierzehn Striche und steht ebenfalls unter 門. Seine alte Form 關 hat neunzehn Striche, die chinesische Kurzform ist 关. Nach 角川新字源 ist 關 ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 門 und einem Lautteil; das englische Wiktionary liest die Bronzeform zugleich als Tor, das zwei Holzstäbe verriegeln.

On von 関 ist kan, Kun seki und kakawaru, hinzu kommen nicht amtlich karakuri und kannuki. Nur das englische und das japanische Wiktionary führen für 無 außerdem die Tō-Lesung mo und für 関 die Go-Lesung ken. Der volle Titel lautet 禅宗無門関, chinesisch 無門關, Wúménguān. Wumen Huikai lebte von 1183 bis 1260. Verwandte Wörter sind 関所, sekisho, Kontrollposten an Straßen und Grenzen, 関係, kankei, Beziehung, 公案, kōan, öffentlicher Fall, und 頌, ju, Vers.

Vertiefen

Das Glossar der Mühle

Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 219 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.

Grundlagen der Lehre · Zen-Erfahrung · Praxis und Form · Kloster, Ort und Linie · Texte und Chanten · Küche und Nahrung · Körper und Atem · Bogenschießen · Natur und Jahreslauf · Wörter des Lebens · Schrift und Kultur

Viele Schriftzeichen leben fest auf unseren Seiten: groß im Hintergrund einer Sektion, klein neben einem Titel. Im Verzeichnis findest du sie alle, mit Bedeutung und Fundort. Alle Kurse und Sesshins der Mühle im Überblick.

← Zurück zur Kanji-ÜbersichtZum Glossar →Zum Verzeichnis der Schriftzeichen →Übersicht Kurse →