
Japanisch Shōyōroku
Aussprache etwa schoo-yoo-ro-ku
Aufzeichnungen der Gelassenheit
Hundert Fälle öffnen in der Klause der Gelassenheit einen weiten Raum.

Japanisch Shōyōroku
Aussprache etwa schoo-yoo-ro-ku
Aufzeichnungen der Gelassenheit
Hundert Fälle öffnen in der Klause der Gelassenheit einen weiten Raum.
Tee zieht, solange er zieht, und der Bach eilt an keinem Stein vorbei. 従容録, gelesen shōyōroku, ist eine chinesische Sammlung von hundert Kōan-Fällen. Der Titel bedeutet Aufzeichnungen aus der Klause der Gelassenheit. Diese Gelassenheit ist kein Rückzug, sondern eine Weise, in der Welt zu bleiben, ohne zu drängen.
従 bedeutet folgen oder sich anschließen. Erst in der alten Form 從 sind ein Weg und zwei folgende Menschen zu erkennen. 容 bedeutet fassen, aufnehmen oder Raum haben. 録 heißt aufzeichnen. Zusammen bilden die ersten beiden Zeichen das Wort 従容, shōyō, ruhig, gelassen oder ohne Hast.
Die Zeichen dürfen zu einem Bild werden: folgen, Raum geben, aufzeichnen. Doch die Wortbedeutung kommt aus dem festen Ausdruck 従容, nicht aus einer frei zusammengesetzten Bildergeschichte.
Der Lehrsitz bleibt leer
eine Glocke klingt im Flur
alle hören hin
Hongzhi Zhengjue versah hundert alte Fälle mit Versen. Wansong Xingxiu fügte Einleitungen, Zwischenbemerkungen und ausführliche Kommentare hinzu. Das Werk wurde 1223 abgeschlossen und 1224 veröffentlicht. Es wird in der Sōtō-Tradition besonders geschätzt, gehört aber zur weiteren Zen-Literatur.
Der erste Fall beginnt mit dem Buddha, der den Lehrsitz besteigt, und endet, bevor eine Lehrrede gehalten wird. Das ist keine Feier bloßer Wortlosigkeit. Die Sammlung selbst antwortet mit Sprache, Versen und Kommentaren. Wort und Stille prüfen einander.
Der Essay Der Welt-Geehrte besteigt den Lehrsitz liest den ersten Fall. Die Seite Sitz nennt seinen Titel 世尊陞座 und die Veröffentlichung von 1224.
Die Seite Schweigen erinnert an Hongzhis Lehrgedichte und seine hundert Verse. Der Glossareintrag Was ist ein Kōan? sagt: „Die einfache Gleichung Rinzai gleich Kōan und Sōtō gleich Sitzen ist daher zu grob.“
Hongzhis Verse entstanden im chinesischen Caodong, japanisch Sōtō. Wansong kommentierte sie in seiner Klause im Norden Chinas. Das Shōyōroku folgt im Aufbau dem Vorbild des Bi-Yän-Lu. Beide Werke haben hundert Fälle, Verse und Kommentare, aber andere Verfasser und eigene Akzente.
Der chinesische Titel lautet Cóngróng lù. In Japan wurde das Werk besonders seit der Meiji-Zeit ausführlich gelehrt, obwohl auch ältere Kommentare bekannt sind. Seine besondere Wertschätzung im Sōtō-Zen bedeutet nicht, dass es ausschließlich dieser Schule gehört.
Liest man das erste Zeichen jū?
Nicht in diesem Titel. 従 wird in 従容 shō gelesen. Die Wortverbindung bedeutet ruhig, gelassen oder gefasst.
Hat Hongzhi das ganze Shōyōroku geschrieben?
Nein. Hongzhi verfasste die Verse. Wansong fügte Einleitungen, Zwischenbemerkungen und Kommentare hinzu.
Ist das Shōyōroku nur für Sōtō bestimmt?
Nein. Das Werk wird im Sōtō-Zen besonders geschätzt, ist aber Teil der weiteren Zen-Literatur. Fälle begegnen auch in anderen Sammlungen.
従 hat zehn Striche und steht unter 彳, Kangxi-Radikal 60. Es ist ein Jōyō-Kanji der sechsten Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N1. Die alte Form 從 hat elf Striche, die chinesische Kurzform ist 从. Nach 角川新字源 verbindet die alte Form 從 Bedeutung und Laut: 彳 und 辵 stehen für das Gehen, 从 für das Folgen und zugleich für den Laut; das englische Wiktionary führt 從 als Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 辵 und dem Lautteil 从. On lautet jū sowie auf höherer Schulstufe shō und ju, Kun shitagau und shitagaeru, hinzu kommt nicht amtlich yori.
容 hat zehn Striche und steht unter 宀, Kangxi-Radikal 40. Es ist ein Jōyō-Kanji der fünften Klasse und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N3. Beim Lautteil gehen die Quellen auseinander: 角川新字源 nennt 谷, das englische Wiktionary nach der Bronzeform 公. On lautet yō, die Kun-Lesungen ireru, yurusu und katachi sind nicht amtlich. 録 hat sechzehn Striche, steht unter 金, Kangxi-Radikal 167, ist ein Jōyō-Kanji der vierten Klasse, steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N2 und hat die alte Form 錄. Nach 角川新字源, dem englischen Wiktionary und dem 漢語多功能字庫 ist 錄 ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 金 und dem Lautteil 彔; nach 角川新字源 bezeichnete es zuerst goldenes Glänzen und wurde für aufzeichnen entlehnt. On lautet roku und außerhalb der Liste ryoku, Kun außerhalb der Liste shirusu und nur bei Jisho toru. Nur das englische Wiktionary führt zusätzlich 従 shu und für 容 die Kun-Lesung kanbase; die Go-Lesung yū für 容 führen das englische und das japanische Wiktionary. Der Taishō-Kanon führt das Werk in Band 48 als Nummer 2004 in sechs Bänden. Wörter sind 従容, shōyō, gelassen, 容易, yōi, einfach, 記録, kiroku, Aufzeichnung, und 頌古, juko, Vers zu einem alten Fall.
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Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 219 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.
Grundlagen der Lehre · Zen-Erfahrung · Praxis und Form · Kloster, Ort und Linie · Texte und Chanten · Küche und Nahrung · Körper und Atem · Bogenschießen · Natur und Jahreslauf · Wörter des Lebens · Schrift und Kultur
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