Kanji 四無量心 (Die vier unermesslichen Geisteshaltungen) in Pinselschrift
四無量心

Japanisch  Shimuryōshin
Aussprache  etwa schi-mu-rjoo-schin

Vier grenzenlose Haltungen des Herzens

Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut: vier Haltungen des Herzens ohne Grenze.

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Was sind die vier unermesslichen Geisteshaltungen?

Ein guter Wunsch hört nicht an der Haustür auf. 四無量心 (shimuryōshin) ist das japanische Wort für die vier unermesslichen Geisteshaltungen: Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut. Unermesslich heißen sie, weil sie keine Grenze kennen. Sie gelten nicht nur den Nächsten.

Das Zeichen

Vier Zeichen stehen in einer Reihe. 四 zählt vier. 無 lässt eine Grenze verschwinden. 量 misst. 心 ist Herz und Geist. Zusammen entsteht das Bild eines Herzens, das sein Maß nicht an Nähe, Nutzen oder Sympathie nimmt.

Die Reihe sagt nicht, dass ein Mensch immer vier große Gefühle haben müsse. Sie zeigt vier Bewegungen, die einander prüfen und ergänzen. Das Herz darf warm sein, ohne sich zu verlieren. Es darf ruhig sein, ohne kalt zu werden.

Haiku

Der Bach fragt nicht nach
wem er sein Wasser zuteilt
auch das Moos trinkt mit

Im Zen

Die Güte wünscht Wohlergehen. Das Mitgefühl lässt das Leid nicht aus den Augen. Die Mitfreude gönnt dem anderen sein Glück. Der Gleichmut begegnet den Wesen ohne Liebe und Hass zum Maßstab zu machen. Geübt wird das im Sitzen und im Alltag. Der Wunsch bleibt nicht bei den Vertrauten stehen, sondern wird auf alle Wesen ausgedehnt, auch auf fremde. Keine der vier Haltungen soll die anderen ersetzen.

In der Altbäckersmühle

Auf der Seite Mitgefühl steht: „四無量心 (shimuryōshin) sind die vier unermesslichen Haltungen.“ Im Essay Was wir unseren Eltern nicht abnehmen können heißt es: „In der Lehre gehört das Mitgefühl, Karuna, zu den vier unermesslichen Wohnstätten des Geistes.“ Mit ihren Sanskritnamen und den japanischen Silben ji, hi, ki und sha stehen die vier auf der Seite Bodhisattva-Training-Ethik. Wie die Güte zur Übung wird, steht auf der Seite Metta-Sutra: „Güte wird zur Übung, wenn sie keinem Wesen Wohlergehen vorenthält.“

Überlieferung

In den Pāli-Lehrreden stehen die vier als mettā, karuṇā, muditā und upekkhā, im Sanskrit als maitrī, karuṇā, muditā und upekṣā. Der Pāli-Sammelname appamaññā bedeutet das Unermessliche. Auch brahmavihāra, die Wohnstätten Brahmas, ist gebräuchlich. In einem alten Kommentar wird das Wort doppelt erklärt: weil die Wesen zahllos sind oder weil die Haltung auch ein einzelnes Wesen ganz und ohne Rest durchdringt. Im 5. Jahrhundert widmete Buddhaghosa den vier ein Kapitel seines Visuddhimagga. Ähnliche Haltungen kannte man auch im Jainismus. Im Mahāyāna und im Theravāda werden die vier geübt.

Häufige Fragen

Heißen die vier nicht himmlische Verweilzustände?

So heißen sie auch. Auf Deutsch sind mehrere Namen im Umlauf: die vier Unermesslichen, himmlische Verweilzustände oder grenzenlose Geisteszustände. Dahinter steht brahmavihāra, die Wohnstätten Brahmas. In der Altbäckersmühle heißen sie vier unermessliche Haltungen oder Geisteshaltungen.

Ist das dasselbe wie Metta-Meditation?

Mettā, die liebende Güte, ist die erste der vier. Im Theravāda kann die Übung mettā bhāvanā alle vier umfassen. Auf Japanisch heißt sie auch 慈悲の瞑想 (jihi no meisō).

Gehören die vier zum Theravāda oder zum Mahāyāna?

Zu beiden. Die Reihe wird in beiden großen Überlieferungsrichtungen geübt, auch wenn ihre Einordnung und die Namen verschieden ausfallen können.

Für Expert:innen

四 hat fünf Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 31 (囗), ist ein Jōyō-Zeichen der Schulstufe 1 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N5. 無 hat zwölf Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 86 (火, in der Form 灬) und wird in der vierten Klasse gelernt; vereinfacht schreibt man 无. 量 hat zwölf Striche, steht unter dem Kangxi-Radikal 166 (里), wird in der vierten Klasse gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N2. 心 hat vier Striche, ist selbst das Kangxi-Radikal 61, wird in der zweiten Klasse gelernt und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N4.

Bei den Herleitungen gehen die Quellen teilweise auseinander. 四 ist nach 角川新字源 das Bild eines Mundes mit Zähnen und Zunge, die Urform von 呬, Atem; das englische Wiktionary sieht eine ausatmende Nase, das japanische Atem oder Nasenschleim aus der Nase. Für die Zahl wurde das Zeichen entlehnt; vorher schrieb man vier mit vier Strichen, 亖. 無 ist nach 角川新字源, dem englischen und dem japanischen Wiktionary und dem 漢語多功能字庫 das Bild eines tanzenden Menschen, gleichen Ursprungs wie 舞, später für nicht entlehnt. Bei 量 beschreibt nur 角川新字源 einen großen Sack mit Ausguss; das englische und das japanische Wiktionary und das 漢語多功能字庫 nennen den Ursprung ungeklärt. 心 gilt bei 角川新字源 als Bildzeichen nach der Form des Herzens.

Lesungen: 四 shi, yo, yotsu, yottsu, yon; 無 mu, bu, nai; 量 ryō, hakaru, außerhalb der amtlichen Liste kasa und chikara; 心 shin, kokoro, außerhalb der amtlichen Liste ura. Das Wort steht im 精選版 日本国語大辞典 mit dem Erstbeleg Nichiren, Hōrenshō von 1275, in der Schreibung 慈悲喜捨の四無量心. Nebennamen sind 四等 shitō und 四梵住 shibonjū. Gebräuchliche Wörter sind 四季 shiki, vier Jahreszeiten, 無量 muryō, unermesslich, 量 ryō, Menge, und 慈悲 jihi, Mitgefühl. Sanskrit catur-apramāṇa.

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